Gemeinsam für Artenvielfalt

Das Thema Biodiversität soll im Verwaltungshandeln und der politischen Gestaltung Bad Mergentheims eine zentrale Rolle spielen. Welche Vorstellungen es dazu gibt und wie man das Ziel im Schulterschluss aller Interessen erreichen kann, diskutiert ein „Runder Tisch“.

Eine Biene in Bad Mergentheim: Damit die Stadt Lebensraum für möglichst viele Insekten bleibt, wird an einer Agenda zur Biodiversität gearbeitet. (Foto: Carsten Müller)
Eine Biene in Bad Mergentheim: Damit die Stadt Lebensraum für möglichst viele Insekten bleibt, wird an einer Agenda zur Biodiversität gearbeitet. (Foto: Carsten Müller)

Schlagworte wie „Insektensterben“ beschreiben den Wandel unserer Umwelt und den Verlust an Biodiversität. Das Wort meint die Vielfalt der Ökosysteme, die genetische Vielfalt und den Reichtum an Arten bei Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen. Gemeinderat und Verwaltung haben sich auf den Weg gemacht, der Biodiversität in Bad Mergentheim dauerhaft einen hohen Stellenwert zu geben und die Stadtentwicklung entsprechend auszurichten.

Da es dafür jedoch alle Interessengruppen sowie die mittelbar und unmittelbar Betroffenen braucht, wurde das Format des „Runden Tischs“ ins Leben gerufen. „Er soll die bereits laufenden Aktivitäten darstellen, Ideen sammeln und im Zusammenspiel mit dem Gemeinderat einen Handlungskatalog entwickeln, der ganz konkrete Schritte für mehr Biodiversität in Bad Mergentheim festschreibt“, schilderte Oberbürgermeister Udo Glatthaar beim ersten Treffen im Mai die Ziele. Es gehe nicht um eine einmalige Veranstaltung, sondern um einen „laufenden Prozess“.    

Folgende Institutionen und Initiativen sind bislang vertreten: die Naturschutzgruppe Taubergrund, der Imkerverein Mittlere Tauber, der Weinbauverein Markelsheim, der Landschaftspflegeverband Main-Tauber, der Bauernverband Main-Tauber-Kreis, zwei Vertreter von „Fridays for Future“ Bad Mergentheim, die Kreisjägervereinigung Bad Mergentheim, die Stadtverwaltung mit allen Fachbereichen, die Kreisverwaltung mit verschiedenen Fachämtern (unter anderem dem Forstamt), die Kirchengemeinden, die Kurverwaltung sowie Vertreter aller Fraktionen des Gemeinderates. Insgesamt nahmen fast 40 Personen am ersten runden Tisch teil.

Stadtbaudirektor Bernd Straub gab einleitend einen Überblick über die Handlungsfelder der Stadt, auf denen diese schon heute etwas für Biodiversität tun könne und auch einem hohen ökologischen Anspruch gerecht werden wolle: etwa über die Bauleitplanung mit Ausgleichsmaßnahmen für Flächenverbrauch, Pflanzgeboten oder Dachbegrünung. Das Baurecht erlaube es, die Vorgaben aus den Bebauungsplänen zu überwachen und schließlich würde bei den laufenden Unterhaltungs- und Pflegearbeiten auf den Einsatz bestimmter chemischer Stoffe verzichtet.

„Ein Ausrufezeichen setzt die Stadt auch mit dem geplanten Wohngebiet Auenland III, das wir nach neuesten ökologischen Standards ausrichten - nicht nur im energetischen Sinne, sondern auch was das Wohnumfeld angeht“, kündigte Bernd Straub an. Zudem verwies er auf die fachlich hochgelobte Stadtentwicklungskonzeption „Blühende Quellen“. Diese Landesgartenschau-Bewerbung habe einen klaren Schwerpunkt auf Biodiversität und Klimaschutz gelegt, worauf man bei einer aus seiner Sicht der Verwaltung wünschenswerten Wiederbewerbung und konzeptionellen Überarbeitung noch mehr Gewicht legen sollte.

In die anschließende Diskussion brachten die Teilnehmer ihre Vorschläge ein und bekräftigten, sich der ökologischen Verantwortung in allen Bereichen stellen zu wollen, diskutierten einzelne Themen aber auch kontrovers. Deutlich wurde dabei, dass auch mit kleinen Schritten etwas erreicht werden kann und hier auch schnell Einigkeit zu erzielen ist: mit mehr blühendem Straßenbegleitgrün zum Beispiel oder weniger Mähvorgängen an Böschungen. Mit Naturgärten, Fassadenbegrünung oder Nisthilfen kann zudem jeder Einzelne einen wertvollen Beitrag leisten, worüber ein gemeinsam herausgegebener Flyer informieren könnte.  

Strukturelle Veränderungen – wie eine Ausweitung des öffentlichen Nahverkehrs – wurden ebenfalls in den Raum gestellt. Und auch eine klare Steuerung von Seiten der Stadt eingefordert: Hier ging es vor allem darum, gegen die kargen Steingärten vorzugehen oder bei Schrebergärten über die Pachtverträge bestimmte Auflagen bei der Bepflanzung zu machen. Mit der Instandsetzung von Trockenmauern am Ketterberg wurde ein konkretes Projekt aus der Landesgartenschau-Bewerbung wieder aufgegriffen.

Am weitesten auseinander gingen die Meinungen beim Einsatz von Pestiziden. Während sich die Naturschutzgruppe Taubergrund auf der einen Seite bereits seit längerem für eine „pestizidfreie Kommune“ einsetzt, geben die Vertreter aus Landwirtschaft und Weinbau zu bedenken, dass hier bereits eine starke Reduktion stattgefunden habe und es auch um ökonomisch-existenzielle Fragen ginge.

Alle Ideen und Meinungen sind vom Stadtbauamt in den vergangenen Monaten dokumentiert und vertieft worden. Sie sollen im Herbst dem Gemeinderat vorgestellt werden. Danach geht es darum, konkrete Schritte und Projekte festzulegen. Bis Ende dieses Jahres ist ein weiteres Treffen des Runden Tisches vorgesehen. Auch die Öffentlichkeit soll nach den internen Runden noch stärker eingebunden werden. Die Stadt informiert zudem im E-Mail-Newsletter der Verwaltung (beziehbar über www.bad-mergentheim.de/newsletter) regelmäßig über den aktuellen Stand.