Blühende Quellen: Landesgartenschau-Begeisterung in Bad Mergentheim ist ungebrochen

Unter dem inzwischen vertrauten Motto „Blühende Quellen“ und doch mit einer von Grund auf überarbeiteten Planung bewirbt sich die Stadt Bad Mergentheim erneut um eine Landesgartenschau. Beim Kommissionsbesuch am 20. Juli haben wir trotz Corona-Beschränkungen noch einmal alles gegeben für eine mitreißende Präsentation.

Im Zeichen der
Im Zeichen der "Blühenden Quellen": das Neue Rathaus. (Foto: Jens Hackmann)

Den Pferdemarkt - als letzte große Veranstaltung vor dem "Lockdown" - konnten wir noch nutzen, um die ungebrochene Landesgartenschau-Begeisterung der Stadt zu zeigen. Auf einem großen Motivwagen wurden Projekte wie der Stadtstrand oder der Baumwipfelbogen am Ketterberg liebevoll in Szene gesetzt. Bad Mergentheimer Schülerinnen und Schüler verteilten Informationsmaterial und Geschenke wie den "Klimaschutz"-Fächer und Samentütchen.

Passend dazu präsentiert sich bereits seit Monaten unser Rathaus mit einer großen bunten Beklebung:
JA
zur Landesgartenschau! 

Gut zweieinhalb Stunden lang hat Bad Mergentheim am 20. Juli schließlich eine starke Präsentation abgeliefert beim Kommissionsbesuch zur anstehenden Vergabe-Runde. Alle Daueranlagen aus der Konzeption wurden im Rahmen eines eindrucksvollen Programms besichtigt (hier können Sie einige Bilder vom Kommissionsbesuch ansehen).

Die Botschaft: Wir haben unsere Konzeption im Dialog mit der Bürgerschaft überprüft, präzisiert und ergänzt; haben sie noch ökologischer und innovativer gemacht; haben an guten Ideen gefeilt und ganz neue kreiert. Kurzum - wir haben uns und unser Herzensprojekt weiterentwickelt. Aller guten Dinge sind drei - und mit unserem nun dritten Anlauf ist es Zeit für die allererste Landesgartenschau im Main-Tauber-Kreis.

In allen Kapiteln gab es teils umfassende Ergänzungen und Anpassungen. Besonders berücksichtigt wurden dabei fachliche Rückmeldungen vom Kommissionsbesuch 2018, neue städtebauliche und ökologische Schwerpunkte der modifizierten Landes-Ausschreibung und natürlich die bei Veranstaltungen und per E-Mail gesammelten Wünsche und Kommentare aus der Bürgerschaft. Insgesamt 600 sind es inzwischen.

Das „Herzstück“ der neuen Bewerbungsmappe ist das auf acht Seiten ausgedehnte Klimaanpassungs-Konzept, das detailliert aufzeigt, wie durch die verschiedenen Landesgartenschau-Bereiche das Stadtklima effektiv verbessert und ein ganzheitlicher Umwelt- und Klimaschutz vor Ort dargestellt werden kann. Dazu haben unter anderem großflächige Messungen mit Wärmebildkamera stattgefunden, die Frischluft-Schneisen wurden analysiert und die Durchgrünung im Rahmen der geplanten städtebaulichen Projekte konsequent mit einbezogen. Das Potenzial für 440 Baum-Neupflanzungen und knapp 40.000 Quadratmeter Entsiegelung zeigt auf, wie im Zusammenspiel mit zusätzlicher Dachbegrünung in der Kurstadt rund 700 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr abgebaut werden könnten.

Es bleibt bei den vier Leitthemen Gewässer, Verkehr, Städtebau und Landschafts-Verknüpfungen. Die sechs Daueranlagen umfassen die Altstadt, das Herrenwiesenquartier, den Ketterberg, die Tauber, den Landschaftspark hinter dem Äußeren Kurpark sowie die Zukunftsstadt Auenland mit der neu gestalteten Deutschordensstraße (ehemalige B 19) als grünem Boulevard. Die Dauer-Anlagen sind der wichtigste Teil einer solchen Machbarkeitsstudie, da sie die Stadtentwicklung unabhängig vom eigentlichen Veranstaltungsjahr ausmachen.

