Mit der Landesgartenschau die Stadt klimafest machen

Veröffentlicht am Dienstag, 22. September 2026
Eva Müller informierte beim Landesgartenschau-Spaziergang durch die Innenstadt, wie diese besser an die immer heißeren Sommer angepasst werden soll.
Eva Müller informierte beim Landesgartenschau-Spaziergang durch die Innenstadt, wie diese besser an die immer heißeren Sommer angepasst werden soll.

Im Rahmen der bundesweiten „Woche der Klimaanpassung“ hat die Stadt Bad Mergentheim bei einem Bürgerspaziergang darüber informiert, wie die Projekte der Landesgartenschau die Kurstadt hitzefest machen sollen – und wo die Planungen aktuell stehen.

Stadt- und Landschaftsplanerin Eva Müller konnte dazu rund 30 Interessierte begrüßen. „Mit dem Platz rettet Ihr die Welt nicht“, warf ein Passant ein, als die Gruppe am Gänsmarkt startete. „Das stimmt – aber er ist ein Anfang, um die Stadt insgesamt kühler und lebenswerter zu machen“, nahm Eva Müller den Ball auf, als sie das „Starterprojekt“ der Landesgartenschau noch einmal als Nukleus für klimaangepasste Stadtsanierung vorstellte: Mit seinem hellen Asphalt, Baumquartieren, Zisternen, Trinkbrunnen und Versickerungsflächen zeige der Platz, wie man den immer heißeren Sommern etwas entgegensetze.

Anhand von Zahlen und Wetterdaten verdeutlichte Eva Müller die Entwicklung: „In den 1950er und 1960er Jahren gab es in Bad Mergentheim noch durchschnittlich zwei Hitzetage über 30 Grad im Sommer. Um die Jahrtausendwende waren es bereits 12 – und in diesem Jahr 41.“ Wobei „über 30 Grad“ zuweilen auch bereits „über 40 Gad“ bedeute. Durchschnittlich 33 Hitzetage seien bis 2060 für die Kurstadt prognostiziert, die diesjährigen Werte lägen bereits darüber. „Heutige Kinder werden an den Sommer 2026 als einen der kühleren zurückdenken“, so Eva Müller.

Auf dem Marktplatz erinnerte sie daran, dass die Innenstadt an den Hitzetagen dieses Sommers wie ausgestorben gewesen sei. „Klimaanpassung ist auch Wirtschaftsförderung!“, betonte sie. Darum gehe es auch im europaweiten Wettbewerbsverfahren, das der Gemeinderat im Mai für die Altstadtplätze Marktplatz, Burgstraße, Deutschordenplatz und Hans-Heinrich-Ehrler-Platz ausgelobt habe. „Die Teilnehmenden erarbeiten gerade ihre Vorschläge, bevor am 4. und 5. November das Preisgericht die besten Entwürfe kürt“, gab Eva Müller einen Einblick. Dem Preisgericht gehörten neben Oberbürgermeister Udo Glatthaar auch Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinderats-Fraktionen sowie externe Fachleute an.

Auf die Entwürfe dürfe man gespannt sein, ehrgeizig sei die Aufgabenstellung in jedem Fall. Denn sowohl der Wunsch der mehr Schatten und Kühle wie auch wichtige Funktionen wie Markt- und Veranstaltungsflächen oder das Thema Sichtbeziehungen und Blickachsen seien als fachliche Eingaben in die Ausschreibung eingeflossen. Bereits jetzt konnte die Referentin den Bürgerinnen und Bürgern in Aussicht stellen, dass die Entwürfe in der zweiten November-Woche auch öffentlich im Kulturforum ausgestellt werden.

„Planungsprozesse brauchen Zeit und Sorgfalt – auch wenn wir Verständnis für die Ungeduld haben“, erklärte Eva Müller zu den Bau-Vorbereitungen. Es sei aber alles so weit im Zeitplan, dass bis zur Landesgartenschau 2034 große Teile der Altstadt saniert sein würden. Auf die Frage aus der Zuhörerschaft, wie die Stadt dies vor dem Hintergrund leerer Kommunal-Kassen finanzieren werde, verwies die Stadtplanerin auf das Sanierungsgebiet Altstadt/ Stadtgarten. „Den Gänsmarkt haben wir dank des Rückenwindes von Landesgartenschau und Stadtsanierung zu drei Vierteln gefördert bekommen. Förderungen gibt es aber nur, wenn ein Platz klimaangepasst ist – denn auch das Land sieht, mit welchen Herausforderungen die Kommunen rechnen müssen“, warb Eva Müller dafür, die Landesgartenschau-Projekte nicht mit dem Vorurteil der „Geldverschwendung“ zu belegen, sondern weiter auf zukunftsgerichtete Konzepte zu setzen.

Sie nahm für das Stadtbauamt auch Stellung zur Nachfrage nach kühlenden „Sprühnebel“-Anlagen, wie man sie bereits aus einigen anderen Städten kenne. „Wir haben auf dem Gänsmarkt die entsprechenden Anschlüsse bereits geschaffen, scheitern aktuell noch an den sehr strengen Vorgaben für die Wasserqualität und dem hohen Kalkgehalt in unserem Trinkwasser. Wir setzen darauf, dass sich hier bei den Vorgaben und auch auf Seiten der Hersteller und der Technik noch einiges tut. Dann sehen wir Sprühnebel an Hitzetagen auch bei uns als einen sehr guten Baustein an, damit Menschen sich abkühlen und länger in der Stadt verweilen können“, antwortete Eva Müller.

An weiteren Stationen schilderte sie außerdem die Pläne für den Deutschordenplatz (und angrenzend den „Grünen Boulevard“, zu dem sich die Würzburger Straße/ Igersheimer Straße entwickeln soll) und gab im Schlosspark noch einen aktuellen Sachstandsbericht zum Parkpflegewerk des Landes. Dieses beinhaltet im nächsten Bauabschnitt eine historische Reminiszenz an die einst mit Wasser gefüllten Teiche samt „Entendörfle“ zwischen dem Bereich Halbmondhäuschen/ Obstwiese sowie dem Bereich Flughaus und dem Arsenal gelegen.

Durch Niedrigwasserstände könne die Tauber ersten Berechnungen zufolge an rund 50 Tagen im Jahr kein zusätzliches Wasser für die Befüllung der Teiche zur Verfügung stellen (sie würden dann zeitweise austrocknen). Mögliche Lösungsvorschläge - beispielsweise die Verkleinerung der Teiche – lägen den Planern vor. „Ob, wann und wann das Projekt umgesetzt werden kann, dazu warten auch wir als Stadt auf eine Rückmeldung vom Land.“

Eva Müller beendete den knapp zweistündigen Rundgang am Schlosspark-Spielplatz mit den Themen der Tauber (Fischdurchgängigkeit, Hochwasser- und Quellenschutz) und dem großen „Landschaftspark“, der neben attraktiven Spiel- und Bewegungsflächen auch das Ausstellungsgelände der Landesgartenschau beinhalten wird. Ziel sei es, diesen im kommenden Jahr auszuloben. Der von Eltern oft bemängelte Bestands-Spielplatz im Schlosspark sei Teil der Landesfläche und habe zunächst nichts mit der Landesgartenschau zu tun. Die Stadt sei aber in Gesprächen mit dem Land, ob man den Spielplatz mit einer neuen Planung von anderen Projekten unabhängig aufwerten und besser verschatten könne, so die Referentin zum Abschluss.