Nachwuchs für Technik begeistern

„Technik begreifbar machen, um junge Menschen für Technik zu begeistern“ lauten Motto und Ziele von Vernetzungsprojekten der „MINThoch4“-Region südliches Taubertal.

In der ersten Stufe vermitteln Experten und Physiklehrer fundiertes „Energie“-Fachwissen an die Grundschullehrer und untermauern das gewonnene Know-how durch Experimente rund um das Thema Energie (Bild: Peter D. Wagner).
In der ersten Stufe vermitteln Experten und Physiklehrer fundiertes „Energie“-Fachwissen an die Grundschullehrer und untermauern das gewonnene Know-how durch Experimente rund um das Thema Energie (Bild: Peter D. Wagner).

MINT-Regionen sind regionale Netzwerke zur Stärkung der naturwissenschaftlich-technischen Bildung. Die 2016 gegründete „MINThoch4“-Region südliches Taubertal ist eine unabhängige, außerschulische Bildungsinitiative zur Förderung des Nachwuchses in den vier Bildungsphasen Kindergarten, Grundschule, weiterführenden Schulen und Studium – daher auch der Name „MINThoch4“.

Besonderes Konzept

Die „MINThoch4“-Region wurde für ihr besonderes Konzept, durch eine einzigartige Vernetzung der beteiligten Projektpartner lokal passende, zentral koordinierte und nachhaltig wirksame Angebote entlang der Bildungskette in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu schaffen sowie neue Bildungsprogramme zu entwickeln vom Stifterverband als eine von acht MINT-Regionen in Deutschland ausgezeichnet.

In den letzten 24 Monaten wurden bereits über 20 Projekte erfolgreich umgesetzt und langfristig etabliert. Mit diesen Maßnahmen wurden über 800 Kinder und Jugendliche von vier bis 18 Jahren erreicht. Die Aufbauarbeit des „MINThoch4“-Netzwerks trägt Früchte, wie das Kooperationsprojekt „Energie für coole Köpfe“, durchgeführt von Physiklehrern des Deutschorden-Gymnasiums (DOG), Experten des Stadtwerks Tauberfranken, Lehrern der Grundschule am Engelsberg Markelsheim und der JTS, zeigt.

Ziel ist es, ein nachhaltiges, mehrstufiges Konzept zu entwickeln, um das komplexe Themenfeld „Energie“ Grundschülern begreifbar näher zu bringen. Die Besonderheit ist hierbei, dass nicht nur ein einzigartiger Wissenstransfer – nämlich von Schule zu Schule bzw. von Unternehmen zu Schule stattfindet, sondern auch ein Austausch materieller Ausstattung.

In der ersten Stufe vermitteln Experten des Stadtwerks Tauberfranken und Physiklehrer des DOG fundiertes „Energie“-Fachwissen an die Grundschullehrer und untermauern das gewonnene Know-how durch das „Tun“, also das Aufbauen, Durchführen und Erklären von Experimenten rund um das Thema Energie. Festgehalten werden die Experimente per Video, die später als Erklärungsclips verwendet werden sollen.

Was ist Energie?

In die Praxis setzte dies die Lehramtsanwärterin der Grundschule am Engelsberg Markelsheim, Carina Spohn, in der Kombiklasse 3/4 um. Die Kinder beschäftigten sich mit den Fragen „Was ist überhaupt Energie und in welchen Formen gibt es sie?“, „Wozu brauchen wir Energie, wie wirkt sie und kann sie verschwinden?“ sowie „Wie entstehen Blitze oder warum stehen mir die Haare zu Berge?“

Mit dem Bau eines Windrades wurden die Brücke zu erneuerbaren Energien geschlagen und verschiedene Energieformen erforscht. Das von den Experten erlernte Vorwissen nutzte Spohn bei den Experimenten, ebenso die vom DOG geliehenen Materialien, um zunächst unterschiedliche Bauteile wie Batterie, Schalter und Glühlampe kennenzulernen und anschließend Stromkreise unterschiedlicher Komplexität zu bauen oder die Schüler mit der funkenerzeugenden Influenz-Maschine zum Staunen zu bringen.

Begeistert tüftelten die Kinder daran herauszufinden, warum eine Batterie Wärme, Licht oder auch Bewegung erzeugen kann. Zudem untersuchten sie die elektrische Leitfähigkeit verschiedener Stoffe.

Untermauert wurde die Lerneinheit „Energie“ durch die Kooperation mit der Stadtbücherei und dem Kreismedienzentrum Distelhausen: Infotexte, Themenbücher und Filmen stießen bei den Schülern auf große Begeisterung und riefen zum Weiterforschen auf. Eine Lerntheke erweiterte und ergänzte das Angebot.

Nach einer schriftlichen Überprüfung durften die Kinder ihr Wissen beim Besuch der Wasserkraftanlage der Familie Kuhn in Markelsheim anwenden. Die Schüler erlebten, dass sie durch eigenes Beobachten, Forschen und Weiterdenken sehr viel selbst über die Funktionsweise der Wasserkraftanlage und deren Energieerzeugung herausfinden können. Diese Erfahrung war für die Kinder sehr motivierend und sie recherchierten auf ihren Tablets zu diesem Thema voller Eifer weiter. Stolz stellten sie ihre Recherchen wie etwa zu berühmten Erfindern oder bedeutenden Erfindungen in kleinen Präsentationen vor.

Begeisterte Schüler

„,Energie für coole Köpfe’ hat unsere Schüler begeistert – das Lernen durch eigenes Beobachten, Experimentieren und Weiterentwickeln, motiviert sie, Fragen zu stellen und sich weiter mit den Themen zu beschäftigen. Durch die besondere Vernetzung und Zusammenarbeit konnte ein breitgefächertes Grundverständnis bei den Kindern angebahnt werden“, resümiert Schulleiterin Monika Halbmann.

„Energie für coole Köpfe ist ein exzellentes Beispiel für ein gelebtes Netzwerk. Durch die Schaffung von gemeinsamen Konzepten ergibt sich ein Mehrwert für alle Beteiligten und Kooperationspartner in der Region“, betonen unter anderem auch Iris Lange-Schmalz, Projektleiterin der „MINThoch4“-Region und stellvertretend für die beteiligten Schulen Karin Endres, SBBZ-Leiterin, geschäftsführende Schulleitung sowie Vorsitzende des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft im Main-Tauber-Kreis.

© Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 07.03.2019
Auto: Peter D. Wagner