„Runder Tisch“: Bei der Biodiversität hat sich in Bad Mergentheim bereits viel getan

Ob Steingarten-Verbot im neuen Wohngebiet, insektenfreundlichere Landschaftspflege oder eine veränderte Friedhofs-Gestaltung: Beim zweiten Runden Tisch zur „Biodiversität“ in Bad Mergentheim konnte die Stadt aufzeigen, dass sich bei diesem Thema inzwischen einiges getan hat.

Der „Runde Tisch“ Biodiversität hat sich zum zweiten Mal im Bad Mergentheimer Rathaus getroffen – und auch eine erste Zwischenbilanz gezogen.
Der „Runde Tisch“ Biodiversität hat sich zum zweiten Mal im Bad Mergentheimer Rathaus getroffen – und auch eine erste Zwischenbilanz gezogen.

Oberbürgermeister Udo Glatthaar freute sich, erneut eine große Runde von fast 40 Vertretern der unterschiedlichsten Interessengruppen und Institutionen begrüßen zu dürfen: Naturschutzgruppe, Kirchen, Fridays for future, Imker, Jäger, Bauernverband, Weinbauverein und Forst. Dazu waren neben Stadt- und Kurverwaltung auch der Gemeinderat und der Jugendgemeinderat sowie wichtige Fachabteilungen des Landkreises (Umweltschutzamt, Landwirtschaftsamt, Landschaftspflegeverband) vertreten.

Die Stadtverwaltung gab zum Auftakt einen Bericht, was nach der ersten Zusammenkunft im Mai 2019 bereits konkret umgesetzt werden konnte. So gilt im neuen großen Baugebiet Auenland III ein Verbot von so genannten „Steingärten“. Außerdem sind dort Dächer bis zu einer gewissen Neigung zu begrünen, bei Garagendächern ist dies grundsätzlich für die halbe Fläche vorgeschrieben. Weitere Punkte wurden in die Bauleitplanung aufgenommen, darunter fallen etwa die Verdichtung von Wohnbebauung oder der Erhalt und die Ergänzung vorhandener Obstbaumreihen.

Täglich engagiert im Einsatz für mehr Biodiversität ist der Bauhof, der ein ganzes Maßnahmen-Bündel aus seiner Arbeit vorstellte. So werden Freiflächen, Straßenränder und Kreisverkehre mit artenreichen Staudenmischpflanzungen versehen. Dabei wird auf gebietsheimisches Saatgut zurückgegriffen. Das Zusammenspiel von frühblühenden Blumenzwiebeln und winterblühenden Gehölzen ergibt eine fast ganzjährige Blüte. Bäume und Sträucher erfüllen das Kriterium „stadtklimaverträglich“.

Gedüngt wird nur mit organischem Dünger. Auf Rasenflächen und Spielplätzen wird inzwischen nicht mehr nur auf Pestizide, sondern komplett auf Dünger verzichtet. Für Rasenflächen, die nicht unmittelbar an Wege oder Straßen grenzen, gelten längere Mäh-Intervalle. Mit dem Mulchen wartet das Bauhof-Team bis nach der Blüte und der Aussaat.

Die Achtsamkeit der Stadt hat sogar schon zu ersten Erfolgsmeldungen geführt: So haben die Gärtner an der Straßenböschung der Bismarckstraße die seltene Orchideenart „Bocksriemenzunge“ entdeckt. Und im Bereich der Mörikehütte hat sich durch die angepasste Mahd ein nährstoffarmes Umfeld entwickelt, das für bestimmte Pflanzen notwendig ist, und in dem die Wildbiene vorkommt. Diese Flächen sollen noch erweitert werden.

Die Berghornallee an der Bismarckstraße soll mit ihren zahlreichen Stammhöhlungen und Totholzanteilen – einem wichtigen Lebensraum – unter Berücksichtigung der Verkehrssicherungspflicht möglichst lange erhalten bleiben. In Kernstadt und Teilorten gilt zudem das Motto „naturnahe Pflege“. Das bedeutet nicht nur, dass umstrittene Chemikalien wie Glyphosat tabu sind, sondern heißt auch: mehr Pflege von Hand und mit mechanischen Verfahren. Wobei bei den letzteren sogar zunehmend eine Umstellung auf emissionsfreie Elektro-Geräte erfolgt.

Auch der Eigenbetrieb Friedhofs- und Bestattungswesen hat sich mehr Biodiversität und Artenvielfalt als Ziel gesetzt. Hier wurden die Eingriffe in die Vegetation bereits zurückgefahren. Der Eigenbetrieb könnte sich vorstellen, weitere Flächen der Natur zu überlassen – weist aber darauf hin, dass sich dann auch das Erscheinungsbild der städtischen Friedhöfe verändert. Als weitere Themen von Seiten der Stadt wurden die Biotopvernetzung und die Sanierung von Trockenmauern sowie die ökologischen Projekte der laufenden Landesgartenschau-Bewerbung angesprochen. Und schließlich möchten Verwaltung und Gemeinderat auch in der inneren Organisation unter anderem die Frage der Biodiversität stärker verankern: So ist derzeit die Stelle eines Landschaftsplaners oder Landschaftsarchitekten für das Bauamt ausgeschrieben.

Im Anschluss an die Präsentation gab es vom Runden Tisch positive Resonanz auf das bisher erreichte, aber auch viele weitere Themen wurden angesprochen und diskutiert. Dabei brachten sich alle Teilnehmer mit ihrem jeweiligen Tätigkeitsgebiet ein, stellten weitere lobenswerte Initiativen aus Bad Mergentheim oder anderen Städten vor und regten eine Ausweitung der ergriffenen Maßnahmen auch auf weiteren Handlungsebenen (beispielsweise des Kreises) an.

Ein ausführlicher diskutiertes Thema war die so genannte „Lichtverschmutzung“, also die Beeinträchtigung von Insekten durch eine zu grelle Ausleuchtung des öffentlichen Raums. Hier soll nun nach konkreten Lösungen einer steuerbaren oder dauerhaft gedimmten Beleuchtung gesucht werden. Auch alle weiteren Anregungen hat die Stadt aufgenommen. Schon jetzt steht fest: Der Runde Tisch will sich in etwa einem Jahr wieder treffen. Noch regelmäßiger wird die Stadt den Teilnehmern über den Fortgang der einzelnen Projekte berichten. Auch für die Bürgerschaft sollen Informationsmaterialien mit Tipps zum Mitmachen erarbeitet werden.