Neugestaltung des Gänsmarktes

Veröffentlicht am Mittwoch, 21. Februar 2024
Überarbeitete Visualisierung vom November 2023 mit Blick von Norden über den "neuen Gänsmarkt" mit barrierefreier, wertiger Pflasterung sowie mit bequemen Sitzgelegenheiten und Schatten spendenden Baumhainen inklusive modernstem Bewässerungs-System.
Überarbeitete Visualisierung vom November 2023 mit Blick von Norden über den "neuen Gänsmarkt" mit barrierefreier, wertiger Pflasterung sowie mit bequemen Sitzgelegenheiten und Schatten spendenden Baumhainen inklusive modernstem Bewässerungs-System.

Im Juli 2023 haben die Bauarbeiten auf dem Gänsmarkt begonnen. Sie sind der Auftakt für die Sanierung und Neugestaltung des Platzes. In einem ersten Schritt wurden Sondierungsgrabungen am Gänsmarkt und den einmündenden Straßen durchgeführt. Insgesamt wird es vier Bauabschnitte für den Platz-Aufbau geben, die am 15. Januar 2024 starteten und im ersten Quartal 2025 abgeschlossen werden.

Der neue Gänsmarkt wird ein moderner und durchgrünter Platz, der eine hohe Aufenthaltsqualität bietet und zum Verweilen einlädt. Der mittlere Bereich bleibt - wie bisher schon - autofrei. Im Norden und Süden können Autos den Gänsmarkt befahren, auch Parkplätze wird es wieder geben. Als neuer, barrierefreier Belag wird fränkischer Muschelkalk verbaut. Die Pflasterung zieht sich in den Übergängen bis in die umliegenden Straßen hinein. Die Entwurfsvarianten sind in Zusammenarbeit mit dem Büro "Planstatt Senner" aus Überlingen entwickelt worden, das die Stadt bereits bei der erfolgreichen Machbarkeitsstudie als Bewerbung für die Landesgartenschau 2034 begleitet hatte.

Auf dem "neuen Gänsmarkt" gibt es Baumhaine und Beete, Sitzbänke, ein Holzdeck zum Liegen sowie Fahrradständer im Bereich Törkelgasse und Härterichstraße. In der Planansicht blau markiert sind als Ideen Sprühnebel und Trinkbrunnen; im Schatten des mittleren Baumes sind Spielgeräte vorgesehen. Ebenfalls bereits eingezeichnet ist die Gastronomie.

Besondere Charakteristika des Platzes sollen - neben seiner räumlichen Wirkung im teils historischen Gebäude-Ensemble und einem ansprechenden Beleuchtungskonzept - die Barrierefreiheit und die Klimaresilienz sein. Das kann nicht nur durch die Auswahl der Bäume, sondern auch durch so genannte "Baumrigolen" erreicht werden, die Niederschlagswasser versickern lassen und überschüssiges Wasser in einem Retentionsbecken auffangen. Durch die Regenwassernutzung kann eine dauerhafte Begrünung gewährleistet werden, ohne auf Trinkwasser zurückgreifen zu müssen.

Künftig drei Grad kühler

Ein wichtiges Ziel für den Platz ist, dass er auch in Hitzeperioden ein angenehmer Aufenthaltsort ist. Der Deutsche Wetterdienst bestätigt inzwischen in einer Berechnung, dass der neue Gänsmarkt an Hitzetagen rund drei Grad kühler sein wird. Insgesamt soll er das gesamte Wohn- und Geschäftsumfeld aufwerten sowie eine ansprechende Verknüpfung zwischen dem Marktplatz und den weiteren Altstadt-Plätzen und dem Bahnhofs-Areal sein.

Für den neuen Gänsmarkt, der auch ein städtebauliches Projekt innerhalb der Landesgartenschau-Konzeption "Blühende Quellen" 2034 ist, erhält die Stadt rund 1,5 Millionen Euro Landes-Fördermittel aus dem Programm „Soziale Integration im Quartier“ (SIQ).

Aktuelle Informationen zu den Bauarbeiten

„Es bleibt bei dem Ziel, das ehrgeizige und umfangreiche Gesamt-Projekt zügig und qualitativ hochwertig umzusetzen. Die einzelnen Etappen sind in intensiven Vorplanungen festgelegt worden“, erläutert Stadtbaudirektor Bernd Straub. Er unterstreicht zudem noch einmal, dass dieses Projekt sehr komplex sei und Abstimmungen mit vielen Seiten und Beteiligten erfordere.   

Die Bauabschnitte wurden nicht nur nach fachlichen Notwendigkeiten festgelegt, sondern berücksichtigen auch die Bedürfnisse von Betroffenen der Baustelle. So kommen beispielsweise jene Bereiche, in denen Außengastronomie beheimatet ist, bewusst im Winter an die Reihe. Wichtig für das Verständnis der Baustelle ist zudem, dass die Platz-Konzeption mit klimastabilen Baumhainen, Zisterne und Bewässerungsrigolen zunächst durch Arbeiten im Untergrund eine entsprechende Grundlage bekommen muss.

