Die kraftvollen Bad Mergentheimer Heilwässer im Fokus

Veröffentlicht am Mittwoch, 27. Juli 2022
Silke Stahnke (6. v. rechts) und Dr. Heinz-Jürgen Träger (6. v. links) erläuterten den Anwesenden sowie Kurdirektor Sven Dell (Bildmitte) u. dem stellvertr. Vorsitzenden der Kreisärzteschaft Dr. Adalbert Weber (5. von rechts) die Wirkungsweise der Quellen
Silke Stahnke (6. v. rechts) und Dr. Heinz-Jürgen Träger (6. v. links) erläuterten den Anwesenden sowie Kurdirektor Sven Dell (Bildmitte) u. dem stellvertr. Vorsitzenden der Kreisärzteschaft Dr. Adalbert Weber (5. von rechts) die Wirkungsweise der Quellen

Auf Impuls der beiden Kurärzte Silke Stahnke und Dr. Heinz-Jürgen Träger hat die Kurverwaltung vor wenigen Tagen in Kooperation mit der Kreisärzteschaft die Bad Mergentheimer Ärzte zu einer Fortbildung über die Bad Mergentheimer Heilquellen eingeladen.

Diese Ärztefortbildung war bereits für 2020 geplant gewesen, musste jedoch pandemiebedingt verschoben werden. Ohne die Heilquellen, die 1826 von Schäfer Franz Gehrig bzw. dessen Schafen entdeckt wurden, wäre Bad Mergentheim heute kein Heilbad und keine Gesundheitsstadt. Die ärztliche Erfahrung und wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Wirkungen der Heilquellen sind auch heute noch aktuell.
Die Kurärzte Silke Stahnke und Dr. Heinz-Jürgen Träger referierten zu dem Thema „Die Bad Mergentheimer Quellen – Ist eine Trinkkur noch zeitgemäß?“.
Viele Patienten, Kurgäste, Gesundheitsurlauber und Einwohner nutzen jedes Jahr die natürlich starke Heilwirkung der drei Bad Mergentheimer Trinkquellen – der Albert-, Karls- und Wilhelmsquelle.
Damit das Wissen um die Heilwirkung der Quellen nicht verloren geht, ist es der Kurverwaltung wichtig, dieses Thema wieder mehr in den Vordergrund zu rücken und über Wilhelm, Karl und Albert zu informieren. Zudem gibt es neue Erkenntnisse über wissenschaftlich nachweisbare Wirkungen, z. B. die positive Wirkung auf die Zusammensetzung der Darmflora und das Mikrobiom. Zusätzlich zu den aktuellen Informationen profitieren die Teilnehmenden auch von den Fortbildungspunkten der Landesärztekammer, die sie für den Besuch der Fortbildung erhalten.

Niedergelassene Ärzte als auch Ärzte der Spezial- und Rehakliniken waren daher der Einladung gefolgt und trafen sich zur Heilwasserverkostung im Brunnentempel im Kurpark. Nach einem Grußwort von Kurdirektor Sven Dell und dem stellvertretenden Vorsitzenden der Kreisärzteschaft Bad Mergentheims und Sprecher der Kurärzteschaft, Dr. Adalbert Weber, erläuterte Silke Stahnke die drei Trinkquellen. „Ihr Heilwasser ist besonders reich an wertvollen Mineralstoffen – und das merkt man schon am Geschmack“, so die Kurärztin. Der erste Schluck ist oft überraschend. „Bei der Verkostung beginnt man am besten mit der schwächsten Quelle, der Wilhelmsquelle, und steigert sich dann bis zur Albertquelle, die aufgrund ihrer hohen Konzentration oftmals auch nur gegurgelt wird“.

Nach dem gelungenen „Heilwasser-Aperitif“ folgte eine Besichtigung und Erläuterung des Gradierpavillons und des Karlsquellen-Brunnenhäuschens - dem Ursprung der Karlsquelle. Die Bad Mergentheimer Trinkquellen entspringen an unterschiedlichen Orten im Inneren und Äußeren Kurpark. Das Heilwasser wird vom jeweiligen Brunnenhäuschen mittels unterirdischer Rohrleitungen zum Brunnentempel befördert, wo es von den Brunnendamen täglich ausgegeben wird.

