Gänsmarkt: Gedenktafel erinnert an Felix Fechenbach

Auf dem Bad Mergentheimer Gänsmarkt erinnert eine neue Gedenktafel an Felix Fechenbach. Sie wurde dort angebracht, wo einst sein Geburtshaus stand. Der jüdische Journalist Fechenbach setzte sich für die Gründung der Weimarer Republik ein, verteidigte deren demokratische Verfasstheit und schrieb gegen die Nazis an. Im März 1933 wurde Fechenbach festgenommen und wenige Monate später von Nationalsozialisten erschossen.

Hartwig Behr (li.) und Oberbürgermeister Udo Glatthaar enthüllen die Gedenktafel am Gänsmarkt. Hier stand einst das Geburtshaus von Felix Fechenbach.
Hartwig Behr (li.) und Oberbürgermeister Udo Glatthaar enthüllen die Gedenktafel am Gänsmarkt. Hier stand einst das Geburtshaus von Felix Fechenbach.

Oberbürgermeister Udo Glatthaar und Historiker Hartwig Behr würdigten Felix Fechenbach bei der Enthüllung der Tafel als "Märtyrer für die Republik" und ein "echtes Vorbild für Demokraten".

 

Leben und Wirken von Felix Fechenbach im Überblick:

28. Januar 1894 am Gänsmarkt in Mergentheim geboren – als Sohn eines jüdischen Bäckers.

Ab 1894 in Würzburg aufgewachsen, die Mitarbeit im Familienbetrieb verhinderte bessere schulische Leistungen.

Kaufmännische Lehre in einem Würzburger Schuhgeschäft bis 1910, danach in Frankfurt, wo er nach einem Tarifkonflikt engere Verbindung zu Gewerkschaft und Sozialdemokratie findet.

Ab 1912 Parteiarbeit in München , wo er 1914 die Jugend-Sektion der SPD gründet.

1914 bis 1915 Kriegsdienst an der Front;  er wird verletzt  und dient dann in München.

Durch die Begegnung mit dem Journalisten Kurt Eisner wird er zum Pazifisten.

Er verhilft der bayrischen Republik (Freistaat) am 8. November 1918 zum Durchbruch und wird Sekretär in der Staatskanzlei von Ministerpräsident Eisner, der im Februar 1919 ermordet wird.

Aufgrund von 1918/1919 geschriebener Artikel wird Felix Fechenbach 1922 wegen Landesverrats angeklagt und zu 11 Jahren Zuchthaus verurteilt. Dieser Justizskandal endet zunächst mit seiner Begnadigung 1924 an dem Tag, als Hitler schon nach sechs Monaten aus der Festungshaft entlassen wird.Eine Wiederaufnahme des Verfahrens endet mit der Aufhebung des Urteils vor dem Reichsgericht.

Von 1925 bis 1929 arbeitet er im Dietz-Verlag und für den „Vorwärts“, unterstützt die „Kinderfreunde“, auch mit Kasperle – Theaterstücken.

1929 wird er Redakteur des „Volksblatts“ in Detmold und kämpft gegen das Erstarken der NSDAP, insbesondere mit Glossen, in der ein „Nazi-Jüsken“ Interna der Partei ausplaudert.

Am 15. Januar 1933 fand eine Landtagswahl in Lippe-Detmold statt, die reichsweite Bedeutung hatte; die schwächelnde NSDAP warf alles in den Wahlkampf, was Rang und Namen hatte. Fechenbach war das personifizierte Feindbild der Nazis. Nach dem Sieg der NS erhielten diese wieder kräftige Unterstützung von konservativer Seite: Hitler wurde zum Reichskanzler ernannt.

Nach dem 30.1. 33 erhielt Fechenbach Redeverbot, am 11. März wurde er festgenommen. Am 7. August sollte er von Detmold ins KZ Dachau gebracht werden. Er wurde aber bei Austreten in einem Waldstück „auf der Flucht erschossen“, in Wirklichkeit aber hinterrücks von lippischen Nazis beschossen. Daran starb er in der Nacht vom 7. auf den 8. August 1933 im nächstgelegenen Krankenhaus Scherfede.

Felix Fechenbach wurde auf dem nahen jüdischen Friedhof in Rimbeck beerdigt.