Literaturtage: Lyrik im Stadtkloster, Lesung im Hangar – und viele prominente Gäste

Liebe Beatrice Faßbender, lieber Ulrich Rüdenauer – Sie beide kuratieren im Auftrag der Stadt Bad Mergentheim die 43. Baden-Württembergischen Literaturtage. Ende August 2025 haben wir das letzte Mal gesprochen. Da standen Sie gerade am Anfang Ihrer Planungen, hatten sehr viele Ideen. Was ist in der Zwischenzeit geschehen, was konnten Sie umsetzen?
Ulrich Rüdenauer: In den vergangenen Monaten ist eine Menge passiert – wo sollen wir anfangen?
Beatrice Faßbender: Vielleicht mit der guten Nachricht vorab: Seit wenigen Tagen steht das komplette Programm der Baden-Württembergischen Literaturtage 2026. Mehr als 60 Veranstaltungen an mehr als 40 Orten in und rund um Bad Mergentheim. Am 11. September geht es los mit einer großen Eröffnungsgala, am 11. Oktober findet der Abschluss statt.
Rüdenauer: Tatsächlich haben wir sehr viele von unseren Projekten umsetzen können. Und wir mussten uns schließlich selbst bremsen. Wir hätten auch noch 60 weitere Ideen gehabt, aber irgendwann ist der Terminkalender voll und die Deadline da.
Faßbender: Dass das alles so wunderbar geklappt hat, ist auch dem ganzen Team rund um Tourismusdirektor Kersten Hahn, Stefanie Boßmeyer und Lukas Wegner zu verdanken. Eine so tolle Zusammenarbeit haben wir selten erlebt. Hier haben von Anfang an alle an einem Strang gezogen.

Mit Winfried Kretschmann, Judith Hermann, Giulia Enders sowie Matthias Brandt und Jens Thomas (von links oben nach rechts unten) wurden weitere hochkarätige Gäste der Literaturtage in Bad Mergentheim vorgestellt. (Bilder: Staatsministerium BW, Andreas Reiberg, Julia Sellmann, Steven Haberland)
In unserem Gespräch im letzten Jahr sprachen Sie davon, mit unterschiedlichsten Kooperationspartnern zusammenarbeiten zu wollen. Hat das geklappt?
Faßbender: Und wie! Das war vielleicht auch die beglückendste Erfahrung. Wir haben so viele sympathische und engagierte Menschen aus Vereinen, von Institutionen und regionalen Firmen kennengelernt, die uns unterstützen oder ihre Räumlichkeiten angeboten haben. Als würden alle gemeinsam an einem großen Projekt arbeiten. So sollte es sein: Die Literaturtage sind nichts, was dem Publikum vorgesetzt wird. Sondern sie sind aus der Gemeinschaft heraus entstanden und werden von ihr wesentlich mitgetragen.
Rüdenauer: Diese Erfahrung stimmt uns sehr zuversichtlich. Wir sind fast überall auf offene Ohren und Arme gestoßen, und es gibt so viele Partner, die mithelfen werden, dass die vier Festivalwochen wirklich zu einem großen gemeinsamen Fest werden.
Können Sie Beispiele nennen?
Faßbender: Wir sind beispielsweise mit einem Lyrikabend im wunderschönen Stadtkloster – und Schwester Ursula und Schwester Rita sowie die katholische Kurseelsorge werden tatkräftig daran mitwirken, dass dieser Abend mit Gedichten und Musik unvergesslich wird. Wir dürfen alle Räume bespielen – auch den herrlichen Meditationsraum. Und im Klostergarten sind wir auch, wenn das Wetter mitspielt.
Rüdenauer: Viele Vereine sind dabei – vom SV Löffelstelzen über den MSC bis zum Tourismusverein Markelsheim, vom Kulturverein bis zum Lions Club und den Rotarieren.
Faßbender: Eine Veranstaltung findet in der Werkhalle der Firma UFT statt, eine andere im Hangar des Flugplatzes Unterschüpf. Wir bespielen das Reinhold-Würth-Haus und sind auf dem Martinshof in Rüsselhausen.
