FAQ: Alles über Bäume & Stadtgrün in Bad Mergentheim

Veröffentlicht am Montag, 1. Februar 2021
Unsere Vision: noch mehr Stadtgrün! Beispielsweise mit der zum "Grünen Boulevard" weiterentwickelten Deutschordenstraße (ehemalige B19).
Unsere Vision: noch mehr Stadtgrün! Beispielsweise mit der zum "Grünen Boulevard" weiterentwickelten Deutschordenstraße (ehemalige B19).

Baum-Erhaltung und Biodiversität haben in Bad Mergentheim einen sehr hohen Stellenwert. Hier finden Sie häufig gestellte Fragen und die Antworten dazu.

Warum werden trotz Klimawandel und Artensterben manchmal Bäume im Stadtgebiet gefällt?

Zunächst muss unterscheiden werden zwischen privaten Grundstücken und dem öffentlichen Raum. Die Rechtslage was private Grundstücke angeht, ist eindeutig: Das Bundes-Naturschutzgesetz verbietet ganz grundsätzlich Fällungen zwischen 30. September und 1. März. Auf ihrem privaten Grundstück können Besitzerinnen und Besitzer dies jedoch außerhalb des genannten Zeitraums genehmigungsfrei tun. Das heißt: Die Stadt könnte hier gar nicht eingreifen, selbst wenn sie wollte! Die einzige seltene Ausnahme sind Bäume, die als so genanntes „Naturdenkmal“ besonders geschützt sind. Hier wäre zu jeder Zeit eine Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt notwendig. Davon unabhängig raten wir natürlich grundsätzlich davon ab, gesunde Bäume aus dem Innenstadtbereich zu entfernen. 

Im Bereich des öffentlichen Raumes, für den wir als Stadt verantwortlich sind, ersetzen wir schon seit vielen Jahren jeden Baum, der gefällt werden musste. Ausgenommen sind hier nur Bäume, die aus einem zu dichten Bestand herausgenommen wurden. Der Bauausschuss des Gemeinderates bekommt vom Bauamt sogar für jedes Winterhalbjahr eine entsprechende Aufstellung vorgelegt.

Warum fällt die Stadt Bäume im öffentlichen Raum?

Wir entfernen nur Bäume, deren Standsicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Also solche Bäume, die teilweise beschädigt und abgestorben sind. Wie oben dargestellt werden sie alle ersetzt.

Wissen sollte man dabei auch, dass der genaue Zustand eines Baumes für Außenstehende oft gar nicht so leicht zu beurteilen ist und nur von Expertinnen und Experten eingeschätzt werden kann.

Was tut die Stadt für mehr Bäume in Bad Mergentheim?

Das Ersetzen von gefällten Bäumen ist noch nicht alles, was wir tun. Im Frühjahr 2021 haben wir beispielsweise im Rahmen eines Ausgleich-Projektes beim Braunstall 30 neue Obstbäume sowie 200 Wildsträucher gepflanzt.

Unsere neuen Baugebiete werden konsequent durchgrünt. Im Wohngebiet „Hohe Äcker IV“ in Löffelstelzen sind 20 Obstbäume und 20 Wildsträucher gepflanzt worden. Auch für das entstehende Baugebiet „Auenland III“ wurden bereits elf Baumstände definiert. Bei der Auswahl der Sorten orientiert sich die Stadt Bad Mergentheim am Forschungsprojekt „Stadtgrün 2021“. So sind im Auenland besonders klimastabile Bäume vorgesehen, wie die „Blumenesche“ oder der „Eisenholzbaum“. Wir tun damit das Bestmögliche, damit die innerstädtischen Bäume lange und gesund wachsen können, ihren Beitrag zu einem besseren Stadtklima leisten – und eben keine Fällung notwendig wird. 

Was tut die Stadt für mehr Biodiversität und den Lebensraum von Insekten?

