Leihvertrag regelt Verbleib der „Adelsheimschen Sammlung“

Veröffentlicht am Donnerstag, 20. Oktober 2022
Unterzeichneten den Leihvertrag zur Adelsheimschen Sammlung vor dem wertvollen „Hausaltärchen“ (v.l.) Kersten Hahn, Michael Hörrmann, Maike Trentin-Meyer und OB Udo Glatthaar. (Bild: Stadt Bad Mergentheim)
Unterzeichneten den Leihvertrag zur Adelsheimschen Sammlung vor dem wertvollen „Hausaltärchen“ (v.l.) Kersten Hahn, Michael Hörrmann, Maike Trentin-Meyer und OB Udo Glatthaar. (Bild: Stadt Bad Mergentheim)

Für die fast 500 Exponate der „Adelsheimschen Altertumssammlung“ im Residenzschloss Mergentheim haben die Stadt Bad Mergentheim und die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (SSG) einen offiziellen Leihvertrag geschlossen. Oberbürgermeister Udo Glatthaar und SSG-Geschäftsführer Michael Hörrmann unterzeichneten den Vertrag, der Verbleib und Schutz der wertvollen Sammlung langfristig regelt.

Im Jahr 1864 verstarb Freiherr Carl Joseph von Adelsheim. Er vermachte der Stadt Mergentheim seine Altertumssammlung, die 1927 vom Alten Rathaus ins Schloss zog und dort den Grundstock des heutigen Deutschordensmuseums im Residenzschloss bildete. Sie ist seither als „Adelsheimsche Altertumssammlung“ bekannt. Diese umfasst fast 500 Objekte, darunter Glaspokale, Fayencen, Porzellane und Skulpturen. Höhepunkt der Sammlung ist ein mittelalterliches Hausaltärchen. Aber auch das Haushaltungsbuch des Dichters Eduard Mörike, das dieser von 1843 bis 1847 führte, gehört dazu. Oder Kuriositäten wie eine Pulverflasche, die im 19. Jahrhundert aus einer echten Hummerschere gearbeitet wurde.

Bislang wurden keine Verträge über die städtische Sammlung und deren Verbleib zwischen der Stadt und dem jeweiligen Träger des Museums geschlossen. Dies war auch der Tatsache geschuldet, dass die Stadt immer in die Trägerschaft eingebunden war. Zudem waren die Gegenstände sowohl unter der Federführung des Museums-Vereins ab 1930, als auch bei der späteren gemeinnützigen Deutschordensmuseum-GmbH ab 1990 stets gut aufbewahrt, konservatorisch betreut und ansprechend ausgestellt. 

Dennoch ist auf Seiten des Museums sowie im städtischen Kulturamt seit Jahren darauf hingearbeitet worden, den Verbleib der Sammlung endgültig vertraglich zu regeln. In diesem Zuge fanden auch eine Inventarisierung aller Objekte sowie eine fachliche Begutachtung durch zwei Sachverständige statt. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Adelsheimsche Sammlung – neben ihrem historischen Wert – auch einen beträchtlichen materiellen Wert von fast 615.000 Euro hat.

„Die Stadt Bad Mergentheim und die inzwischen mit der Museums-Betriebsführung beauftragten Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg wollen den ungeklärten Status der Adelsheimschen Sammlung mit dem Leihvertrag nun eindeutig festlegen – und wir sind zu einem für beide Seiten sehr guten Ergebnis gekommen“, bekräftigten OB Udo Glatthaar und SSG-Geschäftsführer Michael Hörrmann bei der Vertrags-Unterzeichnung. Die Stadt als Leihgeber wisse die Sammlung in fachkundigen Händen – und das Museum könne weiterhin auf einen spannenden Fundus hochinteressanter Exponate zugreifen, um Dauer- und Sonderausstellungen für Besucherinnen und Besucher des Residenzschlosses zu bereichern.

Die Vereinbarung hält auch fest, dass der Stadt für die konservatorische Aufbewahrung ihrer Sammlung keine Kosten entstehen, da diese offiziell in die Obhut des Museums gelegt wird. Im Gegenzug übernimmt die Stadt die Versicherungskosten.

Udo Glatthaar und Michael Hörrmann dankten im Anschluss an die Vertrags-Unterzeichnung Konservatorin Maike Trentin-Meyer und Kulturamtsleiter Kersten Hahn für die vorbereitenden Abstimmungsschritte, die auf beiden Seiten bereits 2011 begonnen hatten. Die bestmögliche Rekonstruktion des genauen Umfangs war schwierig und aufwändig. Nun sei es jedoch gelungen, die Sammlung sorgfältig zu inventarisieren, zu bewerten und damit deren Vollständigkeit auch langfristig zu schützen.

Welche Schätze sich hinter dem Begriff „Adelsheimsche Altertumssammlung“ verbergen, zeigt beispielhaft ein genauerer Blick auf das Hausaltärchen für die private Andacht aus dem späten 15. Jahrhundert. Es stammt womöglich aus einem oberschwäbischen Frauenkloster. Die zentrale Szene im Flügelaltar wirkt noch sehr spätgotisch und ist wohl dem späten 15. Jahrhundert zuzuordnen. Der mittelalterliche Schrein wurde offensichtlich "modernisiert", indem man wohl um 1520 die Flügel anbrachte und die Rückseiten derselben bemalte. Sie zeigen auf den sehenswerten Außenseiten eine Verkündigung des Erzengels an Maria. Italienische Landschaftskunst ist darauf genauso zu entdecken wie das Schachbrettmuster des Bodens - schon in der für die Frührenaissance typischen Zentralperspektive.

Dieses und viele weitere Exponate der Adelsheimschen Sammlung können im Deutschordensmuseum im Residenzschloss Mergentheim besichtigt werden.