Neue Ausstellung: Die älteste heimische Bibel ist von 1666

Im Bad Mergentheimer Kulturforum ist am Wochenende die Erlebnisausstellung „Vom Papyrus zur digitalen Bibel“ eröffnet worden. Sie ist genauso vielseitig wie es der Titel verspricht.

Die älteste heimische Bibel stammt aus dem Jahr 1666 (vorne).
Die älteste heimische Bibel stammt aus dem Jahr 1666 (vorne).

„Diese Ausstellung spannt den ganz großen Bogen – 6.000 Jahre Kulturgeschichte und 3.500 Jahre Bibelgeschichte werden hier lebendig“, sagte Oberbürgermeister Udo Glatthaar bei der Vernissage. Er freue sich sehr, dass die Stadt Bad Mergentheim gemeinsam mit der Evangelischen Allianz im Taubertal so auch einen Beitrag zum zu Ende gehenden Reformationsjahr leiste. Pastor Michael Steinkamp ergänzte in seinem Impulsvortrag: „Wir feiern hier nicht nur ein besonderes Kulturgut, wir stehen auch inmitten der Einladung eines lebendigen Gottes.“ Und Manuela Wilhelm sang – von Wolfgang Goericke am Klavier begleitet – dazu passend moderne Gospelstücke.

Das besondere Konzept der Ausstellung erläuterte Edgar Tempel, der den kurzfristig erkrankten Initiator des Projekts, Reinhard Lorenz, vertrat. „Schön, dass dieses außergewöhnliche Buch in Bad Mergentheim so eine Bühne bekommt“, sagte Tempel und stellt die insgesamt zehn Abteilungen vor, die im Kulturforum aufgebaut sind: Dort wird anschaulich präsentiert, welchen Weg die Botschaft der Bibel durch die Zeit nahm und welche aktuellen Fragen sie in der Forschung der Gegenwart aufwirft. Eine archäologische Abteilung gehört genauso zum Rundgang wie ein Blick auf die Bibel im digitalen Zeitalter.

Das geschieht nicht nur mit Texten, sondern mithilfe vieler beeindruckender, teils kurioser und wertvoller Ausstellungsstücke – darunter auch der Nachbau einer Gutenberg-Druckpresse. Eine besondere Ergänzung dazu sind die fast 30 historischen Bibeln aus Bad Mergentheim und der Umgebung, die private Leihgeber beigesteuert haben. Ausstellungs-Besucher können in diversen Vitrinen nun wahre Schätze aus mehreren Jahrhunderten betrachten – die älteste Bibel stammt aus dem Jahr 1666.

„Ich fand es beeindruckend, wie groß die Resonanz schon nach dem ersten Aufruf war“, berichtet Pastoraldiakonin Marianne Stapfer von der Liebenzeller Gemeinschaft, die die Leihgaben koordiniert hat. Sie ist nicht nur dankbar für das Vertrauen der Besitzer, die ihre wertvollen Stücke für einige Wochen aus der Hand geben, sondern auch für die vielen persönlichen Geschichten, die ihr mit Übergabe der historischen Bibeln erzählt wurden. Da ist ein Architekt, der die Bibel bei einem Hausabriss gefunden und dann aufwändig restauriert hat; da können Familien genau nachzeichnen, wer die Bibel von wem erhalten hatte und wie das Buch über Generationen weitergegeben wurde. Es sind große und sehr kleine Bibeln, gut erhaltene und solche, die schon viel mitgemacht haben – auch Bibeln in fremden Sprachen wurden abgegeben. 

Oberbürgermeister Glatthaar richtete deshalb im Namen aller Ausstellungs-Verantwortlichen einen großen Dank an die Leihgeber: „Sie haben diese ohnehin schon beeindruckende Sammlung mit Ihren Schätzen aus Familienbesitz noch einmal deutlich aufgewertet und zu einer wirklich regionalen Ausstellung gemacht!“ Zu sehen ist diese noch bis einschließlich 20. Oktober im Bad Mergentheimer Kulturforum auf dem Hans-Heinrich-Ehrler-Platz. Geöffnet ist täglich von 10 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei.

Am kommenden Donnerstag, 12. Oktober, findet im Rahmen der Ausstellung eine Theater-Vorführung unter dem Titel „Bist du sicher, Martinus?“ statt. Maria Warkentin spielt Katharina von Bora – mit Texten aus den Tischreden Martin Luthers. Bernhard klein wird die Texte und Szenen mit der Musik seiner Gitarre umrahmen. Die Vorstellung beginnt um 19.30 Uhr im Gemeindehaus der Liebenzeller Gemeinschaft (Unterer Graben 6 – 8), der Eintritt ist frei.

Außerdem wird schon jetzt zu einem Vortragsabend mit Professor Siegfried Zimmer aus Ludwigsburg eingeladen.  Der Theologe spricht eine Woche später am Donnerstag, 19. Oktober, ab 19.30 Uhr im Bad Mergentheimer Mittelstandszentrum (Johann-Hammer-Straße 24) zum Thema „Was macht die Bibel zu einem besonderen Buch?“ Auch diese Veranstaltung kostet keinen Eintritt.