Sportfotos, Slam und Spurensuche: Die „Literaturtage“ und ihre reizvollen Kontraste

Am Freitag, 11. September, startet das Festival mit einer großen Eröffnungsgala im Kurpark. Das Kuratorische Duo – Beatrice Faßbender und Ulrich Rüdenauer – beschreibt die Stimmung als „vorfreudig, aufgeregt, enthusiastisch neugierig – und irgendwie euphorisch“. Jede der 60 Veranstaltungen setzt einen eigenen Akzent im vielfältigen Programm, dessen Schauplätze auch in vielen Stadtteilen und in die Region zu finden sind.
Darunter auch ein Abend mit dem Bad Mergentheimer DFB- und Sportfotografen Philipp Reinhard in Löffelstelzen. Beatrice Faßbender spricht mit ihm über seine Karriere, große Sportturniere und seine Arbeit mit Stars. Und ein solcher Star ist am 14. September (Montag) in Löffelstelzen als besonderer Gast dabei: Die Leichtathletin Alexandra Burghardt hat als Sprinterin und als Bob-Anschieberin Erfolge gefeiert – sie ist eine von zwei Frauen in Deutschland (und von sieben Menschen auf der Welt), die sowohl bei olympischen Sommer- wie auch Winterspielen mit Medaillen nach Deutschland zurückgekehrt ist. Und wer hat sie bei all ihren großen Triumphen vor der Linse gehabt? Natürlich Philipp Reinhard – ein heimischer Fotograf, von dem sich selbst ein Weltstar wie Dua Lipa ein Fotoshooting wünschte. Veranstaltungspartner ist der SV Löffelstelzen.
Im Rahmen der Literaturtage findet außerdem eine Ausstellung von Christina Cohen-Cossen und Stephan Trinkl im Forum in der Au statt – eine ganz besondere künstlerische Zusammenarbeit. Normalerweise nutzt die Hamburger Tischlermeisterin und Illustratorin Christina Cohen-Cossen ihre wunderbar luftigen und doch präzisen Zeichnungen als Vorstufe für ihre Druckgrafiken. Stephan Trinkl, Werbetexter, Musiker, Flaneur, inspirierten genau diese zu lakonischen, schrägen Begleittexten. Einige der so entstandenen Cartoons stellen die beiden am Vernissage-Abend am 16. September (Mittwoch) vor und geben dazu Einblicke in den kreativen Prozess. Das Duo wird an diesem Abend sogar zum Trio. Die beiden bringen nämlich noch den begehrten Studio- und Tourgitarristen Gabriel Holz mit, der in seiner Freizeit seinem Idol Tom Waits huldigt. Die Ausstellung ist dann bis 20. November zu sehen, unterstützt von den Familien Fernkorn und Imhof sowie dem Kulturverein Bad Mergentheim.
Gezielt an Jugendliche und junge Erwachsene richtet sich der Poetry-Slam-Workshop am 24. und 25. September (Donnerstag und Freitag) im Jugendhaus Marabu. Hier hat der Kursleiter gewechselt: Der ursprünglich angekündigte Aron Boks wurde zur Deutschen Poetry Slam-Meisterschaft eingeladen, die parallel ausgetragen wird. Der Ersatz ist aber mindestens ebenbürtig: Yannik Ambrusits, ein Slam-Meister aus Würzburg, leitet den Kurs und moderiert den Poetry Slam am Freitagabend, 25. September. Anmeldungen sind noch möglich.
Im bunten Reigen der Literaturtage-Schauplätze darf natürlich der „Balkon der Stadt“ nicht fehlen. In Zusammenarbeit mit Würth Industrie Service gibt es zwei Termine hoch oben auf dem Ketterberg im Reinhold-Würth-Haus. Da ist zunächst die Begegnung zweier Väter-Romane: Am 22. September (Dienstag) findet eine Lesung mit Dilek Güngör und Deniz Utlu statt, die gleichsam zwei Reflexionen zum Thema Herkunft bedeutet. Und am 5. Oktober (Montag) liest Judith Hermann, die vielleicht bekannteste deutschsprachige Gegenwartsautorin, aus ihrem neuen Buch „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“. Moderiert wird der Abend von dem Literaturwissenschaftler und Kritiker Kai Sina.
Die bereits ausverkaufte große Podiumsdiskussion „Jenseits der Utopie? Zukunft trotzdem denken und gestalten“ am 30. September (Mittwoch) im Kloster Bronnbach wird ein geringfügig verändertes Podium haben. Da Soziologe Armin Nassehi kurzfristig absagen musste, freuen sich die Veranstalter, mit der Philosophin Anna-Verena Nosthoff eine neue, spannende Mit-Diskutantin gefunden zu haben. Sie sorgte mit ihren Forschungen zu Künstlicher Intelligenz, Kybernetik und Tech-Konzernen für Aufsehen. Komplettiert wird die Runde von den bereits angekündigten Wissenschaftlern Martina Klärle, Julian Nida-Rümelin und Moderator Gerd Scobel. Veranstaltungs-Partner ist die Wittenstein Stiftung. Leitgedanke der Diskussion: Schockstarre hilft nicht weiter, wenn es mit allen Krisen der Gegenwart „knirscht in der Welt“.
Alle Veranstaltungen der Literaturtage sind unter www.bad-mergentheim.de direkt über die Startseite zu finden. Im jeweiligen Veranstaltungseintrag finden sich auch gleich die Anmelde-Modalitäten oder die Möglichkeit zum Ticket-Kauf. Persönlich berät die Tourist Information im Alten Rathaus, die außerdem telefonisch unter 07931 57-4815 zu erreichen ist.
