Zum 150. Geburtstag von Hans Heinrich Ehrler

Veröffentlicht am Donnerstag, 7. Juli 2022
Ein Gemälde zeigt Hans Heinrich Ehrler mit Buch. Es hängt im Stadtarchiv Bad Mergentheim.
Ein Gemälde zeigt Hans Heinrich Ehrler mit Buch. Es hängt im Stadtarchiv Bad Mergentheim.

Heute vor 150 Jahren – am 7. Juli 1872 – wurde Hans Heinrich Ehrler geboren. Jener Bad Mergentheimer Dichter, nach dem der „Obere Markt“ der Kurstadt benannt ist. Sein Geburtstag ist der Stadt Anlass für eine kritische Würdigung.

Ehrler war der Sohn des Wachsziehers Johann Michael Ehrler und dessen Frau Margarethe Heuerling. An seinem Mergentheimer Geburtshaus (Hans-Heinrich-Ehrler-Platz 18) erinnert noch heute eine Gedenktafel an ihn. Nach dem Besuch der Volks- und Lateinschule Mergentheim und der Gymnasien Landshut und Ellwangen studierte Ehrler in Würzburg und München.

Als Redakteur, Journalist und Herausgeber verschiedener Zeitungen war Hans Heinrich Ehrler unter anderem in Köln, Stuttgart, Heilbronn, Karlsruhe, Konstanz und Friedrichshafen tätig, bevor er sich 1911 als freier Schriftsteller niederließ. Zuvor heiratete er im Oktober 1904 in Stuttgart Melanie Amalie, geb. Frommherz. Die Ehe blieb kinderlos. Nach mehreren Zwischenstationen zog das Ehepaar 1926 nach Waldenbuch. Seine erste Publikation „Briefe vom Land“ erschien 1911 im Albert Langen Verlag. Viele weitere Veröffentlichungen folgten, darunter „Die Reise ins Pfarrhaus“ (1913), „Briefe aus meinem Kloster“ (1922), „Die Reise in die Heimat“ (1926), „Die drei Begegnungen des Baumeisters Wilhelm“ (1934) und „Charlotte“ (1946).

„Ein eigener ‚Ehrler-Ton‘ entsteht, einerseits durch die […] Bindung an die Tradition: Der Verfasser ist außerordentlich belesen in Literatur, Philosophie und Theologie, aber auch in Musik, Kunstgeschichte und in Teilen der Naturwissenschaften. Fremdsprachen wie Griechisch, Latein, Französisch oder Italienisch traut und mutet er dem Leser im Original zu“, schreibt Ulrich Lempp in einer Biografie 2006.

„Wie bei anderen Persönlichkeiten, die in der Zeit des Nationalsozialismus lebten, wurde auch die Rolle Ehrlers im ‚Dritten Reich‘ in den letzten Jahren kritisch beleuchtet“, sagt Bad Mergentheims Stadtarchivar Alexander Ploebsch. „Der Dichter gibt, je nach Quellenbetrachtung, ein sehr widersprüchliches Bild ab. Einerseits äußerte sich Ehrler 1932 in einer Rundfunkrede zur Württembergischen Verfassungsfeier kritisch gegenüber dem Nationalsozialismus und lobte die Weimarer Verfassung. Anderseits war er mit seinem Beitrag ‚Wenn sich Abgrunds Geister regen‘ in der Gedicht-Anthologie ‚Dem Führer‘ vertreten, die Adolf Hitler zu dessen 50. Geburtstag 1938 überreicht wurde.“ Dazu erläutert Alexander Ploebsch weiter: „Im gleichen Jahr erhielt Ehrler ebenfalls den so genannten Schwäbischen Dichterpreis, einen 1935 von dem württembergischen Ministerpräsidenten und Kultusminister Christian Mergenthaler gestifteten NS-Literaturpreis, mit ausdrücklicher Zustimmung von Josef Goebbels.“

Die tiefe Verbundenheit Ehrlers zu seiner Heimatstadt spiegelt sich in seinen zahlreichen Aufenthalten in Bad Mergentheim wieder. Nach Ehrlers Tod am 14. Juni 1951 in Waldenbuch wurde sein Leichnam ein Jahr später 1952 nach Bad Mergentheim überführt. Dort wurde er in einem Ehrengrab mit der Grabinschrift „Er wollte den Menschen den Weg erhellen“ auf dem städtischen Friedhof beigesetzt. Auch die regelmäßigen Veranstaltungen zu dessen Geburts- und Todestag zeugen von einer noch immer starken Verehrung Ehrlers durch die Mergentheimer.

So erschien im Jahr 2018 das Werk „Hans Heinrich Ehrler (1872-1951) – Biografie eines Abendländers“ von Stefan Keppler-Tasaki. In der Publikation „31 Lebensbilder aus der Zeit von 1914 bis heute“ der Geschichtswerkstatt Bad Mergentheim e.V. von 2020 wird ebenfalls die Biografie Ehrlers beleuchtet.

„Wenngleich Hans Heinrich Ehrler nicht unumstritten ist und nicht mehr jeder Bürgerin und jedem Bürger Bad Mergentheims bekannt ist, so wirft sein literarisches Erbe doch bis heute seinen Schatten“, stellt Alexander Ploebsch abschließend fest.


Die Bad Mergentheimer Stadtbücherei, die am Hans-Heinrich-Ehrler-Platz 35 angesiedelt ist, präsentiert ab Donnerstag, 7. Juli, zu den üblichen Öffnungszeiten eine Ausstellung seiner Werke.

Im Stadtarchiv im gleichen Gebäude befindet sich das Hans-Heinrich-Ehrler-Zimmer, in dem die Werke des Dichters und seine Büroausstattung besichtigt werden können. Dies ist möglich während der Öffnungszeiten des Archivs: Dienstag 10 bis 13 Uhr und Mittwoch 13 bis 17 Uhr.