Im anschließenden theoretischen Teil referierte Dr. Heinz-Jürgen Träger im Kurhaus über die 3 Trinkquellen. „Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, vor allem die sogenannten funktionellen Störungen beziehungsweise das Reizmagen-Darmsyndrom nehmen in der westlichen Welt rapide zu“, sagt Träger. „Die meisten Betroffenen versuchen den Magen- und Verdauungsproblemen mit Medikamenten beizukommen. Die Bad Mergentheim Heilquellen bieten eine natürliche Alternative: Sie wirken mit ihren Inhaltsstoffen – Magnesium, Kalium, Hydrogencarbonat, Natrium, Calcium, Chlorid und Sulfat – in unterschiedlichen Konzentrationen als wahrer Balsam gegen viele Krankheiten“. Träger informierte seine Kolleginnen und Kollegen, wie und bei welchen Beschwerden die Schätze aus der Tiefe des Taubergrunds auch heute noch zu empfehlen sind und plädierte für die Empfehlung der Trinkquellen vor Medikamentenverordnung. „Nicht allein die Anwendungsgebiete bei Magen- und Darmerkrankungen (Karlsquelle), funktionellen Störungen des Magens und Obstipation (Albertquelle) oder Über- bzw. Untersäuerung und Fettleibigkeit (Wilhelmsquelle) machen ihren Wert aus“, so Träger. „Es sind die mit dem konsequenten Trinken der Heilquellen verbundenen ganzheitlichen Wirkungen auf den menschlichen Organismus, die den Wert dieser Heilquellen und des Heilwassers generell ausmachen“.
Silke Stahnke sprach nachfolgend über die Indikationen, Zusammensetzung und Besonderheiten der Badequelle. Die Paulsquelle ist eine hochkonzentrierte kohlensäurereiche Sole, die in verdünnter Form in den Solebecken der Solymar Therme eingesetzt wird. Im Gradierpavillon rieselt sie unverdünnt an den Schwarzdornreisig-Wänden hinab und reichert dabei die Luft mit Salz-Aerosolen an. „Die Salz-Aerosole tragen zur Befeuchtung und Reinigung der Atemwege und zur Abschwellung gereizter Schleimhäute bei“, erklärte Stahnke. 

Kurdirektor Sven Dell freute sich über das Interesse der Ärzteschaft und die rege Teilnahme. „Uns ist es ein großes Anliegen die vorhandenen natürlichen Heilmittel nicht nur bei unseren Gästen, sondern auch bei den Einwohnern und den hiesigen Ärzten ins Bewusstsein zu bringen“, betonte der Kurdirektor. Derartige Veranstaltungen erachte er deshalb als besonders wertvoll. „Sie tragen zur Verbesserung der Vernetzung untereinander bei“. Ärzte sollen durch die umfangreichen Informationen vor Ort zu mehr Sicherheit in Ihrer Therapieempfehlung gelangen. „Damit können sie unser ortsgebundenes Heilmittel sinnvoll in ihr eigenes Therapiekonzept integrieren. Zudem soll bei den jungen Ärzten das Interesse am Erwerb der Zusatzqualifikation „Medizinische Balneologie und Klimatologie“ geweckt werden“, so Stahnke.

Die Teilnehmer der Fortbildung konnten sich davon überzeugen, dass Bad Mergentheim auf mehr als 190 Jahre ärztliche Erfahrung und wissenschaftliche Erkenntnisse zurückblicken kann und dass die Heilquellen eine „echte Alternative“ zur sonst üblichen Medikamentenverordnung darstellen und ihnen durchaus ein hoher Rang eingeräumt werden sollte.

Die Kurärzte Silke Stahnke, Dr. Stefan Jüttner und Dr. Heinz-Jürgen Träger bieten im Brunnentempel im Kurpark regelmäßig unter der Überschrift „Heilquellen — der Quellenarzt hält Sprechstunde“ Einführungen in die Geheimnisse der Quellen und die heilsamen Wirkungen von „Wilhelm, Albert, Karl und Paul“ an. Die Termine sind hier und weitere Informationen im Faltblatt „Heilquellen & ihr Wirkung“ zu finden.

Beim gemütlichen Beisammensein konnten die Beteiligten sich austauschen und offene Fragen diskutieren. Gemeinsam ließ man den Abend bei guten Gesprächen ausklingen.