Finale der LiteraKur: „Bad Mergentheim ist eine Literaturstadt!“

Veröffentlicht am Dienstag, 13. Oktober 2026
Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk (2. v.l.) sprach über ihren gefeierten Kurort-Roman „Empusion“ mit (v.l.) Moderatorin Beatrice Faßbender und Roman-Übersetzerin Lisa Palmes. Schauspieler Johann von Bülow las Passagen daraus. (Bild: Uwe Weil)
Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk (2. v.l.) sprach über ihren gefeierten Kurort-Roman „Empusion“ mit (v.l.) Moderatorin Beatrice Faßbender und Roman-Übersetzerin Lisa Palmes. Schauspieler Johann von Bülow las Passagen daraus. (Bild: Uwe Weil)

Nobelpreis-Flair, begeisternde Gäste, spektakuläre Orte: Nach vier Wochen und weit über 60 Veranstaltungen sind am Sonntag, 11. Oktober, die 43. Baden-Württembergischen Literaturtage zu Ende gegangen. Bad Mergentheim hatte diese für das Land ausgerichtet – und im Jubiläumsjahr „200 Jahre Heilquellen“ die Überschrift „LiteraKur“ ausgerufen.

Ein letztes Mal wurde zum Finale im besonderen Rahmen der Literaturtage über Bücher gesprochen und aus Büchern gelesen. Diesmal mit den interessanten Autorinnen und Autoren, die 2026 mit Literaturstipendien des Landes ausgezeichnet worden sind: Natalja Althauser, Sabine Eschbach, Luca Kieser und Jan Snela. Sie setzten den Schlusspunkt in einer Reihe außergewöhnlicher Gäste, die Bad Mergentheim mit dem von Beatrice Faßbender und Ulrich Rüdenauer kuratierten Programm ins Taubertal geholt hatte: ob Anne-Dore Krohn und Denis Scheck mit einer Kafka-Revue, einer der seltenen öffentlichen Auftritte von Wolfram Lotz (der zu den unkonventionellsten deutschen Autoren gezählt wird) – oder das mitreißende „Zauberberg“-Solo von Schauspielerin Meike Rötzer.

Das hochkarätige Programm noch überstrahlt hat Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk, die eigens aus Polen anreiste und mehr als 500 Menschen im Kursaal einen unvergesslichen Abend mit ihrem Roman „Empusion“ schenkte. Da waren außerdem die faszinierenden Schauplätze und magischen Kulissen wie der Flugzeug-Hangar in Unterschüpf, wo Jo Lendle von Amelia Earhart erzählte, oder das zur Lyriknacht leuchtende Stadtkloster. Rund 6.500 Besucherinnen und Besucher wurden bei den Veranstaltungen gezählt, die im Vorfeld gesteckte Zielmarke von 3.500 wurde stark übertroffen. Allein die Kinder-Lesungen mit Ute Krause in der Stadtbücherei verzeichneten rund 600 junge Zuhörerinnen und Zuhörer.

„Stolz“ sei er auf das Erreichte und die Köpfe dahinter, die es möglich gemacht hätten, sagte Oberbürgermeister Udo Glatthaar beim Abschluss-Podium zur Literaturtage-Bilanz. Mit vollen Sälen habe das Festival „die Kraft der Literatur“ vor Augen geführt. Und damit auch ein Ausrufezeichen für den offenen Austausch und die demokratisch-freiheitliche Gesellschaft gesetzt. „Wir wollten Menschen zusammenbringen und das haben wir geschafft“, unterstrich Beatrice Faßbender. Mit Blick auf bestehende Formate wie „Literatur allerorten“, das herausragende Literaturtage-Programm und wie es in der Stadt aufgenommen wurde, könne man sicher festhalten: „Bad Mergentheim ist eine Literaturstadt!“

Tourismusdirektor und Kulturamtsleiter Kersten Hahn hatte15 Jahre daran gearbeitet, die Literaturtage nach Bad Mergentheim zu holen. Er richtete in seinem Rückblick den Fokus darauf, wie die „LiteraKur“ die namhaften Gäste aus der ganzen Republik und darüber hinaus für sich eingenommen habe. Dass es sich die Ärztin und Bestseller-Autorin Giulia Enders nicht habe nehmen lassen, die Heilquellen zu kosten, sei dabei nur eine von vielen kleinen Begebenheiten am Rande des Geschehens. Die auswärtigen Gäste hätten sich von Bad Mergentheim und dem Stellenwert der Literatur hier nachhaltig beeindruckt gezeigt.

Immer wieder betont wurde bei dem kleinen Bilanz-Gespräch, das Lotta Mayer vom Literaturhaus Stuttgart moderierte, wie positiv beeindruckt die Verantwortlichen vom immensen Zuspruch bei den Veranstaltungen waren.  „Als wir uns auf diesen ‚Wahnsinn‘ eingelassen haben, konnten wir das nicht ahnen“, gestand Kurator Ulrich Rüdenauer. Und ein „Wahnsinn“ sei es schon gewesen, statt zu vier langen Wochenenden (wie ursprünglich geplant) gleich zu einem Veranstaltungsmarathon über 30 Tage einzuladen. Doch die Menschen seien gekommen und drangeblieben. „Die vielen Partnerinnen und Partner des Festivals haben uns besondere Orte eröffnet und die schöne Atmosphäre mitgetragen“, sagte Ulrich Rüdenauer dankbar.

Die Literaturtage waren bei aller Inspiration und allem Vergnügen auch ein immenser logistischer und organisatorischer Aufwand. Der Schluss-Applaus des letzten Tages galt deshalb neben den „Gesichtern“ des Festivals auch dem Team, das aufwändige Vorbereitungs-Arbeiten leistete, im Hintergrund wirbelte und die Fäden zusammenhielt: Lukas Wegner, Anna Grenz, Stefanie Boßmeyer, Denise Amann und Myrthe Greim sowie als ehrenamtliche Helferin Christine Wahl. Auch das Engagement von Sponsorinnen und Sponsoren wurde noch einmal herausgestellt und gewürdigt.

Oberbürgermeister Udo Glatthaar entließ das Publikum mit jenen Worten, die Olga Tokarczuk am 8. Oktober im Goldenen Buch der Stadt Bad Mergentheim niedergeschrieben hatte: „Sehr herzlichen Dank für die Einladung an diesen wunderschönen Ort. Gerade geht der Sommer zu Ende, herbstlicher Regen ist gefallen. Ich werde über mein Buch sprechen und freue mich, dass ich hier bin. Die Welt ist schön. Es lohnt sich, um sie zu kämpfen. Ich hinterlasse hier meine guten Hoffnungen.“

Immerhin: Die „Zugabe“ der Literaturtage wartet schon. Am Sonntag, 22. November, werden zum großen Büchermarkt der Bad Mergentheimer „Winterlese“ wieder 16 unabhängige Verlage aus ganz Deutschland erwartet. Ein vielfältiges Rahmenprogramm gehört dazu.

Positive Literaturtage-Bilanz mit (von links) Kersten Hahn, Ulrich Rüdenauer, Beatrice Faßbender, OB Udo Glatthaar und Moderatorin Lotta Mayer. (Bild: Uwe Weil)