Weitere archäologische Sondagen auf dem Gänsmarkt

Veröffentlicht am Montag, 15. Januar 2024
FreePictures/pixabay.com
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Noch im Januar finden auf dem Gänsmarkt Bodenuntersuchungen auf einer Fläche von mehr als 300 Quadratmetern statt. Archäologische Untersuchungen begleiten die Gänsmarkt-Baustelle von Beginn an.

Hinweis: In einer früheren Version dieser Pressemitteilung wurden die Sondagen für Mittwoch, 17. Januar, angekündigt. Aufgrund der Witterungsverhältnisse (Schnee, Eis) musste dieser Termin kurzfristig abgesagt und verschoben werden.

Wie die gesamte Altstadt, so stellt auch der Gänsmarkt einen archäologischen Prüffall dar. Insbesondere in den bislang unbebauten oder nicht tiefgreifend gestörten Bereichen ist deshalb mit archäologischen Zeugnissen zu rechnen. Über die Funde im Bereich Ledermarkt (ein inzwischen bereits dokumentierter und geschützter Teil des historischen Kanals) wurde von der Stadt bereits berichtet.

Um dem allgemeinen Interesse an der Erhaltung dieser Kulturdenkmale bestmöglich gerecht zu werden, bedarf es auch in weiteren Bereichen des Gänsmarkts archäologischer Untersuchungen, in deren Zuge Befunde und Funde und fachgerecht dokumentiert oder geborgen werden können. Ziel dieser Maßnahmen ist es, den dokumentarischen Wert des Kulturdenkmals als kulturhistorische Quelle für künftige Generationen zu bewahren.

Die nun anstehenden Untersuchungen finden in vier Bereichen statt. Die Gesellschaft für Geophysikalische Untersuchungen mbH aus Karlsruhe wurde von der Stadt mit Bodenuntersuchungen beauftragt. Mit einem unscheinbaren Gerät, das auf den ersten Blick einem Rasenmäher ähnelt, wird ein Mitarbeiter innerhalb abgesperrter Teilflächen seine Bahnen ziehen. Das eingesetzte Messverfahren Georadar ist ein hochauflösendes Verfahren, das elektromagnetische Wellen aussendet, die vom Bodenmaterial wiederum gestreut, reflektiert und gebeugt werden.

Nach Auswertung der gewonnen Daten ergibt sich in der Regel ein detailliertes Abbild des Bodens und es können Aussagen über Strukturen im Untergrund getroffen werden. Die Eindringtiefe des Messverfahrens ist abhängig vom Untergrundmaterial, liegt aber erfahrungsgemäß bei zwei bis drei Metern. Mit den Untersuchungen soll festgestellt werden, ob und in welchem Umfang es gegebenenfalls weitergehender Maßnahmen bedarf.

Was könnte gefunden werden? Historisch gilt der Gänsmarkt als ältester Siedlungskern der Stadt, der zu einem bislang nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt, eventuell jedoch bereits im 8. Jahrhundert entstanden ist und in der 1. Hälfte des 14. Jahrhundert zum Teil in die Ummauerung einbezogen wurde. Die älteste Ansiedlung im Bereich nördlich des Spitals besaß möglicherweise bereits zentralörtliche Funktion, was ihre Bedeutung für die Stadtgeschichtsforschung nochmals unterstreicht.

Umfeld Gänsmarkt 5–7: Hier befand sich die 1219 erwähnte Ödeburg und später die heute abgegangene Spitalscheuer/-kelter. Die älteste Baugeschichte ist unbekannt, vermutlich wurde die Burg im 11./12. Jahrhundert als Niederungsburg mit Wassergraben angelegt. Hinweise hierauf ergaben sich im Rahmen einer Befundbeobachtung, bei der eine 1,50 Meter mächtige Auffüllung auf schlammigem Untergrund dokumentiert wurde, die wohl als Rest des ehemaligen Wassergrabens anzusprechen ist.

Umfeld Gänsmarkt 8: Im Rahmen einer Baubegleitung wurden hier Siedlungsreste, Pfosten-/Latrinengruben und Mauerfundamente dokumentiert, die einen Siedlungsbeginn ab dem ausgehendem 12. Jahrhundert belegen. Mit archäologisch relevanten Schichten ist in diesem Areal ab einer Tiefe von ca. 1,00 Meter unter Geländeoberkante zu rechnen.

Durch die Bodenuntersuchungen sind keine Einschränkungen für Passantinnen und Passanten oder für den Verkehr zu erwarten. Über die Ergebnisse wird die Stadt im Nachgang informieren.