Die Stadtverwaltung hat ihren CO2-Fußabdruck ermittelt

Die Bad Mergentheimer Stadtverwaltung möchte ihren aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten und hat im ersten Schritt einen umfangreichen „CO2-Fußabdruck“ erarbeitet.

Oberbürgermeister Udo Glatthaar (li.) und Projekt-Koordinator Giorgio Ebert stellen den CO2-Fußabdruck für die Verwaltung vor.
Oberbürgermeister Udo Glatthaar (li.) und Projekt-Koordinator Giorgio Ebert stellen den CO2-Fußabdruck für die Verwaltung vor.

Dafür sind mit dem Neuen Rathaus, dem Alten Rathaus und dem Bauhof drei große Standorte der Verwaltung unter die Lupe genommen worden, an denen allein über 200 Menschen arbeiten. Analysiert wurde das Betriebsjahr 2019, damit es nicht zu Verzerrungen durch die Corona-Pandemie kommt.   

„In die Berechnungen hat wirklich fast jeder Aspekt des CO2-Ausstoßes Eingang gefunden – von der Dienstfahrt vom Neuen Rathaus aus über den Geräte-Einsatz beim Bauhof bis hin zu jedem Prospekt, der für die Tourist-Information gedruckt wurde“, erläutert Giorgio Ebert von der Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing, der das Projekt federführend koordiniert hat. „Nur wenn der Ist-Zustand und die aktuellen Verbrauchskennzahlen genau bekannt sind, können effektive Schritte zur CO2-Reduktion eingeleitet werden!“

Ermittelt hat Giorgio Ebert die Zahlen und Ergebnisse gemeinsam mit der Nachhaltigkeitsberatung Fokus Zukunft, die der Stadt eine spezifische CO2-Berechnungssoftware zur Verfügung gestellt hat. Daraus entstanden ist eine umfangreiche Studie, die Oberbürgermeister Udo Glatthaar und den Amtsleitern präsentiert werden konnte.  

Sie zeigt im Detail auf, dass die Verwaltung auf einen Jahreswert von 578,3 Tonnen CO2-Äkquivalente (CO2e) kommt. Das sind 2,74 Tonnen pro Mitarbeiter. Direkte Vergleiche mit anderen Behörden oder Betrieben sind noch schwierig, nach Rücksprache mit Fachleuten wird das Bad Mergentheimer Ergebnis aber eher im niedrigeren Bereich eingeordnet. So kommt der Bilanz etwa zugute, dass das große Neue Rathaus an die Naturwärme des Stadtwerks Tauberfranken angeschlossen ist und damit sehr ökologisch geheizt wird. „Dennoch gibt es noch viele Bereiche, in denen wir deutlich besser werden können“, sagt Giorgio Ebert.  

An allen Standorten hat eine Detail-Betrachtung in zahlreichen Kategorien stattgefunden. Dazu zählen neben dem Wärme-, Strom- und Kraftstoffverbrauch auch vorgelagerte energiebezogene Emissionen (also solche, die in der Vorkette bei der Energiebereitstellung  entstehen). Weiter mit eingeflossen sind nicht nur die Geschäftsreisen, sondern auch die täglichen Arbeitswege der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Wasserverbrauch, Abfallaufkommen, Papierverbrauch sowie Hardware, Service- und Dienstleistungen.

So war die Erstellung nicht nur eine akribische Daten-Sammlung und Recherche, sondern als weiterer Baustein wurde auch eine Mitarbeiterumfrage gestartet, an der sich über 150 städtische Bedienstete beteiligt haben. So konnte erfasst werden, wer mit welchem Verkehrsmittel wie weit zur Arbeit fährt – und auch viele konkrete Vorschläge zum innerbetrieblichen Klimaschutz sind eingegangen. Am Ende fußt die Qualität der Daten größtenteils auf Realwerten. Nur vereinzelt mussten Schätzwerte herangezogen werden, weil eine genaue Ermittlung nicht möglich war.

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass vor allem die Emissionskategorie Kraftstoffverbrauch mit 32,2 Prozent einen großen Anteil an der Gesamtbilanz hat. Dies liegt aber vor allem daran, dass für den Bauhof zahlreiche Maschinen mit hohem Spritverbrauch  benötigt werden. Aber auch bei den Emissionskategorien Wärmeverbrauch (14,4 Prozent), Stromverbrauch (13,7 Prozent) und Arbeitswege der Mitarbeitenden (18 Prozent) fallen wesentliche Mengen an Treibhausgasemissionen an.

Aus den Ergebnissen lassen sich auch Umkehr-Rechnungen ableiten. So würden 223 Bäume gebraucht, um die berechneten CO2-Emissionen der Verwaltung zu binden. Um im eigenen Bereich eine Reduktion zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels zu erreichen, müsste der CO2-Ausstoß der Verwaltung jährlich um 4,2 Prozent sinken. Unter dem 1,5-Grad-Ziel versteht man das Ziel, den menschengemachten globalen Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Diese Einsparziele möchte die Verwaltung in jedem Fall angehen.

„Klimaschutz ist die große Aufgabe unserer Zeit und beschäftigt uns in Bad Mergentheim sehr intensiv“, sagt Oberbürgermeister Udo Glatthaar. „Auch in Gemeinderat und Jugendgemeinderat wurden verschiedene Anträge und Initiativen beschlossen, daneben hat das Thema in der Landesgartenschau-Konzeption für 2034 breiten Raum eingenommen. Für uns als Verwaltung war schon früh klar, dass wir für unser tägliches Handeln wissen wollen, wo wir stehen und wie wir nachhaltiger werden können.“

Mit der vorliegenden CO2-Bilanz gebe es jetzt eine fundierte Grundlage, die auf den international anerkannten Richtlinien des Greenhouse Gas Protocol Corporate Standard (GHC Protocol) basiere und ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zu einer umfassenden Umweltbilanz sei. „Ich bin sehr froh und stolz, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Projekt CO2-Fußabdruck quer durch alle Abteilungen unterstützt und sich aktiv eingebracht haben“, so der OB abschließend.