Schulbau-Projekte sind genau aufeinander abgestimmt

Steigende Schülerzahlen, Sanierungsstau und der Ganztagsanspruch sind die Treiber einer Entwicklung, die in der Kurstadt seit einigen Jahren Priorität hat. Der Kinder-Zuwachs verlangte zunächst nach einem Ausbau der Grundschul-Züge. Hier ist seit 2024 mit der neuen Grundschule Nord ein erster Meilenstein bereits geschafft. Nun gilt es, die weiterführenden Schulen und die Grundschule Bad Mergentheim zukunftsfest aufzustellen. Die Gleichzeitigkeit der Herausforderungen kommt – vor allem bei den weiterführenden Schulen – daher, dass diese alle ähnlich alt sind. In den 1960-er und 1970-er Jahren hatte die Stadt schon einmal einen Kraftakt im Schulbau betrieben und nicht zuletzt darauf ihre positive Entwicklung und ihr Wachstum gegründet. Die Jahrzehnte zehren nun an der Substanz vieler Gebäude.
Parallel werden Grundschul-Sanierungen in Wachbach und demnächst ebenso in Markelsheim umgesetzt. Auch das hat Auswirkungen auf Gebäude-Nutzungen in der Kernstadt, wo jede Sanierung zwangsläufig eine vorübergehende Umquartierung der jeweiligen Schulgemeinde mit sich bringt. „Als Stadt stimmen wir deshalb alle Projekte genau aufeinander ab und müssen in enger Abstimmung mit dem Gemeinderat schon jetzt langfristig vorausplanen“, sagt Oberbürgermeister Udo Glatthaar. Gemeinsam mit seinen Amtsleitern Kersten Hahn (Bildung) und Bernd Straub (Bauen) stellt er die verflochtenen Projekte zusammenhängend dar. So werde vieles deutlicher und verständlicher, was derzeit an Einzel-Themen die Öffentlichkeit erreiche.
Schulbauprojekte in Bad Mergentheim, Wachbach und Markelsheim
Diese Schulbauprojekte laufen gerade oder sind angestoßen: Sanierung der Grundschule Wachbach (Fertigstellung im Sommer), Sanierung der Grundschule Markelsheim (2026 bis 2027), Bau eines neuen Fachraumzentrums (Ende 2026 bis 2029) sowie Sanierung und Zusammenführung der Grundschule Bad Mergentheim am Standort Au inklusive eines neuen Anbaus, der auch den jetzigen Modulbau ersetzt (2027 bis 2029). Die Raum-Kapazitäten des Fachraumzentrums ermöglichen es, anschließend mit der Sanierung der weiterführenden Schulen (Deutschorden-Gymnasium, Kopernikus-Realschule, Eduard-Mörike-Schule) zu beginnen. „Mit dem Fachraumzentrum schaffen wir ein hochmodernes und attraktives Lernumfeld für den Fachunterricht und gewinnen Flexibilität“, erklärt es Stadtbaudirektor Bernd Straub.
Kersten Hahn weist darauf hin, dass es bei den Projekten um mehr geht als Unterrichtsräume: „Der Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung und die steigende Nachfrage der Familien verlangen von uns, neben den Schulgebäuden die Themen Pausenhöfe, Mensen und Sporthallen viel stärker in die Gesamtbetrachtung einzubeziehen“, erläutert der Fachbereichsleiter für Bildung, Kultur und Tourismus.
Hintergrund dieses Perspektivwechsels ist die sich verändernde Aufenthaltsdauer der Betreuung. Die stark ausgebauten kommunalen Betreuungsangebote für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben dazu geführt, dass Kinder nicht nur die Vormittage, sondern auch einen Großteil des Nachmittages auf dem Schulgelände verbringen. Das kann sich nicht mehr nur in klassischen Schulgebäuden abspielen. Der Campus-Gedanke gewinnt immer mehr Bedeutung.
Darauf wird auch die Au als beschlossener Grundschul-Standort noch stärker zugeschnitten. In diesem Stadtquartier wird bereits in die Sanierung der Turnhallen investiert. So laufen aktuell Sanierung und Erweiterung des Umkleidebereichs an der Lorenz-Fries-Schule und es steht die Hallendach-Sanierung an der Eduard-Mörike-Schule an.
