Innovativ, vernetzt und nachhaltig: Die Stadt als Experimentierfeld betrachten

Am Mittwochabend hat die Stadt Bad Mergentheim zum vierten Mal zum „Kamingespräch“ eingeladen. Mit Alanus von Radecki vom Frauenhofer Institut konnte dazu ein gefragter Forscher gewonnen werden.

Alanus von Radecki zu Gast im Deutschordensschloss Bad Mergentheim.
Alanus von Radecki zu Gast im Deutschordensschloss Bad Mergentheim.

Oberbürgermeister Udo Glatthaar begrüßte zunächst die Besucher aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik. Dies sei ein starkes Signal für Vernetzung und Zusammenhalt. „Auch Bad Mergentheim hat sich urbanisiert und stellt sich heute mehr denn je den Fragen der Zukunft“, sagte Udo Glatthaar. Der Oberbürgermeister nutze die Gelegenheit und machte das Publikum auf die anstehende Landesgartenschau-Bewerbung aufmerksam. Er warb für das Projekt: „Im Rahmen dieses starken Förder- und Entwicklungsprogramms möchte die Stadt wichtige Themen wie Mobilität und Klimaschutz angehen.“

Alanus von Radecki stellte in einem mitreißenden und kurzweiligen Vortrag bereits bestehende Lösungsansätze europäischer Zukunftsstädte vor und betonte, dass viele Lösungsansätze heute schon verfügbar seien. „Die Innovationszyklen verkürzen sich, so dass es zunehmend schwieriger wird, sagen zu können was in den nächsten zwei bis drei Jahren passieren wird“, so der Leiter der Morgenstadt-Initiative und Head of Urban Governance Innovation.

Wichtig sei es, die Stadt als ein Labor zu betrachten, in dem Freiraum für Innovationen möglich ist und in dem die Akteure auf Trends reagieren können. Moderne Städte müssten lernen, sich selbst auch ein Stück weit als „Experimentierfeld“ zu begreifen. Anders seien die Innovationen, die in immer schnellerer Abfolge kämen, nicht mit den langen Zeiträumen von klassischer Stadtplanung vereinbar.  

Alanus von Radecki erläuterte mit Blick auf den Klimawandel: „In den Städten werden nach wie vor große Ressourcen verschwendet.“ Am Beispiel der Mobilität machte der Redner das eindrucksvoll deutlich. In Manhattan ließen sich etwa 95 Prozent aller Taxifahrten teilen, habe man analysiert. „Vor allem neue Technologien helfen uns dabei, unsere Ziele zu erreichen. Die zunehmenden Datenmengen müssen aggregiert, nutzbar und für die Gesamtheit verwendet werden“, so der Redner.

Für smarte und nachhaltig ausgerichtete Zukunftsstädte würden neue Planungs- und Steuerungsmodelle sowie Finanzierungs- und Geschäftsmodelle benötigt, prognostizierte Alanus von Radecki.  Für seinen Vortrag erhielt der Gast viel Beifall. Im Anschluss hatten die Gäste gleich Gelegenheit, Stadt-Innovationen für Bad Mergentheim auf der großen Bodenfolie für die neue Landesgartenschau-Bewerbung zu diskutieren.