Jahresbilanz der Stadtbücherei

Die Bad Mergentheimer Stadtbücherei hat ihre Jahresbilanz für 2020 vorgestellt. Die Corona-Pandemie hat den Betrieb verändert, das Interesse an Büchern und anderen Medien aber eher noch verstärkt.  

Bücherei-Leiterin Magdalene Hellmuth (li.) und ihre Stellvertreterin Denise Amann haben die Jahresbilanz für 2020 vorgelegt. Dieser Tage organisieren sie vor allem den Abholservice der städtischen Einrichtung.
Bücherei-Leiterin Magdalene Hellmuth (li.) und ihre Stellvertreterin Denise Amann haben die Jahresbilanz für 2020 vorgelegt. Dieser Tage organisieren sie vor allem den Abholservice der städtischen Einrichtung.

„Auch bei uns waren die Hamster“, sagt Bücherei-Leiterin Magdalene Hellmuth deshalb augenzwinkernd. „Das machte aber nichts, denn hier galt fortan das Motto: Hamstern erwünscht!“

Die städtische Einrichtung musste zweimal in den „Lockdown“ gehen, aktuell darf sie ihre Medien nur nach Vorbestellung ausgeben. Entsprechend groß war vor den Schließungen und auch schon während öffentlicher Diskussionen darum das Interesse an den Bücherei-Medien. „Wir haben gemerkt, dass die Leute sich sicherheitshalber mit Lesestoff, Hörbüchern und Co. eindecken wollten“, so Magdalene Hellmuth rückblickend. Die Zahlen belegen das: Es gab 2020 knapp sechs Prozent mehr Entleihungen als noch im Vorjahr. Insgesamt waren es fast 290.000 – und das bei deutlich weniger Öffnungstagen.

Weit weg erscheint inzwischen der vielversprechende Jahresauftakt: Da hatte die Stadtbücherei zur bereits 22. Kinder- und Jugendbuchwoche eingeladen und konnte zu 19 Veranstaltungen mehr als 1.000 Besucher begrüßen. Daneben war die Vorlese-Reihe „Leseraupe“ gestartet. Es sollten erst einmal die letzten Veranstaltungen vor großem Publikum sein. Stattdessen galt es im Frühjahr, den ersten Lockdown zu managen: mit Pauschal-Verlängerung aller Entleihungen, neuen Digital-Angeboten wie dem begrenzt kostenlosen Onleihe-Zugriff oder der Erreichbarkeit per Mail und Telefon.

Bis heute sind diese Wege für Service und Beratung gefragt. „Unser Team hatte im vergangenen Jahr mehr als 3.500 telefonische und elektronische Kundenkontakte. Das Versprechen ‚Wir sind für Sie da‘ konnten wir einlösen und das macht uns auch ein wenig stolz“, sagt Magdalene Hellmuth mit einem Dank an alle Mitarbeitenden. Dazu gehören übrigens auch ehrenamtliche Helfer, die zeitaufwändige Pflichten wie das Überprüfen und Durchzählen zurückgebrachter Brettspiele übernehmen.  

Zur ersten Wiederöffnung Ende April hat die Einrichtung neue Abläufe und Hygiene-Vorkehrungen eingeführt. Seither durchlaufen beispielsweise alle zurückkommenden Medien eine zusätzliche Reinigung. Mit der Öffnung konnten auch wieder eine Reihe jener „Kreativ-Aktionen“ starten, die von der Leserschaft sehr geschätzt werden. Da gab es mal ein „Blind Date“ mit einem geheimnisvoll verpackten Buch, mal Überraschungspakete für die ganze Familie, einen „Ferien-Lesepass“ oder die Vorleseaktion „Geschichten im Hof“.

In die städtischen Sommer- und Herbstferienprogramme brachte sich die Bücherei genauso ein wie in das „Forscher-Camp“ der Jugendtechnikschule Taubertal. Auch der Kontakt zu Schulen und Kitas ist weiterhin eng, so gab es unter anderem eine Kooperation mit der Literatur-AG der Kopernikus-Realschule. Das Wirtschaftsgymnasium stattete erneut alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 mit einem Büchereiausweis aus.

Ob digital, zum Abholen oder nach Ende des Lockdowns wieder zum Stöbern: Der Bestand der Bücherei ist wie jedes Jahr gepflegt und erneuert worden. „Wir haben 6.100 Medien neu in den Präsenzbestand eingearbeitet und dabei elf Prozent aller vorhandenen Medien aktualisiert oder erneuert“, rechnet Magdalene Hellmuth vor. Vor Ort stellt die Bücherei aktuell 56.164 Medien zur Verfügung, digital sind es 78.388.

Das große Pandemie-Thema „Homeschooling“ hat die Stadtbücherei mit der Ausweitung ihres Digital-Angebotes flankiert. Jüngere Leseausweis-Inhaber konnten zeitweise auf die Plattform „onilo“ und damit auf animierte Kinderbücher zur Leseförderung zugreifen. Für die Älteren gab es im Frühjahr einen Zugang zu den Online-Inhalten der Brockhaus-Enzyklopädie sowie im Sommer zum Schülertraining von Brockhaus.

Bleibt die Frage, welche Bücher die Bad Mergentheimer im zurückliegenden Jahr besonders gerne gelesen haben. Die „Hitliste“ zeigt bei den Romanen „Heute ist Montag“ von Sytske van Koeveringe auf Platz 1, bei den Sachbüchern wurde das Achtsamkeitskeits-Training „Jeder Tag ist ein geschenktes Leben“ von Michael Tischinger am häufigsten ausgeliehen.

Wer ein paar detailliertere Einblicke in das Jahr der Stadtbücherei bekommen möchte, findet eine ausführliche Präsentation mit vielen Bildern auf www.bad-mergentheim.de. Hier werden auch die laufenden Aktivitäten und Angebote zur Leseförderung von Kindern detailliert erläutert.