800 Jahre Deutscher Orden in Bad Mergentheim

Kaum etwas prägte die Entwicklung der kleinen „Grafschaft Mergentheim im Taubergau“ so sehr, wie der Einzug des Deutschen Ordens 1219. Klar, dass ein solch bedeutendes Ereignis im Jubiläumsjahr 2019 besonders gefeiert wird.

Lebendige Tradition: Der Deutsche Orden ist bis heute Teil der Brauchtumspflege in Bad Mergentheim. Im Jubiläumsjahr 2019 gibt es besonders viele spannende Veranstaltungen. (Foto: Robert Ums)
Lebendige Tradition: Der Deutsche Orden ist bis heute Teil der Brauchtumspflege in Bad Mergentheim. Im Jubiläumsjahr 2019 gibt es besonders viele spannende Veranstaltungen. (Foto: Robert Ums)

800 Jahre Deutscher Orden in Bad Mergentheim

Wer mit offenen Augen durch Bad Mergentheims malerische Gässchen bummelt, kann an vielen historischen Häusern ein Wappen mit schwarzem Kreuz auf weißem Grund entdecken. Untrügliches Zeichen der „Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem“, kurz Deutscher Orden. 

Doch auch aus der Ferne können Sie dessen Hinterlassenschaften sehen: Seit Jahrhunderten ragen die drei Türme des Deutschordensschlosses aus dem Stadtbild. Einst war das Schloss Residenz der Hoch- und Deutschmeister und damit Hauptsitz der Ordensregierung. Heute beherbergt es unter anderem das Deutschordensmuseum.

Treten Sie ein und besuchen Sie die fürstlichen Räume und den Kapitelsaal. Bewundern Sie höfisches Mobiliar sowie kunstvoll verzierte Stuckdecken. Und tauchen Sie ein in die wechselvolle Geschichte des bis heute aktiven Ordens. Anlässlich des 800. Jubiläums erwarten Sie zudem die Sonderausstellung „Deutscher Orden im Südwesten“ sowie viele Veranstaltungen in und um das Schloss.

Wie alles begann

Gegründet wurde der Deutsche Orden 1190 während des dritten Kreuzzuges zur Versorgung Kranker und Verletzter im Heiligen Land. Wenig später erweiterte sich der Spitalorden zum Ritterorden und beteiligte sich an den Kreuzzügen. Schon bald verfügte er über Grundbesitz im Mittelmeerraum, im Römischen Reich sowie im späteren Ost- und Westpreußen. Am 16.12.1219 kam weiterer Besitz hinzu, als die Brüder Andreas, Gottfried und Konrad von Hohenlohe im Zuge eines Erbvergleiches ihre Ländereien in Mergentheim dem Deutschen Orden stifteten. Die Kommende (Niederlassung) Mergentheim war geboren. 

1525, während des Bauernkrieges, wurde die Stadt dann Residenz des Hoch- und Deutschmeisters – und blieb dies für nahezu 300 Jahre. Bis Napoleon den Deutschen Orden in den Rheinbundstaaten 1809 auflöste. Heute gibt es in Bad Mergentheim wieder Deutschordensschwestern, die im Caritas-Krankenhaus arbeiten; sowie Männer und Frauen, die Werke und Traditionen des Deutschen Ordens lebendig halten, zum Beispiel bei den festlichen St. Georgstagen.

St. Georgstage vom 26. bis 28. April

Der Heilige Georg – sagenhafter Drachentöter und Sieger über alles Böse – ist der Schutzpatron des Deutschen Ordens. Ihm zu Ehren zelebriert die Historische Deutschordenkompanie zu Mergentheim e. V. jedes Jahr im April die St. Georgstage. Zum Jubiläum vielleicht mit noch etwas mehr Krach und Radau: Dann werden historische Vorderladergewehre mit Schwarzpulver befüllt und zusammen mit Böllern und Kanonen abgefeuert. Trommeln und Blechbläser spielen zum Marsch auf und geben den Takt an für festliche Umzüge durch die Innenstadt. Kompanien, Bürgerwehren, Garden und Spielmannszüge aus Bad Mergentheim, Deutschland und dem Ausland präsentieren sich in ihren schicken Uniformen; die Goldknöpfe blank poliert, die Hüte zurechtgerückt.