Im Kapitel „Altstadt“ ist nun der Gänsmarkt Teil der Landesgartenschau-Konzeption. Eine mögliche Gestaltung mit Platz-Charakter, weniger Pkw-Verkehr und hoher Aufenthaltsqualität wird aufgezeigt. Das Kapitel „Herrenwiesenquartier“ beinhaltet nicht nur eine präzisierte und wesentlich detailliertere Planung, es weitet – ausgehend von der Konversion der Sägewerks-Brache in ein Urbanes Gebiet – das Quartier insgesamt auch deutlich nach Norden aus. Gleichzeitig wurden die Wachbach-Terrassen als Quartiersplatz noch ansprechender und naturnäher gestaltet.

Im Kapitel „Ketterberg“ wird dessen Charakter als „Balkon der Stadt“ noch deutlicher herausgearbeitet. Neben der Instandsetzung der Kulturlandschaft (historische Weinberge, Trockenmauern) soll hier nun in Zusammenarbeit mit dem Forst der auf veränderte klimatische Bedingungen eingestellte „Wald der Zukunft“ erlebbar werden. Statt des Landschaftsstegs könnte ein Baumwipfelbogen den Panorama-Blick ins Tal eröffnen. Die Seilbahn-Idee bleibt als mögliche besondere Attraktion bestehen. Sie wird jedoch in der Gewichtung zurückgenommen und nach weiteren erfolgten Vorab-Prüfungen nun in der Kostenübersicht als Investoren-Modell geführt, das nach einer Attraktivierung des Ketterbergs zum Tragen kommen könnte.

Der Themenbereich Tauber/ Stadtstrand/ Hochwasserschutz stellt sich als Ergebnis einer gründlichen Überarbeitung in Querschnitt und Detail-Planung ebenfalls neu dar. Die  Visualisierung unterstreicht nun den Charakter als naturnaher Erholungsraum und tritt damit auch Befürchtungen entgegen, hier könne eine „Partymeile“ entstehen.

Stadtbaudirektor Bernd Straub betont, dass die vorgelegten Planungen trotz des frühen Stadiums einer Machbarkeitsstudie bereits von großer Tiefe seien: „Wir legen einen Zukunftsentwurf für Bad Mergentheim mit visionären Ideen vor, der dabei keine Luftschlösser baut, sondern realistische und fachlich fundierte städtebauliche Perspektiven aufzeigt.“  Der Stadtbaudirektor sieht mit Blick auf das Land ein „starkes Signal“ darin, dass die ursprünglichen Projekte nicht verworfen, sondern konsequent fortentwickelt wurden.  

Die Bewerbung beinhaltet auch das Ausstellungskonzept für das Durchführungsjahr, ein Mobilitätskonzept sowie die „flankierenden Maßnahmen“. Zu letzteren gehören unter anderem ein „Freizeitberg“ mit Erlebnis-Attraktionen auf dem Katzenberg (Bereich Wildpark) oder Entwicklungs-Ideen für die Teilorte, beispielsweise die Aufwertung des sanierungsbedürftigen Freibades Althausen zum chemiefreien Naturbad, die Ortskernentwicklung in Apfelbach oder der Lärmschutz in Edelfingen.

Oberbürgermeister Udo Glatthaar setzt wieder auf starke Unterstützung aus der Bürgerschaft: „Wir haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass es diesmal mit dem Zuschlag klappt und wir für unsere Stadt und ihre Bürger in den kommenden Jahren Stück für Stück eine nachhaltige, moderne und lebenswerte Stadt gestalten. Dafür ist die Landesgartenschau eine einmalige Chance, die uns den nötigen Rückenwind gibt.“

Ende Juli wird die Bewertungskommission Bad Mergentheim besuchen. Aufgrund der aktuellen Vorsichtsmaßnahmen wegen der Corona-Pandemie kann der Besuch diesmal leider keine öffentliche Veranstaltung sein, sondern muss in sehr kleinem Rahmen stattfinden.

Bei Fragen und Anregungen schreiben Sie uns an: landesgartenschau@bad-mergentheim.de