Der Rahmenplan für das „Urbane Quartier Herrenwiesen Süd“ in Bad Mergentheim steht

Die Stadt verfolgt die Vision seit der ersten Landesgartenschau-Bewerbung im Jahr 2017. Im Jahr 2018 hat sie die rund zwei Hektar große Gewerbebrache gekauft – mit dem Ziel, auf der versiegelten Fläche Wohnraum und Grünstrukturen sowie attraktive neue Wege-Verbindungen zu schaffen. Gemeinsam mit dem Büro „Astoc architects and planers“ aus Karlsruhe, Vertreterinnen und Vertreter der politischen Fraktionen, des Jugendgemeinderats und Verwaltungs-Fachämtern sowie weiteren Akteuren auf und an der Fläche entstand ein Strukturkonzept, in das auch die Bürgerschaft immer wieder Einblicke bekam. In vier Werkstätten in den Jahren 2024 und 2025 wurde offen und auf Augenhöhe diskutiert. Ein besonderes und für die Stadt sehr wichtiges Format im Beteiligungsprozess war der Workshop mit Kindern und Jugendlichen im Jugendhaus Marabu.
„Ziel einer Landesgartenschau ist es, über das Ausstellungsjahr hinaus dauerhaft die Lebens- und Wohnqualität einer Stadt zu verbessern. Bei Landesgartenschauen entstehen daher nicht nur Parks und Plätze, sondern auch neue Stadtquartiere“, sagt Oberbürgermeister Udo Glatthaar. So begreife die Große Kreisstadt die Landesgartenschau 2034 als Motor der Stadtentwicklung, die einen Entwicklungsschub – sowohl aus städtebaulicher als auch aus wirtschaftlicher Sicht – bedeute. Mit der Veröffentlichung des Rahmenplans und der vollständigen Dokumentation seines Entstehungsprozesses gibt die Stadt nun umfangreiche Einblicke in dieses Konzept.
Es sieht vor, dass im westlichen Bereich mit einem Punktbaukörper und einer etwas niedrigeren Zeile ein klarer Auftakt des Quartiers gesetzt wird. Im Folgenden schließen drei Wohnzeilen an, die aufgrund der komplexen Schallsituation giebelseitig zur Bahn stehen. So entstehen Taschen, in denen trotz des Umfeldes intimere Wohnsituationen geschaffen werden können. Bei einer entsprechenden Grundrissgestaltung sind süd-ost-ausgerichtete Wohnungen mit Blick auf die Altstadtsilhouette möglich. Der zentrale Bereich wird als „Herzstück“ von einem ansprechenden Platz geprägt, in den auch das denkmalgeschützte historische Stellwerk integriert wird. Nördlich davon bildet eine noch architektonisch zu definierende Bebauung den Auftakt und vor allem den Übergang zur Straße Beim Ölsteg und die nördlichen Quartiere. Im westlichen Anschluss folgen Gewerbe und Mischbaukörper, die aufgrund ihrer Struktur sehr vielseitig ausformuliert werden können.
Ebenfalls zentral platziert werden soll der „Mobility Hub“ als große Quartiers-Garage. Vor allem der östliche Teil des Quartiers wird autoarm gestaltet. Das bedeutet: Die Bewohnerinnen und Bewohner können mit ihren Fahrzeugen an die jeweiligen Häuser fahren, um dort beispielsweise Einkäufe auszuladen oder Reisekoffer einzuladen. Dauerhaft abgestellt werden die PKW jedoch im Mobility Hub. Dieser soll vielmehr werden als nur ein einfaches Parkhaus. In der Erdgeschoss-Zone wünschen sich die Werkstatt-Beteiligten beispielsweise Frequenz bringende Nutzungen, die zusätzlich die Quartiers-Mitte stärken.
Der westliche Auftakt des neuen Quartiers ist in den Entwürfen ein von Freiraum geprägter Brückenkopf zur Innenstadt. Wer hier lebt, arbeitet oder vorbeikommt, genießt die ebenfalls aus den Landesgartenschau-Ideen bekannten und beeindruckenden „Wachbach-Terrassen“ als einen ganz besonderen Ort, um zusammenzukommen. Der Bereich der Wachbach-Terrassen versteht sich als attraktiver Außenraum, der einerseits im Osten die gewünschten Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche vorsieht, andererseits durch eine entsprechende Gestaltung und Bepflanzung einen naturnahen Gewässerraum in die Stadt bringt. Insgesamt ist das Urbane Quartier trotz aller Bebauung geprägt von Entsiegelung und einer klimaaktiven Grünstruktur.
Mit einem angestrebten neuen Jugendhaus und dem bestehenden Heizkraftwerk schließen sich an den Bereich der Wachbach-Terrassen eher kleinteilige und pavillonartige Baukörper an, die im Kontext der Landesgartenschau 2024 das Zusammenspiel von Freiräumen und Gebäude thematisieren. Neben dem Fußverkehr ist von besonderer Bedeutung der Fahrradverkehr. Ein Fahrradkorridor für eine zukünftige übergreifende Ost-West-Verbindung ist vorgesehen und der Anschluss an die Innenstadt im Bereich der WachbachTerrassen etabliert.
Im Mai war der Rahmenplan einstimmig vom Gemeinderat verabschiedet worden. Die Verwaltung ist beauftragt, den Bebauungsplan „Urbanes Gebiet Herrenwiesen Süd“ auf Grundlage des Rahmenplanes aufzustellen. Im Herbst 2025 startete das Bebauungsplanverfahren. Ende 2026/ Anfang 2027 soll es abgeschlossen sein, sodass das Quartier schrittweise realisiert werden kann. Weitere planerische Schritte sind die Durchführung von Wettbewerbsverfahren und Objektplanungen. Die Erstellung des städtebaulichen Rahmenplans wurde gefördert durch das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg im Rahmen des Förderprogramms „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“.
