Großes Interesse an Brücken und deren Sanierung

Geführt wurden die Spaziergänge von Dr. Kathrin Herz, Stadtplanerin und Architektin im Bauamt. Startpunkt war der Fischbrunnen im Äußeren Schlosshof und erster Stopp die historische Steinerne Brücke im Schlossgarten (zwischen dem nord-östlichen Torturm und dem Bahnübergang). Diese denkmalgeschützte, im klassizistischen Stil errichtete Gewölbebrücke, wurde mit Natursteinblöcken gemauert. Ihre heutige Gestalt erhielt sie mit der Umgestaltung des Schlossgartens dem Stil englischer Landschaftsparks folgend, die Hochmeister Maximilian Franz von Österreich im ausgehenden 18. Jahrhunderten initiierte. Damals wurden unter anderem künstliche Wasserläufe, ein See, Inseln und mehrere Brücken angelegt.
Die Brücke befindet sich – anders als das übrige Schloss-Areal – im Besitz der Stadt Bad Mergentheim. Kathrin Herz erläuterte, dass es erforderlich sei, die beschädigte Abdichtung zu erneuern und so die Entwässerung des Bauwerks deutlich zu verbessern. Große Pfützen zeigten anschaulich, dass dies derzeit nicht mehr funktioniert. „Damit müssen wir auch verhindern, dass stehendes Wasser das Bauwerk immer weiter schädigt“, so die Referentin. Außerdem gilt es, Wurzelwerk zu entfernen und beschädigte Fugen zu reparieren. Die fachliche Schadensanalyse liege bereits vor und nun gehe es darum, die Ausschreibung der Instandsetzung vorzubereiten. Das Landesamt für Denkmalpflege ist in den Vorgang eingebunden und stellt Fördermittel in Aussicht, damit die Stadt die auf rund 240.000 Euro geschätzte Investition nicht allein tragen muss. Teile der Brücke wurden letztmalig 1998 bis 1999 saniert und wiederhergestellt.
Im Anschluss ging es über die Bahngleise und entlang des Hochwasserdamms zum zweiten Stopp, der Wolfgansbrücke: War Wasser bei der Steinernen Brücke im Schlossgarten ein Gestaltungselement, war es hier an der Tauber ein nicht ganz ungefährliches Hindernis, das es sicher zu überwinden galt. Mit der Wolfgangsbrücke steht perspektivisch ein noch größeres Sanierungsprojekt an. Kathrin Herz umriss vor Ort zunächst die spannende Geschichte dieses knapp 60 Meter langen Bauwerks, das heute immerhin zu den ältesten Tauberbrücken gehört, die es gibt. Sie gehört sogar zu den größeren überlieferten Gewölbebrückenbauten ihrer Zeit in ganz Südwestdeutschland. Die Wolfgangsbrücke entstand Mitte des 14. Jahrhunderts, als der Deutsche Orden für Bad Mergentheim das Stadtrecht erhielt.
„Die Brücke muss als Teil der ursprünglichen Stadtbefestigung verstanden werden und markierte die nördliche Erschließungsachse und damit einen Teil des historischen Wegenetzes Richtung Würzburg und Frankfurt“, erläuterte Kathrin Herz. Vor dem Bau der Brücke habe es an der gleichen Stelle wohl nur eine Furt gegeben. Auch für die namensgebende Wolfgangskapelle aus dem Jahr 1510 wird ein gotischer Vorgängerbau vermutet. Die Tauber war an dieser Stelle damals noch sehr viel breiter und flacher, was erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Flussregulierung verändert wurde. Das wiederum erklärt, warum heute nur noch unter zwei von fünf Bögen Wasser fließt.
