Jugendmusikschule: Seit 40 Jahren jung!

Unter dem Motto „40 Jahre jung“ feiert die städtische Jugendmusikschule in diesem Jahr runden Geburtstag.

In der Jugendmusikschule werden Talente gefördert – so wie hier in der „Musizierkiste“ mit Lehrer Anton Lehle.
In der Jugendmusikschule werden Talente gefördert – so wie hier in der „Musizierkiste“ mit Lehrer Anton Lehle.

Strahlende Sieger bei Musikwettbewerben, gefeierte Talente bei öffentlichen Veranstaltungen und große Konzerte ganzer Orchester – dafür steht die Jugendmusikschule heute in der öffentlichen Wahrnehmung des Stadtlebens. Sie ist ein nicht mehr wegzudenkender Baustein des kulturellen Geschehens und des Kinder- und Jugendangebotes der Stadt Bad Mergentheim.

Der offizielle Startschuss geht zurück auf das Jahr 1978: Damals beauftragte der Gemeinderat einstimmig den Gymnasiallehrer Erhard Rommel mit dem Aufbau einer städtischen Jugendmusikschule. Erhard Rommel war auch der erste Leiter der Einrichtung. Schon ein Jahr später hatte diese einen beachtlichen Zuspruch. 1979 unterrichtete Rommel mit 24 weiteren nebenberuflich tätigen Lehrkräften bereits über 400 Schüler. Und das bei einem anfangs noch reduzierten Angebot an Instrumenten.

Im Jubiläumsjahr 2018 zeigen Schülerzahlen und Angebotsfülle sehr anschaulich die Entwicklung auf, die die „JMS“ seither genommen hat. Derzeit werden 1.160 Schüler unterrichtet – 14 Lehrkräfte sind hauptamtlich für die Jugendmusikschule im Einsatz, weitere 19 im Rahmen einer Nebentätigkeit.

Das Unterrichtsangebot umfasst die Bereiche Musikpädagogik, Gesangs- und Instrumentalunterricht, Kammermusik und Orchester. Eine weitere Aufgabe bekam die  Jugendmusikschule im Laufe der Jahre mit der Ausbildung des musikalischen Nachwuchses für die Orchester im Stadtgebiet. Auch deshalb wurde das Unterrichtsangebot auf „exotische“ Instrumente erweitert. Dazu gehören unter anderem Oboe, Fagott, Horn, Tuba, Kontrabass oder Harfe. Sie alle kann man in Bad Mergentheim spielen lernen.

Schon früh wurde erkannt: Neben den klassischen Instrumenten gehört zum Profil einer modernen Musikschule das Instrumentarium für Rock, Pop und Jazz. So sind Keyboard, E-Gitarre oder E-Bass Teil des Unterrichts-Angebotes. Hauptsitz der Einrichtung ist seit der Gründung das Grundschulgebäude Stadtmitte, wo auch der meiste Unterricht stattfindet. Außerdem wurden Kurse im Dominikanerkloster und nach und nach auch in immer mehr Stadtteilen angeboten.  

Regelmäßig werden begabte Musikschüler auf Musikwettbewerbe wie „Jugend musiziert“ oder auf Aufnahmeprüfungen an Musikhochschulen vorbereitet. Und: „Immer wieder starten ehemalige Schüler eine erfolgreiche Profikarriere als Musiker oder als Musikpädagoge“, freut sich Hubert Holzner. Er ist inzwischen der Leiter der Einrichtung, die organisatorisch zum Kultur- und Tourismusamt der Stadtverwaltung gehört. 

Hubert Holzner ist überzeugt: „Ohne eine Musikschule ließen sich auch die Arbeitsgemeinschaften an den Schulen und vor allem Musikzug, Musikprofil und Neigungskurs Musik am Deutschorden-Gymnasium nicht durchführen.“ Auch die Vorbereitung auf Halbjahres-Vorspiele als Konzerte für Bürger und Gäste sowie die fachpraktische Prüfung im Musik-Abitur gehören zum Alltag der Jugendmusikschule.

Die Schüler und Lehrkräfte sind fest im kulturellen Programm Bad Mergentheims verankert. Vom Familienkonzert des Lehrerbläserensembles „Dal segno“ über das Kurparkfest bis hin zur musikalischen Begleitung der Weihnachtszeit spannt sich der Bogen im Musikschuljahr. Allein 49 Schülervorspiele, Schülerkonzerte und musikalische Umrahmungen wurden direkt über die Musikschule oder die kooperierenden Schulen und Vereine vorbereitet und durchgeführt. Viele weitere Termine kommen dazu.

„Durch das Mitwirken der Schüler in überregionalen Ensembles und Orchestern wirkt die musikpädagogische Arbeit über die Stadtgrenzen hinaus“, beobachtet Hubert Holzner. Zugleich seien die Ensembles der Jugendmusikschule und ihrer Partner – etwa das Jugendsinfonieorchester, die Bigband oder die Blasorchester – ein Magnet für sehr gute Musiker aus dem Umland. Und nach 40 Jahren „JMS“ kann deren Leiter feststellen: „Schüler früherer Generationen, die sich gerne an ihre Musikschulzeit erinnern, ermöglichen inzwischen ihren eigenen Kindern Instrumental- oder Gesangsunterricht bei uns – so schließt sich der Kreis.“

Eine wichtige Aufgabe hat der Förderverein der Jugendmusikschule Bad Mergentheim übernommen. Über ihn werden der Kauf, die Wartung und vor allem die Vermietung von Leihinstrumenten zu einem sehr günstigen Preis organisiert, was vielen Schülern die Möglichkeit eröffnet, ein Musikinstrument zu erlernen.

Dabei steht auch die Jugendmusikschule vor Herausforderungen – etwa der zeitlichen Ausdehnung des Regel-Unterrichts an den allgemeinen Schulen oder dem veränderten Freizeitverhalten. Aber auch nach 40 Jahren beobachten die Lehrkräfte immer wieder, dass der gelungene Auftritt nach viel Übungsfleiß für manche Anstrengung die Nachwuchs-Virtuosen mehr als entschädigt.

Für Bad Mergentheims Oberbürgermeister Udo Glatthaar ist das Jubiläum ein Grund zu großer Freude: „Wir haben in unserer Stadt über die Jahre Tausende Kinder und Jugendliche musikalisch ausgebildet, Talente entdeckt und gefördert – und ganz nebenbei noch das gesellschaftliche Leben enorm bereichert. Darauf kann Bad Mergentheim stolz sein!“ Für den OB hat die Jugendmusikschule ihren festen Platz in der wachsenden Bildungs- und Familienstadt. Sie wird also auch nach dem 40. Jahr ihres Bestehens weiter jung sein dürfen.