Literaturtage 2026 in Bad Mergentheim: "Eigentlich darf man alles erwarten!"

Veröffentlicht am Donnerstag, 28. August 2025
Beatrice Faßbender und Ulrich Rüdenauer. (Foto: Sophie von Heppe)
Beatrice Faßbender und Ulrich Rüdenauer. (Foto: Sophie von Heppe)

Bad Mergentheim richtet im Jahr 2026 die Baden-Württembergischen Literaturtage aus. Im Interview mit Beatrice Faßbender und Ulrich Rüdenauer, dem kuratorischen Team, erfahren Sie mehr über die Vorbereitungen der rund 50 Veranstaltungen und worauf Sie sich schon jetzt freuen dürfen.

Bad Mergentheim hat den Zuschlag bekommen, im Jahr 2026 die 43. Baden-Württembergischen Literaturtage auszurichten. Vielleicht wissen noch gar nicht alle, was die Literaturtage sind. Können Sie uns da etwas aufklären?

Beatrice Faßbender: Sie haben gerade schon erwähnt, dass die Baden-Württembergischen Literaturtage bereits zum 43. Mal stattfinden. Also, zuallererst: Es ist eine sehr traditionsreiche Veranstaltungsreihe. Sie wird vom Land ausgeschrieben, und Städte in Baden-Württemberg können sich als Ausrichter bewerben. Auch weil es die Literaturtage schon so lange gibt, ist dieses Festival sehr prestigeträchtig. Ziel ist es, die Menschen zum Lesen anzuregen und das Schaffen von Autorinnen und Autoren zu fördern und zu präsentieren. Dabei ist die jeweils veranstaltende Stadt für das Programm verantwortlich.

Da kommen Sie ins Spiel. Sie beide kuratieren die Baden-Württembergischen Literaturtage 2026. Wie ist es dazu gekommen?

Ulrich Rüdenauer: Vor gut 20 Jahren haben Maike Trentin-Meyer vom damaligen Deutschordensmuseum, Rainer Moritz, Rosemarie Lux (Buchhandlung Moritz und Lux) und ich die Lesungsreihe „Literatur im Schloss“ ins Leben gerufen. Heute heißt sie „Literatur allerorten“, aber die Idee dahinter ist gleich geblieben: Wir wollen großartige Texte, faszinierende Autorinnen und Autoren sowie Themen in Bad Mergentheim vorstellen. Die Reihe ist inzwischen, wenn ich das sagen darf, sehr etabliert und erfreut sich großen Zuspruchs. Dazu kommt die „Winterlese“, unser Büchermarkt unabhängiger Verlage, der im November immer Hunderte Menschen anlockt.

Beatrice Faßbender: Ich glaube, die Tatsache, dass es „Literatur allerorten“ gibt und die Lesungen so gut angenommen werden, war vermutlich ein wesentlicher Grund dafür, dass sich die Stadt überhaupt um die Literaturtage beworben hat.

Ulrich Rüdenauer: Zumindest hat es die Bewerbung wahrscheinlich befeuert. Jedenfalls habe ich in diesen zwei Jahrzehnten viele Erfahrungen im Organisieren von Lesungen gesammelt, gute Kontakte zu Sponsoren aufgebaut und ein tragfähiges Netz geschaffen. Seit fast zehn Jahren ist auch Beatrice mit von der Partie: als Moderatorin und auch als Entwicklerin der Winterlese. Und sie bringt zudem eine Menge weiterer wertvoller Erfahrungen mit ein.

Beatrice Faßbender: Ich habe lange für das Internationale Literaturfestival Berlin gearbeitet, war in mehreren Verlagen tätig und arbeite unter anderem als Übersetzerin. Ulrich ist Journalist, Literaturkritiker, Herausgeber und Autor. Wir sind also beide sehr tief im Literaturbetrieb verwurzelt.

Ulrich Rüdenauer: Und eben auch stark mit Bad Mergentheim verbunden. Da lag es wohl nahe, dass man uns gefragt hat, ob wir Lust hätten, die Literaturtage zu kuratieren.

Beatrice Faßbender: Und natürlich waren wir gleich begeistert. Jetzt, wo wir mitten in den Vorbereitungen stecken, wird die Lust noch größer.

Erzählen Sie doch mal, wie diese Vorbereitungen ausschauen.

Beatrice Faßbender: Hui, wie viel Zeit haben wir? Also, im Moment sammeln wir sehr sehr viele Ideen. Wir haben inzwischen schon seitenlange Listen mit Lesungsideen, Veranstaltungsformaten, Autorinnen und Autoren, Themen, die uns interessieren. Und Orten.

Ulrich Rüdenauer: Ja, die Orte sind ganz wichtig. Wir greifen da das Konzept von „Literatur allerorten“ auf: Wir wollen für jede Veranstaltung die passende Spielstätte finden. Ob es ein klassischer Saal oder ein Garten ist, Geschäfte oder Firmenkantinen, Cafés oder leerstehende Häuser, Schwimmbad oder Flughafen. Wer weitere Ideen hat – nur her damit!

Beatrice Faßbender: Man darf sich jedenfalls auf einige Überraschungen freuen, auch auf Orte, an denen vielleicht selbst alteingesessene Mergentheimer noch nie gewesen sind.

Ulrich Rüdenauer: Im Moment gibt es also ein großes spielerisches Moment: Wir spinnen uns im Kopf viele schöne Veranstaltungen zusammen und schauen, was sich davon verwirklichen lässt. Und wir versuchen, schon die ersten Nadeln auf unserer großen Literaturtage-Karte anzupinnen.