Der Deutsche Orden verbesserte mit der Wolfgangsbrücke die Verkehrsinfrastruktur Mergentheims erheblich, auch wenn diese im Mittelalter mit Fußgängern, Reitern und Karren bei weitem nicht mit heutigem Verkehrsaufkommen zu vergleichen ist. Um die Brücke bauen zu können, erhob der Orden Steuern (das durfte er mit dem erteilten Stadtrecht). Später wurde auch ein Brückenzoll für deren Benutzung fällig. Der eigens dafür zuständige Brückenwärter wurde „Wolfgänger“ genannt.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Wolfgangsbrücke mehrfach instandgesetzt und baulich verändert – mal waren es Hochwasserschäden, die beseitigt werden mussten, mal die Aufstellung der Statue des Heiligen Nepomuk, dessen Hilfe erbeten wird bei Wasser- und Reisegefahren. Die bedeutendste Umgestaltung allerdings geht auf das Jahr 1925 zurück, als die Brücke um mehr als die Hälfte verbreitert wurde und damit ihre heutige Dimension erhielt. Das ermöglichte erst den Begegnungsverkehr von Autos, der inzwischen alltäglich ist. Die Verbreiterung lässt sich bis heute am Wechsel zwischen Naturstein- und Stampfbetonkonstruktion erkennen. Trotz dieser Eingriffe ist die spätmittelalterliche Bausubstanz in wesentlichen Teilen sehr gut erhalten geblieben. „Es ist beeindruckend, wie gut diese Brücke an die 700 Jahre überstanden hat und wie stabil sie gegründet ist“, befand Kathrin Herz, die die einzelnen Entwicklungsschritte auch an historischen Plänen und späteren Fotografien aufzeigte.
Der Sanierungsbedarf setze nicht am Fundament an, sondern hier gehe es vor allem um wichtige Instandsetzungen am Brücken-Aufbau: Mörtel müsse erneuert und Fugen verpresst werden, außerdem gelte es, rund 10 Prozent der Steine im Mauerwerk zu ersetzen. „Wir sollten nicht warten, bis es 20 oder 30 Prozent sind, sondern jetzt handeln, bevor es noch aufwändiger und teurer wird“, fasste Kathrin Herz die Ergebnisse einer ersten Machbarkeitsstudie zusammen. Und auch die Wolfgangsbrücke hat Probleme mit der Abdichtung, die dringend beseitigt werden müssen. Undichtigkeiten zeigte Herz beim Blick unter die Brücke auf: Bei den gut sichtbaren großen Weißflächen im Gewölbe handelt es sich um die Aussinterung von Tausalz, das im Winter auf der Fahrbahn verstreut wird. Diese sind absolut unbedenklich und werden auch nach der Sanierung noch zu sehen sein.
Bis zu 550 Autos queren in der Spitzenstunde die Brücke, weshalb eine viel gestellte Frage bereits die nach dem Baustellen-Management während der Sanierung war. Kathrin Herz betonte dazu, dass die Stadt erst am Anfang des Projektes „Sanierung der Wolfgangsbrücke“ stehe und sowohl Gremien-Beschlüsse wie auch europaweite Ausschreibungen ausstünden. Deshalb gebe es auch noch keinen Zeitplan. Schon jetzt sei in der Verwaltung aber klar, dass es wahrscheinlich keine Vollsperrung geben könne, und man bei diesem Nadelöhr lieber eine längere Bauzeit bei nur halbseitiger Sperrung in Kauf nehmen werde.
Auch bei dieser Sanierung sei die Stadt auf Fördermittel angewiesen und bereits in Gesprächen mit entsprechenden Stellen, denn sie werde zum aktuellen Zeitpunkt grob auf drei Millionen Euro geschätzt. „Verbessern wird sich aber die Raumaufteilung auf der Brücke“, stellte die Stadtplanerin positiv in Aussicht. So solle es künftig statt zwei Gehwegen zwar nur noch einen Gehweg geben, der sei dafür aber sehr viel breiter und komfortabler gestaltet. Abschließend versprach Kathrin Herz allen Teilnehmenden, dass die Stadt Bad Mergentheim über die weiteren Schritte informieren und die Bürgerschaft auf dem Laufenden halten werde, sobald es konkrete Fortschritte gibt.
Das Motto am bundesweit begangenen „Tag des offenen Denkmals“ lautete in diesem Jahr „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur – Historische Bauten, die uns bewegen und verbinden“.

Auch die Steinerne Brücke im Schlosspark muss saniert werden.
