Aktuelle Themen und Zwänge der Forstwirtschaft vor Ort beleuchtet

Veröffentlicht am Mittwoch, 30. September 2026
Ortsvorsteher Detlef Heidloff (links), Björn Wirsching (4. von links), Revierleiter Timo Renz und Forstwirtschaftsmeister Christoph Schmitt (8. und 9. von links) sowie Gabriel Steinmetz (Revierleiter Bad Mergentheim Süd, vorne kniend).
Ortsvorsteher Detlef Heidloff (links), Björn Wirsching (4. von links), Revierleiter Timo Renz und Forstwirtschaftsmeister Christoph Schmitt (8. und 9. von links) sowie Gabriel Steinmetz (Revierleiter Bad Mergentheim Süd, vorne kniend).

Die Ortsvorsteher von Edelfingen und Dainbach, Detlef Heidloff und Björn Wirsching, haben gemeinsam zum öffentlichen Waldbegang eingeladen – und rund 35 Interessierte waren unter fachkundiger Führung einen Nachmittag lang im Distrikt „Theobald“ unterwegs.

Nach der Begrüßung durch die Ortsvorsteher übernahm Revierleiter Timo Renz die Führung der Gruppe. Er freute sich sehr, dass der Waldbegang wieder auf große Resonanz stieß, und begrüßte die Forst-Kollegen Christoph Schmitt (Forstwirtschaftsmeister der Stadt Bad Mergentheim) und Gabriel Steinmetz (Revierleiter im Revier Bad Mergentheim Süd).

Einleitend präsentierte Timo Renz einige Zahlen aus der Betriebsinventur des Stadtwaldes. Besonders den relativ hohen Anteil an Alt- und Starkbuche gelte es die nächsten zehn Jahre abzubauen und die nachwachsenden Jungbuchen-Bestände mit Mischbaumarten anzureichern. Hierzu sieht die mittelfristige Betriebsplanung („Forsteinrichtung“) einen Einschlag von 7.000 Festmetern pro Jahr vor. Allein im Edelfinger Wald wolle er mit den städtischen Forstwirten eine Fläche von etwa 37 Hektar bearbeiten und in diese Zuge 1.200 bis 1.500 Festmeter Holz ernten, erläuterte der Revierleiter – stieß damit aber nicht auf einhellige Zustimmung.  

Um die gehörten Zahlen anschaulicher werden zu lassen, machte die Gruppe sich auf zum ersten Exkursionspunkt. Timo Renz führte die Gruppe in einen sonnendurchfluteten Waldteil. Auf den Bäumen waren viele rote Striche zu sehen. „Die wollen wir alle umschneiden“, so Renz. Es handele sich ausschließlich um schwache bis mittelstarke Buchen, deren Kronen unübersehbar vertrocknet seien. „Es ist absehbar, dass die Bäume das nicht überleben, deshalb nutzen wir sie jetzt, bevor sie gar nicht mehr nutzbar sind.“

Er verwies auch auf die Arbeitssicherheit und die hohe Belastung der Forstwirte bei den Holzarbeiten aufgrund der ständig erhöhten Gefahr. Christoph Schmitt bestätigte die Gefahren der Arbeit und erläuterte die Gegenmaßnahmen. „Ohne den neu angeschafften kommunalen Schlepper mit Seilwinde könnten wir solche Arbeiten nicht durchführen“, so Christoph Schmitt dankbar. „Wir wollen aber nicht nur ernten, sondern auch dürrefeste Baumarten nachpflanzen“, ergänzte Timo Renz. Schließlich herrsche im Wald aufgrund der langen Produktionszeiträume ein Vertrag zwischen den Generationen. Jeder Förster wolle den Wald grundsätzlich besser übergeben, als er ihn bekommen habe. Der Referent räumte ein, dass sich dies aufgrund der vielen Dürrejahre zunehmend schwierig gestalte.

Zum zweiten Exkursionspunkt stieg die Gruppe über eine aufgesägte Rückegasse den Hang hinab. „Dies ist eine ganz andere Welt, keine 200 Meter vom vorigen Standort entfernt“, befand Timo Renz. Die Gruppe bestätigte, dass der Unterschied eklatant sei. Wo vorher noch geschwitzt wurde, gingen jetzt im dunklen Schatten der Jung- und Altbuchen, aber auch von Eichen und Lärchen die Reisverschlüsse und Knöpfe der Kleidungsstücke zu.

Der Revierleiter erläuterte die Hiebsmaßnahmen mit ihren unterschiedlichen Zielsetzungen. Leider sei aktuell der Holzmarkt wieder schwieriger als in den vergangenen Jahren, wie immer nach Trockenjahren. Es falle überall viel Holz an, vor allem Buchenholz der schlechteren Qualitäten. Dies drücke auf die Preise. Renz erläuterte auch die Schwierigkeit der Planung in solchen Jahren, da die Vorbereitungen auf die winterliche Hiebssaison bereits im Frühsommer losgehen und sich der Gesundheitszustand der Bäume noch während der Vorbereitungen verändert. Christoph Schmitt fügte an, dass der gesamte Holzeinschlag im Stadtwald von der dreiköpfigen städtischen Forstwirtgruppe erledigt wird.

Es ging weiter am Unterhang entlang, wo auf Biotopbäume hingewiesen wurde und Timo Renz am Beispiel der Eichenkronen zur frühzeitigen Pflege des Waldes aufrief. Am Dachsbau vorbei ging es wieder bergauf in einen Waldteil, der durch die Waldbereinigung zum Stadtwald dazukam. Der Revierleiter lobte die fachkundigen Hinweise und die gute fachliche Zusammenarbeit mit den Forstwirten und räumte ein, dass er den vor der Gruppe liegenden Waldteil gerne vom Altholz befreit hätte, um den bereits darunter stehenden Jungwald zu fördern. Nach Beratung wurde dieser Plan verworfen. Auch weil die anfallende Holzmasse sonst zu hoch werden würde. „Zuerst muss das gemacht werden, was auf kurze Zeit absehbar schlecht wird“, fasste Timo Renz zusammen.

Aufgrund der bereits fortgeschrittenen Zeit entschloss sich die Gruppe dazu, die geplante Route abzukürzen und nur noch einen Punkt an der Blockhütte zu besichtigen. Direkt auf der Badisch-Württembergischen Grenze wies Renz auf den zweiten Teil der sehr stark dürregeschädigten Flächen auf Dainbacher Gemarkung hin. Er dankte der Gruppe für die Aufmerksamkeit und fügte noch an, er hoffe, dass klar geworden sei, dass hohe Einschlags- und Flächenzahlen nicht gleichzusetzen seien mit Waldvernichtung.

Vielmehr handele es sich um Weiterentwicklungen in einem System, das sich im stetigen Wandel befinde „und von dem wir Menschen Nutzen ziehen“. Christoph Schmitt richtete das Wort zum Schluss an die vielen Privatwaldbesitzer als Vorstandsmitglied in der Forstbetriebsgemeinschaft Bad Mergentheim: Er wies auf die aktuell hohe Gefahrenlage beim Holzeinschlag hin und appellierte, sich bei Unsicherheiten lieber professionelle Hilfe zu holen, als schwerwiegende Unfälle zu riskieren.

Die beiden Ortsvorsteher Detlef Heidloff und Björn Wirsching bedankten sich für das Interesse und wiesen darauf hin, dass der Wald der bedeutendste Klimaschützer Deutschlands für die nachfolgenden Generationen sei. Den Experten aus der Forstarbeit dankten sie im Namen aller Teilnehmenden für die vertieften Einblicke und die Auswahl spannender Exkursionspunkte.