Mit einem Augenzwinkern werden aus den Reihen der vielen Schaulustigen neue Rekruten geworben und gleich vor Ort auf Tauglichkeit geprüft – zur großen Freude der „verschonten“ Gäste. Wer besteht, lernt gleich das korrekte Exerzieren. Zur Entlohnung gibt es „Goldtaler“, eine Urkunde und einen kräftigen Schluck Bier. Ein weiterer Höhepunkt der Feierlichkeiten ist derSonntagsgottesdienst im Kurpark, die traditionelle Hubertusmesse mit dem Jagdhornbläsercorps der Kreisjägervereinigung Mergentheim. Bei schönem Wetter findet sie unter freiem Himmel im Musikpavillon statt, bei schlechter Witterung in der Wandelhalle.

Schlosserlebnistag am 16. Juni

Seit 2011 gibt es den baden-württembergischen „Schlosserlebnistag für Familien“, an dem Sie zum kleinen Preis einen fröhlichen Tag verbringen und Schlösser neu erleben können. So auch das Deutschordensschloss. Das Besondere: Im Jubiläumsjahr öffnen neben dem Deutschordensmuseum auch viele Anrainer ihre Türen – von der Jugendtechnikschule Taubertal über die Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach Campus Bad Mergentheim bis hin zu Finanzamt, Amtsgericht und Polizei.

Freuen Sie sich auf viele Aktionen und Angebote für Klein und Groß. Schlüpfen Sie beispielsweise in Kostüme im Stil der Renaissance oder des Barock. Erfreuen Sie sich an den Tanzkünsten der Ballettgruppe Julia Logachev oder versuchen Sie sich selbst im Menuetttanz. Lauschen Sie sanften Harfenklängen und dem Repertoire des Deutschmeister-Spielmannzugs. Lassen Sie Ihre Kinder Schatzkästchen gestalten und Pralinen verzieren. Stärken Sie sich zwischendurch am Arsenal oder am Stand der Landfrauen Neubronn. Erfahren Sie bei kurzen Führungen Interessantes zur Jungsteinzeit im Taubertal, zur Baugeschichte des Schlosses – von der Romanik bis zum Klassizismus – und natürlich zur Geschichte des Deutschen Ordens.

„Deutscher Orden im Südwesten“ ab Juli

Letzterer ist im Jubiläumsjahr natürlich Thema Nummer eins, auch bei der Sonderausstellung. Sie befasst sich ausführlich mit der besonderen Rolle des Deutschen Ordens im Südwesten und nimmt Bezug auf die Balleien (Provinzen) Elsaß-Burgund und Franken sowie das Deutschmeistertum um Mergentheim. Einschließlich der unzähligen Kommenden (Niederlassungen), die von Mainz und Frankfurt über Freiburg, die Insel Mainau und die oberrheinischen Besitzungen bis weit in die Schweiz hineinreichten. Auch viele Adelsgeschlechter, die dem Orden über Jahrhunderte die Treue hielten, sind Teil der Ausstellung: zum Beispiel die von Hohenlohe, von Seckendorff, von Eyb, von Roll zu Bernau und die Freiherren von Baden.

Die Aufnahme in den Deutschen Orden war für viele Adelshäuser eine ehrenvolle Familientradition. Auch Hochmeister stammten aus dem Südwesten, wie etwa Konrad und Ulrich von Jungingen (um 1400). Oft saß der Deutsche Orden in Metropolen wie Freiburg, Frankfurt am Main und Würzburg, wo er durch seine Vernetzung Reichspolitik mitgestaltete. Er fand sich aber auch in abgelegenen Regionen wie Altshausen oder Virnsberg. Dort sorgte er für Verwaltung, Rechtsprechung und den wirtschaftlichen Aufschwung durch Hofhaltungen. Doch ganz gleich, wo sich die Niederlassungen befanden, stets trat der Orden als bedeutender Bauherr auf und trug zum imposanten Erscheinungsbild vieler Orte bei. Dazu beschäftigte er eigene Baumeister. So auch Blasius Berwart (1530–1589), der sich im Mergentheimer Schloss mit einer Wendeltreppe verewigte. Eine Glanzleistung der Renaissance-Baukunst – freitragend mit offener Spindel, verziert mit unzähligen Pflanzenornamenten, Tier- und Engelsgestalten.

Unser Tipp: Schauen Sie bei Ihrem Besuch unbedingt durch das Treppenauge nach oben und die Sonne wird Ihnen scheinen.