Halbzeit: Über 2.600 Menschen feiern die unvergesslichen Erlebnisse der „LiteraKur“

Nach den ersten rund 30 Veranstaltungen unternehmen sie dabei gar nicht erst den Versuch, alles zu würdigen oder Revue passieren zu lassen. Aber eine Zahl gibt es: Gut 2.600 Menschen haben sich bereits auf „das Abenteuer LiteraKur“ (so das Motto des Festivals) eingelassen. Das Interesse liegt bei den meisten Terminen über den im Vorfeld gesteckten Zielen. Schon jetzt gibt es unzählige Bilder der Literaturtage, die bleiben: von der berauschenden Sommernacht der Eröffnung im Kurpark bis hin zu ausverkauften Sälen bei Bestseller-Autorin Giulia Enders oder Ministerpräsident a. D. Winfried Kretschmann.
Daneben muss schon etwas Besonderes in Stadt und Region vor sich gehen, wenn olympische Medaillen herumgereicht werden, ein Hangar samt Flugzeugen zur Lese-Kulisse wird und selbst das 600 Jahre alte Burger-Haus aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Ob Sportfotografie mit Philipp Reinhard und Athletin Alexandra Burghardt in Löffelstelzen, der Besuch Jo Lendles mit seinem Amelia-Earhart-Roman „Die Himmelsrichtungen“ auf dem Flugplatz in Unterschüpf oder die Innenstadt-Veranstaltung „Rund ums Münster – Shoppen und lesen“, die am vergangenen Samstag insgesamt rund 400 Menschen in Geschäfte, Gastronomie und eben auch in den ältesten Profanbau Bad Mergentheims brachte: Das Festival setzt vielfältige Akzente.
„Ein wenig ist es mit den Literaturtagen so, wie wir es auch bei anderen großen Formaten schon erlebt haben: Am Anfang nimmt man das alles noch recht abstrakt wahr. Doch wenn es dann losgeht, wird jeder, der sich darauf einlässt, reich beschenkt“, sagt Oberbürgermeister Udo Glatthaar. „Genau das ist es, was mir viele Menschen spiegeln. Sie sind begeistert von den Veranstaltungen. Ich bin es auch. Und deshalb ist die Stadt als Ausrichterin sehr stolz darauf, was wir hier gerade mit dem gesamten Team und allen Mitwirkenden für das Land Baden-Württemberg auf die Beine stellen.“ Sein Appell: „Nutzen Sie jetzt noch die Gelegenheit, dabei zu sein. Ein derart hochkarätiges Programm, verdichtet auf wenige Wochen, kommt so schnell nicht wieder.“
Tatsächlich reihen die Literaturtage spannende Formate und auch mal ungewohnte Entdeckungen aneinander. „Bekannte Autorinnen und Autoren geben sich bei uns die sprichwörtliche Klinke in die Hand. Aber auch kleine kreative Räume haben wir geöffnet“, berichtet Kurator Ulrich Rüdenauer und verweist neben den großen Veranstaltungen beispielhaft auf Schreib- und Erzählwerkstätten in familiärer Runde. Ein Schlaglicht wirft der Kurator auch auf den Auftakt dieser Woche, als die Leute dicht gedrängt im „Kulturschock“ Königshofen saßen, wo Wolfram Lotz bei einem seiner äußerst seltenen öffentlichen Auftritte über die literarisch bearbeiteten Träume echter Menschen aus ganz Europa einen beeindruckenden Versuch unternahm, die Welt in ihrer Seltsamkeit sichtbar zu machen.
Auf ihren Höhepunkt steuert die „LiteraKur“ am 8. Oktober (Donnerstag) zu, wenn sich das Publikum im Kursaal auf den schlesischen Zauberberg begibt. „Wir können eigentlich immer noch nicht glauben, dass sich Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk extra von Polen auf den Weg hierher macht“, sagt Kuratorin Beatrice Faßbender voller Vorfreude. Sie wird den Abend moderieren, an dem außerdem Schauspieler Johann von Bülow Auszüge aus Tokarczuks Roman „Empusion“ liest. Noch gibt es Tickets – und Beatrice Faßbender wirbt dafür, sich auf diesen „fantastischen, humorvollen und etwas schauerlichen Kur-Roman“ einzulassen: „Keine Angst vor Nobelpreis-Literatur!“
Bad Mergentheims Tourismusdirektor und Kulturamtsleiter Kersten Hahn hat 15 Jahre daran gearbeitet, die Literaturtage nach Bad Mergentheim zu holen. Er blickt dankbar auf die erste Halbzeit: „Die Leidenschaft des Kuratorischen Duos für ein außergewöhnliches Programm, der Einsatz der Mitarbeitenden im Sachgebiet Tourismus & Kultur, der große Zuspruch von Bürgerinnen, Bürgern und Gästen – und nicht zuletzt der Rückhalt im Gemeinderat machen diese Wochen zu einer wunderbaren Zeit in Bad Mergentheim. Es ist eine großartige und einmalige Erfahrung für die ganze Stadt.“

Schlange stehen vorm Burger-Haus. (Bild: Uwe Weil)

An einem so spektakulären Schauplatz hatte der Autor noch nie von Flugpionierin Amelia Earhart erzählt: Jo Lendle im Hangar in Unterschüpf. (Bild: Uwe Weil)