Im September 2023 starteten vorbereitende Maßnahmen für die Infrastruktur. Dabei wurden im Bereich Törkelgasse ein Stück Kanal erneuert, Wärmeleitungen und Hausanschlüsse gelegt, Wasserleitungen getauscht und die Gasleitung angepasst. Von 15. Januar 2024 bis 1. März 2024 sind noch einmal Tiefbauarbeiten notwendig im Bereich zwischen Ledermarkt und Gänsmarkt.

Während der Tiefbauarbeiten erledigte die Stadt weitere Verfahrensschritte wie die Bestandsdokumentation.

Diese Arbeiten für den eigentlichen Platzaufbau haben am 15. Januar 2024 in insgesamt vier Bauabschnitten von Süden nach Norden begonnen.  

Bauabschnitt 1 (Januar bis März 2024 - läuft aktuell): Dieser Bauabschnitt erstreckt sich von der Kirchstraße 11 bis zur Einmündung in die Holzapfelgasse. Lesen Sie hier detaillierte Informationen zum Bauabschnitt 1.

Bauabschnitt 2 (März bis August 2024): Fortgesetzt werden die Arbeiten von der Einmündung Holzapfelgasse bis zum Ledermarkt 12 und über die Fahrbahn hinweg bis ins Zentrum des Platzes (Gänsmarkt 7 und 8). Dies ist der größte Bauabschnitt des Projektes. In der KW 10 (4. bis 9. März) soll die große Zisternen-Grube in der Platz-Mitte ausgehoben werden.

Bauabschnitt 3 (September bis Dezember 2024): Ab Spätsommer des kommenden Jahres geht es an das Zentrum des Platzes, ein Stück in die Törkelgasse hinein und bis an die Bahnhofstraße heran.

Bauabschnitt 4 (Januar bis Februar 2025): Der finale Bereich des Projektes wird die Bahnhofstraße sein – bis zur Härterichstraße 3. Anschließend folgen noch Restarbeiten. 

Eine Karten-Grafik zu den Bauabschnitten bieten wir Ihnen zum Download an.

(Beachten Sie bitte, dass die Rechte für jegliches Bild- und Kartenmaterial bei der Stadt Bad Mergentheim liegen und eine Verwendung und Veröffentlichung an anderer Stelle nicht oder nur nach Genehmigung zulässig ist.)

Für alle Bauarbeiten gilt: Sofern es bei den einzelnen Baustellen zu verkehrlichen Beeinträchtigungen kommt, wird die Stadt diese aktuell und tagesgenau präzisiert separat kommunizieren. Fußgängerinnen und Fußgänger können den Bereich zu jeder Zeit passieren.

Archäologie

Die Altstadt Bad Mergentheims ist Grabungsschutzgebiet. Das bedeutet, dass alle Arbeiten im Vorfeld mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt werden. In diesen Abstimmungen wird das jeweilige Verfahren geklärt. Ziel ist, dass archäologische Funde und Befunde der wissenschaftlichen Forschung nicht verloren gehen. Deshalb werden auch die Bauarbeiten im Bereich Gänsmarkt fachlich von einem Archäologen begleitet. Für die Stadt Bad Mergentheim ist hier Matthias Klefenz federführend tätig.

Bisher können wir folgende archäologischen Befunde mitteilen: Partiell freigelegt wurde der historische Hauptkanal, der zum Teil im 19. Jahrhundert erneuert worden und abschnittsweise noch immer in Betrieb ist (also Wasser führt).  Im Bereich der Nonnengasse ist ein älterer und stillgelegter Abschnitt dieses Kanals zu Tage getreten, der aber größtenteils durch Baumaßnahmen in der Nachkriegszeit beschädigt worden ist. Außerdem wurden im Zuge der Bauarbeiten im Bereich Ledermarkt zwei Stichkanäle freigelegt, die ursprünglich die Abwässer aus dem Bereich Johanniterhof in den Hauptkanal ableiteten.

Alle archäologischen Befunde werden nach der Freilegung sachgerecht dokumentiert. Die Befunde werden nur so weit freigelegt, wie es für die Baumaßnahmen erforderlich ist – auch um Verzögerungen zu vermeiden. Soweit technisch möglich, bleiben die historischen Kanalabschnitte erhalten. Die durch die aktuellen Bauarbeiten erfolgten Eingriffe sind begrenzt und werden von Herrn Klefenz aus denkmalpflegerischer Sicht als vertretbar eingeschätzt. Die Befunde werden im Zuge der Bauarbeiten sachgerecht mit einer schützenden Trennschicht überdeckt, so dass deren Erhalt für die Zukunft gewährleistet ist.

Aus Experten-Sicht sind die bisherigen Befunde stadtgeschichtlich deshalb bedeutsam, weil sie die älteste bekannte Kanalisation Bad Mergentheims, die bis in das Mittelalter zurückreichen dürfte, zumindest widerspiegeln. Erst wenn die baubegleitenden Untersuchungen vollständig abgeschlossen sind, können nähere Angaben dazu gemacht werden.

