Nachtblüte im Kurpark Bad Mergentheim

Auch bei Dunkelheit faszinierend: der Kurpark Bad Mergentheim. (Foto: Phillip Drost)
Auch bei Dunkelheit faszinierend: der Kurpark Bad Mergentheim. (Foto: Phillip Drost)

Geheimnisse der Dunkelheit, Entdeckungen im Mondlicht und Anreize für alle Sinne. Ein Streifzug durch den nächtlichen Kurpark.

Als Grün-Oase mit schier unendlicher Vielfalt an Bäumen, Blumen, Kräutern und Büschen ist der Bad Mergentheimer Kurpark am Tag ein Ort der Farben und des Auflebens. Will man ihn in einem Bild beschreiben, so ist er der 134.000 Quadratmeter große „Platz an der Sonne“ für alle Erholungssuchenden. Und doch verwandelt der Park sich mit Einbruch der Dämmerung in eine nicht minder reizvolle Welt.

Dunkelheit faszinierte die Dichter schon vor weit mehr als 100 Jahren. „Ich glaube an Nächte“, schrieb Rainer Maria Rilke über eine „große Kraft“. Walter Calé dichtete: „Wir wandeln in dem schwarzen Parke, nur leise spricht die samtne Nacht/ Wie ich in ihrem Hauch erstarke, so lösen langsam wir die Barke auf dieses Teiches samtner Nacht.“

Die besondere Stimmung der dunklen Stunden umfängt einen auch im Bad Mergentheimer Kurpark schnell. Die mächtigen Bäume – manche längst 100-jährig und älter - strahlen vor dem Sternenhimmel eine noch größere Erhabenheit aus. Illuminationen setzen Skulpturen, Bachläufe und Wasserflächen neu in Szene. Auch hier spricht die Nacht nur leise, aber umso intensiver: das Plätschern des Wassers, der Wind in den Blättern und Zweigen.

Längst nicht alle Blumen gönnen sich jetzt eine Ruhepause. Einige „Nachtdufter“ im Kurpark sind nur im Dunkeln über ihre Blüten zu riechen. Dazu gehören der Stechapfel, weißer und roter Tabak, die Wunderblume Miralis, deren gelbe, weiße und rosafarbenen Blüten sich ins Mondlicht strecken – oder die Engelstrompete. All diese Nachtschattengewächse schmücken die Sommerbeete des Parks, wären giftig im Verzehr, sind aber verführerisch mit ihrem nächtlichen Duft.

Wollte man sie überlisten, müsste man am Tag einen Karton über sie stülpen. Doch um sie auch bei Sonnenschein noch riechen zu können, ist das gar nicht nötig: Der Duft haftet meist noch am nächsten Morgen an den umliegenden Pflanzen, wissen die Gärtnerinnen und Gärtner der beeindruckenden Anlage.

So nimmt man ganz besondere Eindrücke mit vom nächtlichen Kurpark-Spaziergang. Und auch etwas Vorfreude auf das Erwachen der Natur am nächsten Tag. Denn auch die weiß jedes Jahr mit neuen Farben und Formen zu begeistern. Ein Tipp: Der Bienenbrotbaum beim Insektenhotel im Äußeren Kurpark soll 2022 erstmals seine lila Blüten zeigen.