ELR: Stadt berät zu wichtigstem Strukturprogramm des Landes

Veröffentlicht am Mittwoch, 19. Juni 2024
Gleich acht ELR-Projekte konnten in Rengershausen in den letzten drei Projektjahren gefördert werden. (Foto: Karin Tremmel)
Gleich acht ELR-Projekte konnten in Rengershausen in den letzten drei Projektjahren gefördert werden. (Foto: Karin Tremmel)

Das Entwicklungsprogramm ländlicher Raum, kurz ELR, gilt als das wichtigste Strukturprogramm des Landes Baden-Württemberg. Nun wurde das Jahresprogramm 2025 vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) ausgeschrieben und die Wirtschaftsförderung der Stadt Bad Mergentheim zeigt auf, wie Projekte vor Ort profitieren können.

Im aktuellen Projektjahr 2024 konnten in den Stadtteilen Edelfingen, Rengershausen und Stuppach insgesamt fünf Projekte von dem Programm profitieren. Sie können insgesamt eine Fördersumme von 360.000  Euro abrufen. Dies ist deutlich weniger als im vorangegangenen Jahr. „Durch die Steigerung der Baupreise, höhere Kreditraten und allgemeine Inflation ist die Nachfrage in den letzten beiden Jahren deutlich gesunken. In vorangegangenen Jahren konnten mehr als doppelt so viele Projekte eingereicht und gefördert werden,“ sagt Lorena Klingert von der Wirtschaftsförderung. „Wir freuen uns aber, wenn wir auch in diesem Jahr wieder mit zahlreichen Projektanträgen rechnen können“, fügt sie hinzu.

Das ELR

Mit dem ELR hat das Land Baden-Württemberg ein umfassendes Förderangebot für die strukturelle Entwicklung ländlich geprägter Dörfer und Gemeinden geschaffen. Gefördert werden Projekte, die lebendige Ortskerne erhalten, zeitgemäßes Wohnen und Arbeiten ermöglichen, eine wohnortnahe Versorgung mit Waren und Dienstleistungen sichern sowie zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen. Ziel des Jahresprogramms 2025 ist, Impulse zur innerörtlichen Entwicklung und Aktivierung der Ortskerne zu setzen und dabei auch den Klimaschutz zu berücksichtigen. Daher wird die Nutzung vorhandener Bausubstanz besonders gefördert. Zudem sind Neubauprojekte in den Förderschwerpunkten Innenentwicklung/Wohnen, Arbeiten und Gemeinschaftseinrichtungen nur noch förderfähig, sofern die Tragwerkskonstruktion überwiegend aus einem CO2-speichernden Material (z.B. Holz) besteht.

Projektträger und Zuwendungsberechtigte können neben den Kommunen beispielsweise auch Vereine, Unternehmen und Privatpersonen sein.

Wo liegen die Förderschwerpunkte?

Im Förderschwerpunkt Grundversorgung steht die Sicherung der örtlichen Grundversorgung mit Waren und Dienstleistungen des täglichen bis wöchentlichen Bedarfs im Vordergrund. Gefördert werden unter anderem Dorfgasthäuser, Dorfläden, Metzgereien, Bäckereien und Handwerksbetriebe. Zur Grundversorgung können auch Arztpraxen, Apotheken und andere Dienstleistungen im Gesundheitsbereich gehören. Investitionen von Kleinstunternehmen der Grundversorgung und für Einrichtungen für lokale Basisdienstleistungen können mit einem Fördersatz von bis zu 30 % (ggf. 35 % bei zusätzlichem CO2-Speicherzuschlag) gefördert werden.

Im Förderschwerpunkt Wohnen/Innenentwicklung werden die Erhaltung und Stärkung der Ortskerne insbesondere durch Umnutzung vorhandener Bausubstanz, Maßnahmen zur Erreichung zeitgemäßer Wohnverhältnisse (umfassende Modernisierungen), innerörtliche Nachverdichtung (ortsbildprägende Neubauten unter Verwendung CO2-speichernder Baustoffe), Verbesserung des Wohnumfeldes, Entflechtung unverträglicher Gemengelagen sowie die Neuordnung mit Baureifmachung von Grundstücken gefördert. Bei eigengenutzten wohnraumbezogenen Projekten liegt der Regelfördersatz bei 30 %. Der Höchstbetrag pro Wohneinheit beträgt bei Modernisierungen, Umbauten und Aufstockungen 50.000 €, bei Umnutzungen bis zu 60.000 €. Neubauten in Baulücken werden mit bis zu 30.000 € gefördert. Für den Förderschwerpunkt Wohnen/Innenentwicklung wird etwa die Hälfte der im Jahresprogramm 2025 zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt. Auch in den an den Ortskern angrenzenden Baugebieten (bis zur Erschließung in den 70er-Jahren) ist die Förderung möglich.

Im Förderschwerpunkt Arbeiten werden vorrangig Projekte unterstützt, die zur Umnutzung oder Weiterentwicklung vorhandener Bausubstanz beitragen. Auch die Entflechtung störender Gemengelagen im Ortskern ist ein wichtiges Förderziel. Gefragt sind Projekte von kleinen und mittleren Unternehmen, die zum Erhalt der dezentralen Wirtschaftsstruktur sowie zur Sicherung und Schaffung von zukunftsfähigen Arbeitsplätzen beitragen. Unternehmensinvestitionen können mit einem Fördersatz von bis zu 15 % gefördert werden.

CO2-Speicherzuschlag

Wer bei Projekten überwiegend ressourcenschonende, CO2 bindende Baustoffe im Tragwerk wie z.B. Holz einsetzt, kann in definierten Fällen einen Förderzuschlag von 5 %-Punkten auf den Regelfördersatz und eine erhöhte Maximalförderung bekommen, sofern dies nach beihilferechtlichen Bestimmungen möglich ist.

Antragsverfahren

Anträge auf Aufnahme in das Förderprogramm können ausschließlich über die Stadtverwaltung Bad Mergentheim gestellt werden. Das MLR entscheidet im Frühjahr 2025 über die Aufnahme in das ELR.

Daher ist es notwendig, dass die Unterlagen zu den privaten Projekten bis spätestens Donnerstag, 12. September, bei der Stadt vorliegen. Wer ein Projekt plant, kann sich an Lorena Klingert von der städtischen Wirtschaftsförderung wenden unter Telefon 07931/ 57-8006, E-Mail: lorena.klingert@bad-mergentheim.de.

Es können nur Projekte zur Förderung vorgeschlagen werden, die vor der Programmentscheidung im Frühjahr 2025 noch nicht begonnen worden sind und die im Jahr der Förderentscheidung begonnen werden.

Weitere allgemeine Informationen über die Fördervorrausetzungen, Förderhöhe und Verfahren sind unter der Homepage des MLR Baden-Württemberg und auch auf www.bad-mergentheim.de zu finden.