Freigelegter historischer Kanal unter dem Ledermarkt. (Bild: Matthias Klefenz, Büro für Bauforschung-Archäologie)

Auch bei den weiteren Bauarbeiten im Bereich des Gänsmarktes wird die Stadt das Thema Archäologie mit aufwändigen Verfahren berücksichtigen.

Informationen zum Thema Baum-Entnahmen und Neupflanzungen

Im Zuge der Bauarbeiten wurden im Januar 2024 Bestandsbäume entfernt, die ohnehin mittelfristig abgestorben wären. Gerne informieren wir Sie darüber transparent und im Detail:

Die Mehlbeeren in der Stadt Bad Mergentheim werden nach und nach alle von einem Pilz befallen und deshalb mittelfristig aus dem Stadtbild komplett verschwinden. Dies ist auch der Grund, warum schon seit geraumer Zeit gar keine Mehlbeeren mehr neu gepflanzt werden. Auf Basis wissenschaftlich fortgeschriebener Straßenbaum-Listen, beispielsweise von der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) oder der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), setzen die Stadtgärtnerinnen und Stadtgärtner in Bad Mergentheim bewusst nur noch solche Sorten ein, für die in Zeiten des Klimawandels gute und langfristige Überlebenschancen bestehen. Denn die bisherigen Klimaveränderungen sind es auch, die die Mehlbeere nicht nur in Bad Mergentheim, sondern auch in vielen anderen Städten, stark geschwächt haben. Die Entwicklung ist vergleichbar mit dem Eschentriebssterben, das die Bestände in großem Umfang dezimiert.

„Wir müssen klar feststellen: Die Lebensdauer der noch vorhandenen Mehlbeeren – auch auf dem Gänsmarkt – ist eingeschränkt. Zwar tun wir überall in der Stadt viel dafür, um auch kranke Bäume bestmöglich zu pflegen und zu erhalten, aber bei einigen Mehlbeeren ist schon jetzt nur noch ein starker Rückschnitt zur Verkehrssicherung möglich“, erläutert Landschaftsplanerin Eva Müller. Dies betreffe beispielsweise die Bäume im Bereich des Kiliansbrunnens, die bereits stark zurückgeschnitten wurden und sichtbar krank sind. Auf dem Gänsmark sind die bestehenden Bäume unterschiedlich stark betroffen. „Gerade auf dem mittleren Bereich des Platzes machen einige Bäume noch einen sehr vitalen Eindruck. Den schleichenden Prozess, dass sich der Pilz von Baum zu Baum verbreitet, können wir jedoch nicht aufhalten“, betont Eva Müller. „Der optische Eindruck wirkt auf Laien oft täuschend.“

Der Pilz „Zottiger Schillerporling“ verursacht eine so genannte „Weißfäule“. Diese lässt mit der Zeit Teile der Baumkrone einbrechen oder diese sogar komplett herunterbrechen. Kranke Mehlbeeren finden sich überall im Stadtgebiet: In der Althäuser Schwimmbadstraße oder in der Dainbacher Binsengasse sind Bäume bereits komplett abgestorben, an vielen Stellen – wie der Caritas-Kreuzung, am Stuppacher Friedhof oder in der Wilhelm-Frank-Straße – sind die Bäume abgängig. In der Stadionstraße und in der Marienstraße mussten Mehlbeeren bereits durch neue Bäume ersetzt werden.

Im Zuge der Bauarbeiten auf dem Gänsmarkt werden die Bestands-Mehlbeeren dort schrittweise – beginnend im Norden – entfernt. Stadtbaudirektor Bernd Straub unterstreicht noch einmal, dass auf dem Gänsmarkt künftig mehr Bäume und vitalere Bäume stehen werden: „Wir brauchen Bäume, die Zukunft haben!“ Dazu schaffe die Stadt mit großem Aufwand die bestmöglichen Bedingungen. Schon in der ersten Phase der Bauarbeiten werde eine Regenwasser-Zisterne in den Gänsmarkt-Untergrund eingebaut, die später die vorgesehenen Baum-Rigolen über deren vernetzte Wasser-Speicher versorgt. „Unsere Planungen sind von Grund auf darauf ausgerichtet, dass wir den neuen, klimastabilen Stadtbäumen auf dem Gänsmarkt die optimalen Bedingungen schaffen“, erläutert Bernd Straub abschließend.

Rückblick: Bürgerbeteiligung

Oberbürgermeister Udo Glatthaar bedankt sich bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich im seit vier Jahren breit angelegten Beteiligungsprozess zum neuen Gänsmarkt eingebracht haben. Bereits im April 2019 waren über 100 Betroffene und Interessierte zur ersten Bürgerwerkstatt gekommen, weitere Befragungen fanden in den folgenden Monaten sowie in den Jahren 2020 und 2021 statt. Die im November im Gemeinderat verabschiedete Entwurfsvariante greift die wesentlichen Ziele auf, die im Beteiligungsprozess herausgearbeitet wurden: von der Aufenthaltsqualität bis zur Verkehrsberuhigung.