Beatrice Faßbender: Man muss ja bedenken, dass wir vier Wochen, genauer: fünf lange Wochenenden, bespielen werden, vom 11. September bis 11. Oktober 2026 – insgesamt etwa 50 Veranstaltungen wollen geplant sein.

Ulrich Rüdenauer: Das heißt auch, dass wir gerade sehr viele Gespräche führen. Mit Stefanie Boßmeyer und Kersten Hahn von der Stadt haben wir reglmäßige Termine; auch mit der Stadtbücherei, die das Kinderprogramm auf die Beine stellt. Daneben aber treffen wir uns mit Vertreterinnen und Vertretern von Unternehmen, Vereinen, Geschäften, Bildungsstätten und so weiter. Wir möchten gern viele Institutionen einbinden. Und sie auch ermutigen, als Kooperationspartner bei dieser Leuchtturm-Veranstaltung dabei zu sein, in welcher Form auch immer – und übrigens auch über Bad Mergentheim und seine Teilorte hinaus.

Beatrice Faßbender: Ein Schwerpunkt erschließt sich schon aus dem Untertitel der Literaturtage: Der lautet, passend zum Quellenjubiläum 2026, „LiteraKur“. Mit der Kurverwaltung stehen wir deshalb ebenfalls in regem Austausch. Es wird einige Veranstaltungen geben, die sich mit dem Thema Kur und Gesundheit beschäftigen und nicht wenige, die im und rund um den Kurpark stattfinden.

Von Kur bis Kinderbuch also – was darf man inhaltlich noch erwarten?

Beatrice Faßbender: Eigentlich alles.

Ulrich Rüdenauer: Das wäre übertrieben.

Beatrice Faßbender: Aber nur ein bisschen. Wir wollen auf jeden Fall unterschiedlichste literarische Genres abdecken, wir wollen Romane, Gedichte, Sachbücher, Kinderbücher im Programm haben. Es sollen Veranstaltungen zum Mitmachen angeboten werden und Veranstaltungen zum Weiterdenken. Neben spannender Literatur werden wir uns auch um Themen kümmern, die den Leuten unter den Nägeln brennen. Einen Fokus wollen wir etwa auf Natur und Klima richten. Aber auch gesellschaftlich relevante Fragen sollen behandelt werden – was gute Literatur zumindest unterschwellig ja auch immer macht.

Ulrich Rüdenauer: Und es wird eine Ausstellung rund um die Literatur in Baden-Württemberg geben, Workshops für Erwachsene und Jugendliche, literarische Spaziergänge … Beatrice hat also recht: Eigentlich darf man alles erwarten.

Kann man sich denn an Sie wenden, wenn man Ideen hat oder sich beteiligen möchte?

Ulrich Rüdenauer: Aber unbedingt.

Beatrice Faßbender: Ja, wir gehen einerseits gezielt auf Menschen und Institutionen zu. Freuen uns aber sehr über Anregungen. Oder Leute, die besondere Orte für Lesungen anbieten können. Natürlich auch über Partner, die sich finanziell an einzelnen Veranstaltungen oder dem ganzen Festival beteiligen möchten.

Ulrich Rüdenauer: Und ganz besonders würden wir uns auch über Helferinnen und Helfer während der Literaturtage freuen. Wer also als „Volunteer“ während des Festivals dabei sein möchte, hinter den Kulissen, beim Einsatz vor Ort, an der Kasse oder als Shuttle-Fahrerin oder was so anfällt – bitte unbedingt melden.

Beatrice Faßbender: Am besten per Mail an literaturtage@bad-mergentheim.de. Wir melden uns dann schnellstmöglich.

Ulrich Rüdenauer: Und zum Kennenlernen gibt es eine schöne Gelegenheit: Am 27. September findet im Forum in der Au um 20 Uhr ein kleines Fest zum 20-jährigen Bestehen von „Literatur allerorten“ statt. Ein neues „Lia“-Buch wird dort vorgestellt, es gibt Getränke und Musik. Und wir werden ein bisschen etwas zu den Baden-Württembergischen Literaturtagen erzählen. Der Abend ist als Dankeschön für den „Freundeskreis Literatur allerorten“ gedacht, für Sponsoren der Reihe und für alle, die mit „Literatur allerorten“ verbunden sind oder sich verbinden wollen.

Beatrice Faßbender: Kommen Sie vorbei! Es wird ein schöner Abend!

Bleibt noch eine Frage: Können Sie schon etwas zum Programm verraten?

Ulrich Rüdenauer: Hm … Können schon, aber sollen wir? Jetzt schon?

Beatrice Faßbender: Ach, warum denn nicht?

Ulrich Rüdenauer: Na, gut. Dass die Eröffnung am Freitag, 11. September stattfinden wird, dürfte wohl niemanden überraschen.

Beatrice Faßbender: Und weil wir einfach mal optimistisch mit einem schönen Spätsommerabend rechnen, können wir auch schon sagen, dass wir damit in der Konzertmuschel im Kurpark sein werden – mit tollen Eröffnungsgästen.

Ulrich Rüdenauer: Am Tag darauf, am 12. September, geht es hoch hinaus. Auf einem Flughafen. Aber mehr sage ich nicht.

Beatrice Faßbender: Es wird Tote im Weinberg geben – nur im Roman natürlich!

Ulrich Rüdenauer: Apropos Berg: Kein LiteraKur-Festival ohne den „Zauberberg“!

Beatrice Faßbender: Und Matthias Brandt wird dabei sein und uns das Fürchten lehren.

Ulrich Rüdenauer: Aber jetzt reicht’s!

Beatrice Faßbender: Es muss ja auch noch ein bisschen spannend bleiben.