Studie zum Rad-Tourismus in Bad Mergentheim erarbeitet

Drei Studentinnen der Hochschule Heilbronn haben im Rahmen eines Forschungsprojekts mit Unterstützung durch die Stadt Bad Mergentheim die Bedeutung des Radtourismus untersucht. Erstmals liegen nun genauere Daten zu diesem touristisch wichtigen Thema vor.

Radfahrer zählen, kategorisieren und befragen – das haben sich die Studentinnen der Hochschule Heilbronn in Bad Mergentheim zur Aufgabe gemacht und aus den Erkenntnissen eine Studie erstellt.
Radfahrer zählen, kategorisieren und befragen – das haben sich die Studentinnen der Hochschule Heilbronn in Bad Mergentheim zur Aufgabe gemacht und aus den Erkenntnissen eine Studie erstellt.

An vier Tagen haben Vanessa Reinhart, Sarina Rumpf und Susan Hohmann insgesamt mehr als 34 Stunden lang Fahrradfahrer gezählt und teilweise auch befragt. Die wissenschaftlich aufbereiteten Ergebnisse stellten sie kürzlich im Neuen Rathaus rund 20 Vertretern von Institutionen, Vereinen und örtlichen Anbietern aus den Arbeitsbereichen Tourismus, Freizeit und Fahrrad vor. Die drei Autorinnen studieren Tourismusmanagement an der Hochschule Heilbronn. Ralf Bochert betreute als Professor für Volkswirtschaft und Destinationsmanagement das Projekt. Vor Ort koordinierte die Leiterin der Tourist-Information, Nadine Schuster, die Zusammenarbeit.

An den Standorten Marktplatz, Volksfestplatz sowie an einem Streckenabschnitt bei Edelfingen wurden die Radfahrer zunächst gezählt und in Kategorien erfasst: als Sportradler, Tourenradler, Alltagsradler oder Erholungsradler. Die Erhebung fand sowohl während zweier Ferientage im August als auch an zwei Septembertagen außerhalb der Ferien statt. Im August kamen im Schnitt 74 Fahrradfahrer pro Stunde vorbei, im September waren es 44.

Auch die Anteile der verschiedenen Radfahrer-Kategorien variieren: Im August sind rund 10 Prozent Sportradler, 21 Prozent Tourenradler, 29 Prozent Alltagsradler und 39 Prozent Erholungsradler unterwegs. Im September bildeten die Alltagsradler mit rund 39 Prozent die größte Gruppe, gefolgt von den Erholungsradlern (36 Prozent) sowie den Touren- und Sportradlern (jeweils 13 Prozent).

Ergänzt wurde die Zählung durch eine ausführliche Befragung von fast 150 Radtouristen – direkt an der Strecke oder in den Bad Mergentheimer Hotels. Insgesamt bleibt ein knappes Drittel der Fahrradtouristen über Nacht. Wer länger bleibt, bucht sogar im Durchschnitt dreieinhalb Übernachtungen. Die übrigen zwei Drittel sind Tagestouristen. Die Gäste kommen meist aus Baden-Württemberg und Bayern, aber auch Nordrhein-Westfalen ist stark vertreten. Warum kommen sie nach Bad Mergentheim? Die „Nähe der Stadt zum Fahrradweg“ wird als häufigstes Kriterium genannt (75 Prozent), aber auch die Sehenswürdigkeiten (52 Prozent) und das gastronomische Angebot (37 Prozent) sind wichtige Gründe.

Auch der Frage, was die Radfahrer der Stadt wirtschaftlich bringen, haben die Studentinnen nachgespürt und entsprechende Daten für Bad Mergentheim hochgerechnet: Demnach generiert beispielsweise die Gruppe der Fahrradfahrer mit Übernachtung einen jährlichen Umsatz von mehr als 3,6 Millionen Euro in der Kurstadt. Mit Abstand beliebtester Radweg der Gäste ist übrigens der mit fünf Sternen zertifizierte „Taubertal-Klassiker“, auf dem rund 58 Prozent der Befragten unterwegs sind. Der Romantischen Straße folgen knapp 12 Prozent.

Schließlich sollten die Befragten auch noch das bewerten, was sie in Bad Mergentheim vorfinden: Sehr gute Noten gab es dabei für das Angebot fahrradgerechter Unterkünfte sowie die Servicequalität in der Tourist-Information (jeweils eine 1,9). Die Ausschilderung wird mit 2,1 als gut bewertet, negativ fiel unter anderem das Urteil zum Angebot an Ladestationen für E-Bikes aus (Note 3,5).

Für Verkehrsdirektor Kersten Hahn beinhaltet die Studie wertvolle Erkenntnisse: „Wir wissen, dass Radtourismus für unsere Stadt und die Region eine große Bedeutung hat, doch ließ sich das bisher nur schwer mit belastbaren Zahlen darstellen.“ Dank der Studie sei nun klarer, wie stark die Radwege frequentiert würden, was den Radfahrern an Bad Mergentheim gefalle und wo man noch besser werden könne. „Auch die einzelnen Anbieter vor Ort können mit Hilfe der gewonnen Daten noch attraktiver für eine Zielgruppe werden, die messbar Geld in unserer Stadt lässt.“