Rüdenauer: Das Schlosscafé wird während der Literaturtage zum offiziellen Festivalcafé – dort wird es alle Bücher der Autorinnen und Autoren geben, die nach Bad Mergentheim kommen, man kann darin schmökern und sich informieren. Oder vor und nach den Veranstaltungen bei einem Kaffee oder Wein über die Lesungen plaudern. Und natürlich auch Schriftstellerinnen und Schriftsteller treffen, für die das Café ebenfalls ein Anlaufpunkt sein wird.
Sie sagten eben, dass das Programm der Baden-Württembergischen Literaturtage abgeschlossen ist. Ein paar herausgehobene Veranstaltungen sind ja schon im Vorverkauf – etwa die Lesung mit der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk oder mit dem Autor und Koch Vincent Klink. Wann wird denn das komplette Programm veröffentlicht?
Faßbender: Wir sind gerade dabei, das Programmheft fertigzustellen – das wird im Juni in gedruckter Form und digital vorliegen. Beim Regionaltag am 28. Juni sind wir mit einem Stand vertreten und geben Neugierigen gern Tipps. Und am 30. Juni gibt es eine offizielle Pressekonferenz. Danach wird das Programm dann auch überregional verbreitet.
Rüdenauer: Aber schon in den nächsten Wochen werden nach und nach weitere Veranstaltungen in den Vorverkauf gehen. Karten gibt es dann bei der Tourist-Info in Bad Mergentheim, bei der Buchhandlung Moritz und Lux oder online über den Veranstaltungskalender der Stadt.
Faßbender: Wobei wir dank unserer vielen Partner und Förderer sehr viele Veranstaltungen bei freiem Eintritt anbieten können. Da muss man sich dann zumeist nur anmelden.
Wir wissen schon, dass Iris Wolff, Olga Tokarczuk, Vincent Klink oder Denis Scheck dabei sind. Können Sie noch ein paar Namen nennen?
Faßbender: Aber gern. Ministerpräsident a.D. Winfried Kretschmann wird über Hannah Arendt sprechen – übrigens bei freiem Eintritt.
Rüdenauer: Matthias Brandt und Jens Thomas treten in der Tauberphilharmonie auf.
Beatrice Faßbender: Julian Nida-Rümelin, Martina Klärle und Armin Nassehi diskutieren mit Gert Scobel über die Herausforderugen der Zukunft – auch dazu muss man sich nur anmelden.
Rüdenauer: Judith Hermann stellt ihr neues Buch vor (bei freiem Eintritt).
Faßbender: Bernd Begemann erzählt, wie man gute Songs schreibt – und gibt anschließend ein Konzert.
Rüdenauer: Gilda Sahebi spricht mit Achim Bogdahn darüber, dass uns als Gesellschaft mehr eint als trennt (Eintritt frei).
Faßbender: Der Evolutionsbiologe Matthias Glaubrecht unterhält sich mit Gerd Bayer übers Artensterben – und was wir dagegen tun können (Eintritt frei).
Rüdenauer: Ute Krause stellt ihre wunderbaren Kinderbücher vor.
Faßbender: Rainer Moritz – nicht der Bad Mergentheimer, sondern der Hamburger – frönt bei einem vermutlich sehr lustigen Abend seiner Leidenschaft für Schlager.
Rüdenauer: Die Bestsellerautorin und Ärztin Giulia Enders („Darm mit Charme“) nimmt uns mit auf eine faszinierende Reise ins Innerste unseres Körpers.
Faßbender: Das sind nur ein paar Beispiele. Daneben gibt es Workshops und Ausstellungen, eine Human Library und Lesungen in Geschäften rund ums Münster, sogar ein Pubquiz steht auf dem Programm.
Das hört sich nach einem ziemlichen Marathon an. Und Sie werden überall dabei sein?
Faßbender: Wir sind überall und jeden Tag dabei, betreuen die Autorinnen und Autoren und freuen uns auf die Gespräche mit dem Publikum.
Rüdenauer: Wir hoffen, während der 30 Festivaltage in einen Flow zu kommen – und es einfach nur zu genießen, so viele abwechlungsreiche Abende erleben zu dürfen.
Faßbender: Und am 12. Oktober ziehen wir dann für eine Woche zur Erholung in ein Schweigekloster …
