Erklärung von Oberbürgermeister Udo Glatthaar zur Vergabeentscheidung Landesgartenschau

Zur Entscheidung des Landes Baden-Württemberg, die Stadt Bad Mergentheim bei der Vergabe der Landesgartenschauen im Zeitraum 2026 bis 2030 nicht zu berücksichtigen, erklärt Oberbürgermeister Udo Glatthaar:

Oberbürgermeister Udo Glatthaar
Oberbürgermeister Udo Glatthaar

„Um 11.26 Uhr hat mich Minister Peter Hauk angerufen und persönlich über die Entscheidung informiert. Dafür danke ich ihm, denn das ist grade beim Verkünden einer unangenehmen Nachricht ein Zeichen für guten Stil, fairen Umgang und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Keine Frage: Unsere Enttäuschung ist groß! Dass wir selbst im zweiten Anlauf und als Vertreter eines Kreises, der noch nie eine Landesgartenschau hatte, wieder nicht zum Zuge kommen, ist sehr bedauerlich. Hier hätten wir uns für die Region und den ländlichen Raum ein anderes Signal der Landesregierung gewünscht.

Soweit man die Gründe für die Entscheidung in Erfahrung bringen kann, wollen wir das in den nächsten Tagen und Wochen tun.

Für eine Bewertung ist natürlich zuerst wichtig, eine überzeugende Bewerbung vorzulegen, erst danach kommen politische andere Gründe, wenn es um den Zuschlag geht.

Heute können wir nur sagen, woran es nicht gelegen haben kann: Zu unserem starken Konzept mit vielen Ideen für nachhaltige Innovationen stehen wir nach wie vor. Der Minister hat bestätigt, dass wir im Kreis der Mitbewerber ein gleichwertiges, ebenbürtiges Konzept vorgelegt haben.

Auch die große Geschlossenheit in Gemeinderat und Jugendgemeinderat, der Schulterschluss mit den Teilorten, das beachtliche Engagement der Bürgerschaft sowie der übergroße Rückhalt im Landkreis und in der gesamten Region Heilbronn-Franken waren eindeutige Signale. Das macht uns stolz und erfüllt uns mit großer Dankbarkeit.

Und: Diesen Schwung gilt es zu nutzen!

Wir wollen weiter nach vorne schauen. Das heißt für uns: die Stadtentwicklung weiter vorantreiben – auch und gerade mit den Ideen und Konzepten aus der Landesgartenschau-Bewerbung. Insofern war unser gemeinsamer Einsatz bereits jetzt ein Gewinn für die Stadt und ihre Bürger.

Es liegen gute Vorschläge auf dem Tisch, um die dynamisch wachsende Stadt Bad Mergentheim noch lebenswerter zu gestalten und auf drängende Probleme eine Antwort zu geben.

Dies wird ein spannender Prozess, den wir gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern gestalten wollen. Keine der in der Bewerbung aufgezeigten Visionen ist mit dem heutigen Tage gestorben.

Nur die Umsetzung wird eben länger und schwieriger. Denn im Unterschied zu den Siegern müssen wir jetzt für jedes einzelne Projekt im Wettbewerb mit allen anderen Gemeinden des Landes um Zuschläge in den Förderprogrammen kämpfen, dies ist der eigentliche Unterschied zwischen den LGS-Städten und allen anderen.

Das Ergebnis ist zwar enttäuschend, trotzdem können wir viel Schwung und noch mehr gute Ideen aus den vergangenen spannenden Monaten mitnehmen.

Deshalb sage ich aus ganzem Herzen ein großes Dankeschön an alle, die sich für eine Landesgartenschau in Bad Mergentheim eingesetzt haben: vor allem der Bürgerschaft und den politischen Gremien sowie den Mitarbeitern in der Stadtverwaltung, die sich für eine Landesgartenschau stark gemacht, Flagge gezeigt und hart dafür gearbeitet haben.

Wir werden deshalb in nächster Zeit auch noch einmal eine kleine Dankeschön-Begegnung mit unserer Bürgerschaft organisieren. Denn an Zusammenhalt und Gestaltungsfreude haben wir alle in jedem Fall gewonnen.

Gratulieren möchte ich den auserwählten Gemeinden: Ellwangen, Rottweil und Ulm! Ein herzlicher Glückwunsch, machen Sie das Beste daraus, wir anderen sind zugegebenermaßen schon neidisch auf die große Chance, die Sie jetzt nutzen dürfen, und kehren ins Glied der 1.100 „normalen“ Gemeinden zurück.

Vermutlich hat die Situation und haben die Vorgänge um die LEA in Ellwangen den Ausschlag dafür gegeben, dass die Zusage für 2026 dorthin ging, Rottweil hatte sich für 28, Ulm für 30 beworben. Das Land hat immer erklärt, dass neben der Grundlage eines guten Konzepts dann im Ministerrat eben auch politische Gründe eine Rolle spielen. Das ist nun bitter für uns, bei einem Zuschlag hätten wir dies als politisches Zeichen für den ländlichen Raum hier im Norden des Landes positiv bewertet.

Der Minister hat mir bestätigt, dass unser Konzept zu den gleichwertig guten gehört und uns ermuntert, uns in 2019 für die Tranche 2031 bis 2035 zu bewerben. Dort wird es allerdings nur zwei Landesgartenschauen und drei Gartenschauen geben, das heißt die Wettbewerbssituation sicher nicht besser werden.

Mit dieser Frage beschäftigen wir uns aber erst, wenn die neue Ausschreibung im nächsten Jahr kommt, bis dahin werden wir an unseren Konzepten weiterarbeiten und hoffentlich schon erste Schritte in der Stadtentwicklung weiter voranbringen können.

Bei allem Respekt vor der Entscheidung und bei allem Verständnis für Ellwangen darf man schon fragen, ob man von Seiten des Landes die Situation der Landes-Erstaufnahmestelle nicht mit gezielten Maßnahmen direkt würde verbessern können.

Für uns in Bad Mergentheim bleibt aber vor allem die grundsätzliche Frage, warum bei gleichwertigen Konzepten zwischen vielen Bewerbern dann nicht das Argument zählt, dass endlich der einzige Landkreis in ganz Baden-Württemberg, der noch nie eine große oder kleine Gartenschau erhalten hatte und deshalb ein weißer Fleck auf der Landkarte ist, auch einmal an der Reihe wäre, zumal es eine großartige von der ganzen Region unterstützte Gemeinschaftsleistung war.

Auch wir hier in einer strukturschwächeren Region wollen an Zukunftsperspektiven für unsere Bevölkerung wie in allen anderen Landesteilen glauben. Mit einem Zuschlag für Bad Mergentheim hätte hier vom Land ein starkes Signal gesetzt werden können.

Nun liegt es an uns, weiter nach vorn zu blicken und in den kommenden Monaten an den vielen Ideen weiterzuarbeiten.

Bad Mergentheim ist hochmotiviert, wir wollen mit ‚Blühenden Quellen‘, dem Motto unserer Kampagne, begeistern und insofern auch ohne LGS hoffentlich weiterhin für die eine oder andere gute Schlagzeile im Land sorgen.“