Vernissage: „Randerscheinungen“ geben tiefen Empfindungen Ausdruck

Im Bad Mergentheimer Kulturforum ist eine neue Ausstellung eröffnet worden: Bernd Schepermann erzählt in 35 Kunstwerken unter der Überschrift „Randerscheinungen“ aus seinem Innersten.

Eröffneten mit 130 Gästen die Ausstellung „Randerscheinungen“ (v.l.) Bürgermeisterstellvertreter Klaus-Dieter Brunotte, Musiker Erich Sittinger, Künstler H. Bernd Schepermann, Autor Hanno Kluge und Kulturamtsleiter Kersten Hahn.
Eröffneten mit 130 Gästen die Ausstellung „Randerscheinungen“ (v.l.) Bürgermeisterstellvertreter Klaus-Dieter Brunotte, Musiker Erich Sittinger, Künstler H. Bernd Schepermann, Autor Hanno Kluge und Kulturamtsleiter Kersten Hahn.

Dabei verortet er sich selbst „in meinem Lebensrand“, wie er während der Vernissage noch einmal bekräftigte. Das heißt für ihn: reicher werden mit fortschreitendem Alter, auch empfindsamer. Dazu der große Drang, Gefühlen und Erinnerungen Ausdruck zu verleihen. So sind „35 Selbstporträts“ entstanden, von denen doch jedes eine andere Geschichte erzählt. „Ich bin eben ein Mensch mit vielen Gesichtern – und ich bin es gerne“, sagte Schepermann dazu.

Bürgermeisterstellvertreter Klaus-Dieter Brunotte hatte ihn bereits zum Auftakt im Namen der Stadt als einen ihrer profiliertesten Kunstschaffenden charakterisiert. „Er selbst ist sicher keine Randerscheinung“, bemerkte Brunotte mit Blick auf Schepermanns Wirken als Künstler und Kulturförderer, der „weithin bekannt und anerkannt“ sei. Auch für diese „Bereicherung der regionalen Kulturszene“ dankte ihm der Bürgermeisterstellvertreter sowie ganz konkret für die neue Ausstellung im Kulturforum Bad Mergentheims.

Von dort nahm Bernd Schepermann die über 130 Gäste der Vernissage über seine Ansprache mit in sein Atelier in der Wachbacher Straße. An den Ort also, der ein gewisses Chaos offenbart, weil er geprägt ist von den Spuren des künstlerischen Schaffens. Denn Schepermanns Werke entstehen nicht nur aus Erinnerungen und Empfindungen, sondern materiell auch aus Aktenordnern oder Schallplattenstücken, häufig kommt Feuer zum Einsatz. „Es brodelt im Raum - und in mir“, versicherte Bernd Schepermann glaubwürdig.

Dazu sollte man sich dann noch Musik vorstellen. Er hört beim Arbeiten unter anderem französische Chansons oder das düstere Spätwerk von Leonard Cohen. Überhaupt: die Dunkelheit. Sie ist in den Randerscheinungen sehr präsent, scheint bisweilen sogar dominant. Aber zu viel Schwermut solle man dahinter nicht vermuten, betont der Künstler. „Die Dunkelheit macht mir keine Angst, denn in meinem Lebensrand bereitet mir das gleißende Licht sehr viel mehr Unbehagen.“ Dunkelheit sollte nicht mit Finsternis verwechselt werden – und schließlich fließt da in den Werken ja auch immer wieder das Dunkel in das Helle und umgekehrt.

Was Schepermann selbst als „Poesie in vordergründig fremder Sprache“ beschreibt, wurde am Vernissage-Abend von Erich Sittingers Klavierspiel musikalisch beflügelt.  Zu einem Bild mit dem Titel „No more darkness“ (dt. keine Finsternis mehr) improvisierte er sogar spontan und gab mit funkelnden Klänge den sensiblen Gebilden von Bernd Schepermann Ausdruck. Dass zum Abschluss der Veranstaltung dann noch der Mundart-Virtuose und Autor Hanno Kluge Heiteres auf gut Schwäbisch mitgebracht hatte, zeigt: In eine allzu schwermütige Ecke lassen sich die Randerscheinungen nicht stellen.  

Geöffnet hat die Ausstellung noch bis zum 21. Oktober täglich (außer dienstags) von 10.30 Uhr bis 17 Uhr. Sie ist im Kulturforum auf dem Hans-Heinrich-Ehrler-Platz zu finden. Der Eintritt ist frei. Bürgermeisterstellvertreter Klaus-Dieter Brunotte bedankte sich bei der Gruppe „Auskunft vom Bürger“, die durch ihre ehrenamtliche Aufsicht dieses Angebot erst ermöglicht. Außerdem dankte er Kersten Hahn und Manuela Wischnewski vom städtischen Kulturamt für Vorbereitung und Begleitung der Ausstellung.