Ausweichquartiere notwendig - auch die Stadtmitte wird noch gebraucht
Oberbürgermeister Udo Glatthaar bekräftigt den Anspruch der Stadt, alle Prozesse kooperativ und im Dialog mit den Betroffenen zu gestalten, was bei Projekten wie Grundschule Nord oder Fachraumzentrum bereits sehr gut gelungen sei.
Mit den Bau-Vorhaben gehen eine Reihe vorübergehender „Umzüge“ einher: Die Grundschul-Kinder aus Wachbach, die derzeit im modularen Schulgebäude in der Au unterrichtet werden, kehren im Sommer an ihre dann sanierte Schule zurück. Die Grundschul-Kinder aus Markelsheim werden im Zuge der anstehenden Sanierung in die freien Raum-Kapazitäten der Grundschule Nord einziehen. Den Platz gibt es dort, weil die neue Grundschule wie geplant jahrgangsweise aufwächst und deshalb erst 2027/ 2028 den Vollbetrieb erreicht. Für die Bauphase an der Grundschule Bad Mergentheim stehen der Modulbau und das Bestandsgebäude Stadtmitte als Ausweich-Quartiere bereit. Bei der Sanierung der weiterführenden Schulen wird der Bedarf an solchen Ausweich-Quartieren durch das bis 2029 auf dem Campus gebaute Fachraumzentrum sowie das bis dahin frei gewordene Schulhaus in der Stadtmitte ermöglicht.
Daraus ergibt sich für die Verantwortlichen eine wichtige Feststellung: Von einem „Aufgeben“ des Gebäudes in der Stadtmitte könne noch lange keine Rede sein! Das Gebäude wird auch nach dem Zusammenführen der Grundschule in der Au weiter gebraucht. Nur dank des dann (mit Ausnahme der Jugendmusikschule und Stadtkapelle) freien Gebäudes bekommen die Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen während der Sanierungsphasen ihren Unterricht in einem richtigen Schulgebäude im Herzen der Stadt – und müssen nicht in Container ausweichen. „Ein solches Provisorium weitgehend zu vermeiden, schont zudem die Stadtkasse. Die räumlichen Kapazitäten des vorhandenen Schulgebäudes ersparen uns Container-Investitionen in Höhe von einigen Millionen Euro“, sagt Stadtbaudirektor Bernd Straub.
„Das Schulgebäude in der Stadtmitte verwaist nicht“, unterstreicht der Oberbürgermeister. „Es fungiert noch für schätzungsweise mindestens ein Jahrzehnt als Bildungsbau für unsere allgemeinbildenden Schulen“, fasst Udo Glatthaar die Pläne zusammen. „Erst für die Zeit danach kann überlegt werden, beispielsweise andere Bildungsangebote hier zu vereinen.“ Alle Überlegungen für städtebauliche Perspektiven müssten diesen Horizont berücksichtigen.
Investitionen im zweistelligen Millionen-Bereich
Er betont die finanziellen Anstrengungen, die Bad Mergentheim neben den organisatorischen leiste: mit den Grundschulen Wachbach (7 Millionen) und Markelsheim (9,1 Millionen), dem Fachraumzentrum (28 Millionen), den beiden Turnhallen-Projekten am Au-Campus (1,5 Millionen) sowie der Sanierung und Neuaufstellung der Grundschule Bad Mergentheim (noch nicht berechnet, aber auf über 20 Millionen Euro geschätzt). „Allein im laufenden Haushaltsjahr hat der Gemeinderat Investitionen von 6,7 Millionen Euro in diese Projekte genehmigt. Und für den breiten Konsens im Sinne eines starken, familienfreundlichen Bildungs-Standorts Bad Mergentheim bin ich allen Fraktionen sehr dankbar“, so der OB.
Aufgrund der hohen Investitionen im zweistelligen Millionenbereich wird bei Planungen und Umsetzungen weiterhin auf das „Bedarfsnotwendige“ geachtet, um die Kosten unter Kontrolle zu halten, so die Stadt. Zudem ist das Thema Förderung ein wichtiger Faktor bei allen städtischen Planungen. Sämtliche Beschlüsse waren deshalb zuletzt auf entsprechende Fristen abgestimmt, um bei den Mitteln für Ganztag, Schulbauförderung oder beim Ausgleichstock zum Zuge zu kommen. Erste Erfolge dabei gibt es. So waren im Dezember 2025 vom Land Baden-Württemberg fast 12,4 Millionen Euro Fördermittel allein für das neue Fachraumzentrum bewilligt worden.