Flankiert wird das Thema Biodiversität und Stadtgrün mit vielen weiteren Maßnahmen: So werden Freiflächen, Straßenränder und Kreisverkehre in Bad Mergentheim mit artenreichen Staudenmischpflanzungen für Insekten versehen. Dabei wird auf gebietsheimisches Saatgut zurückgegriffen. Das Zusammenspiel von frühblühenden Blumenzwiebeln und winterblühenden Gehölzen ergibt eine fast ganzjährige Blüte. Gedüngt wird nur mit organischem Dünger. Für Rasenflächen, die nicht unmittelbar an Wege oder Straßen grenzen, gelten längere Mäh-Intervalle. Mit dem Mulchen wartet das Bauhof-Team bis nach der Blüte und der Aussaat. In Kernstadt und Teilorten gilt zudem das Motto „naturnahe Pflege“. Das bedeutet nicht nur, dass umstrittene Chemikalien wie Glyphosat tabu sind, sondern heißt auch: mehr Pflege von Hand und mit mechanischen Verfahren. Wobei bei den letzteren sogar zunehmend eine Umstellung auf emissionsfreie Elektro-Geräte erfolgt. Auch der Eigenbetrieb Friedhofs- und Bestattungswesen hat sich mehr Biodiversität und Artenvielfalt als Ziel gesetzt. Hier wurden die Eingriffe in die Vegetation bereits merklich zurückgefahren.

Das sind zum Teil auch ganz konkrete Ergebnisse des vor zwei Jahren ins Leben gerufenen Runden Tisches Biodiversität.

Müsste die Stadt-Durchgrünung nicht noch weiter ausgebaut werden?

Ja. Mittel- bis langfristig wollen wir noch viel mehr Bäume in der Stadt! Dies zeigt ein Blick in unsere Landesgartenschau-Konzeption. Hier gibt es Projekte wie den „Grünen Boulevard“ in der Deutschordenstraße oder das komplett durchgrünte Quartier „Herrenwiesen“ hinweisen. Die Zahlen machen unsere Haltung sehr deutlich: So sieht die Konzeption in Summe die Pflanzung von 440 neuen Bäumen nur im Innenbereich der Kernstadt vor. Die geplante Flächen-Entsiegelung beträgt fast 40.000 Quadratmeter. Der zusätzliche jährliche CO2-Abbau kann mit weit über 600 Tonnen beziffert werden.

Auch dem Stadtwald geht es nicht gut, was tut die Stadt dagegen?

Die Trockenheit, mitunter regelrechte Dürre, und der Borkenkäfer haben den Beständen schwer zugesetzt. Vor allem die Fichtenwälder sind davon betroffen. Zuletzt gab es in Folge dessen große „kahle Stellen“ im Gebiet des Stadtwaldes um Bad Mergentheim.

Der Gemeinderat der Kurstadt hatte aus diesem Grund bereits vor über einem Jahr eine „Projektgruppe Waldumbau“ gebildet - mit Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinderatsfraktionen, der Stadtverwaltung und des Forstamtes. Die Runde hat sich inzwischen nicht nur zur ersten Arbeitssitzung getroffen, sondern auch einen großen Waldbegang unternommen.

„Waldumbau“ bedeutet, dass die Wälder an die für sie schwierigen Bedingungen des Klimawandels ein Stück weit angepasst werden – soweit dies möglich ist. Gleichzeitig soll die Baumartenvielfalt erhöht werden, was sich auch positiv auf den „Lebensraum Wald“ insgesamt auswirkt. Der Forst-Ertrag wird dabei nachrangiger gewichtet als früher.

Allein im Frühjahr 2021 sind 20.000 neue Bäume gepflanzt worden. Die große Baumartenvielfalt umfasst Tulpenbaum, Baumhasel, Roteiche, Stieleiche, Traubeneiche, Bergahorn, Zeder, Douglasie, Hybridlärche, Spitzahorn, Fichte (in Mischung zu Douglasie), Walnuss, Hybridnuss, Schwarzkiefer, Elsbeere und Speierling. Viele dieser Baumarten kommen mit den steigenden Temperaturen besser klar und haben deshalb gute Chancen, sich stabil zu entwickeln.