Das Gesundheitsinstitut feiert Jubiläum

Der 13. Oktober hat für Bad Mergentheim große Bedeutung. Am 13. Oktober 1826 entdeckte der Schäfer Franz Gehrig mit seiner Schafherde die Wilhelmsquelle; ein bedeutender Fund für Bad Mergentheim und seine Zukunft als Heilbad.

Kurdirektor Sven Dell, Veronika Schneider (Institutsleitung), Heinz-Joachim Kuper (Allgemeinmediziner und 1. Vorsitzender des Vereins für Gesundheitsbildung „Bad Mergentheimer Modell“ e. V. )
Kurdirektor Sven Dell, Veronika Schneider (Institutsleitung), Heinz-Joachim Kuper (Allgemeinmediziner und 1. Vorsitzender des Vereins für Gesundheitsbildung „Bad Mergentheimer Modell“ e. V. )

154 Jahre später, am Montag, 13. Oktober 1980 um 16:00 Uhr wurde bei einer feierlichen Veranstaltung im Kurhaus das „Institut für Gesundheitsbildung“ eröffnet und vorgestellt. Die Kurverwaltung Bad Mergentheim, unter Leitung ihres damaligen Kurdirektors H. Galvagni und dem Oberfinanzpräsidenten und Vorsitzenden des damaligen Verwaltungsrates, Dr. iur. D. Meyding, hatten dem Institut für Gesundheitsbildung diesen Weg ermöglicht.

Für Dr. med. Gerhard Vescovi (Arzt, Lehrbeauftragter an der Universität Heidelberg, langjähriger Chefredakteur des „Ärzteblattes Baden-Württemberg“, Mitbegründer des „Bundesverbandes Deutscher Schriftsteller-Ärzte“ und Vizepräsident ihrer Weltorganisation) begann zu diesem Tag der Aufbau und die Arbeit als Geschäftsführer des Instituts für Gesundheitsbildung.

Dr. med. Gerhard Vescovi

Das Institut wurde von der 1978 in Stuttgart gegründeten interdisziplinären Gesellschaft für Gesundheitsbildung, die zu dieser Zeit eng mit der Universität Heidelberg zusammenarbeitete, als Außenstelle für die „praktische Arbeit“ in Bad Mergentheim eröffnet. Im Verbund mit einem wissenschaftlichen Kuratorium, das aus namhaften Hochschullehrern der Universität Heidelberg bestand, wurde Gesundheitsbildung aktiv gelebt und das zukunftsweisende „Bad Mergentheimer Modell“ mit seinen „Sechs Regelkreisen der Lebensführung“ entwickelt und mit vielfältigen Veranstaltungen und Beratungen umgesetzt.

Das „Mergentheimer Modell“ basiert auf dem Gedanken, dass die Harmonie in der Ordnung der Lebenskräfte Grundvoraussetzung für die Gesundheit ist. So befasst sich der erste Regelkreis mit der Gestaltung des Lebensraumes, der gesundheitsförderlich wirken oder Krankheiten begünstigen kann. Die bewusste Ernährungsweise füllt den zweiten Regelkreis. Der dritte Kreis behandelt die biologischen Rhythmen, wie z. B. der Rhythmus des Schlafens und Wachseins oder der Jahreszeiten.
Im vierten Regelkreis steht das Gleichgewicht zwischen Belastung und Erholung im Mittelpunkt. Um das bewusste Leben mit dem eigenen Körper geht es im fünften Regelkreis. Betrachtet werden in diesen Bereichen vor allem die Pflege des Körpers, Hygiene, Regelung des Stoffwechsels, Bewegung sowie Sexualität. Der sechste Regelkreis thematisiert den Umgang mit sich selbst und anderen. Insbesondere geht es um den gesunden Umgang mit den eigenen Gefühlen und die gesundheitsförderliche Beziehung zu Mitmenschen.

Mit dem „Mergentheimer Modell“ nahm das Institut kurz nach seiner Gründung eine Vorreiterrolle in der Präventionsmedizin, Gesundheitsförderung und Gesundheitsbildung ein und erlangte bundesweite, aber auch internationale Anerkennung. Der damalige Gedanke, dass die Lebenswelt und die Lebensführung eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Krankheiten und der Bewahrung der Gesundheit spielt, ist heutzutage unumstritten. So bietet das Institut für Bad Mergentheimer Kurmedizin, Gesundheitsbildung und medizinische Wellness, dass vor vielen Jahren von der Kurverwaltung übernommen wurde, auch heute noch vielfältige Angebote für Gäste und Einwohner an, um Fähigkeiten und Fertigkeiten zu trainieren, die die Gesundheit stärken.

Kurdirektor a. D. Horst Galvagni

Seit jeher wurde das Institut durch den Verein für Gesundheitsbildung „Bad Mergentheimer Modell“ e. V. unterstützt, der sich aus der interdisziplinären Gesellschaft für Gesundheitsbildung entwickelt hat und noch immer gemeinsam mit dem Institut unter anderem die Vortragsreihe „Arzt im Gespräch“ organisiert. Neben den Gründungsvätern Dr. Gerhard Vescovi und Kurdirektor a. D. Horst Galvagni haben sich nachfolgende Kurdirektoren, Institutsleiter, Institutsmitarbeiter, Kurärzte wie auch viele weitere Unterstützer und Förderer für das Institut eingesetzt, so dass heute das 40-jährige Jubiläum gefeiert werden kann.

Kurdirektor Sven Dell freut sich über das vielfältige Gesundheitsangebot vom Institut, das sehr gut von Gästen und Einwohnern angenommen wird. „Vor allem für die Gäste, die nicht im Rahmen einer stationären Reha-Maßnahme oder einer ambulanten Badekur in Bad Mergentheim sind und etwas für ihre Gesundheit tun möchten, gilt es auch weiterhin zielgruppenspezifische und zukunftsfähige Angebote zu entwickeln und das Netzwerk von Gesundheitsdienstleistern, Kliniken und Partnern vor Ort einzubinden und zu stärken“. „Es ist wichtig die Rahmenbedingungen zu schaffen bzw. auszubauen, die es jedem Individuum ermöglicht, einen gesundheitsförderlichen und krankheitsvermeidenden Lebensstil im Urlaub wie auch im Alltag umzusetzen und den Gründungsgedanken des Instituts auch weiterhin engagiert mit Leben zu füllen“, ergänzt Kur- und Gesundheitsberaterin Veronika Schneider, die mit Iris Gutbrod, Diätassistentin DKL/ DGE, im Institut tätig ist. Die Angebote vom Institut reichen von Vorträgen zu Erkrankungen und unterschiedlichen Gesundheitsthemen über Ernährungs- und Bewegungsangeboten bis hin zu Entspannungsverfahren, Stressbewältigungsangeboten und Tagesworkshops wie auch die Betreuung der Gäste der ambulanten Badekuren.

Das Gesundheitssystem und auch die Gesundheitsbildung sind im stetigen Wandel. Fitness-Tracker messen Schlaf, Puls und Bewegung und ersetzen immer mehr Armbanduhren an den Handgelenken der Menschen. Blutzuckerwerte und Insulingaben werden bei Diabetikern auf dem eigenen Smartphone verwaltet und verschiedene Apps unterstützen Patienten mit chronischen Krankheiten. Gesundheitsblogs, Podcasts und digitale Gesundheitskurse liegen im Trend. Die künstliche Intelligenz sowie die digitale Patientenakte haben längst Einzug in deutsche Praxen und Krankenhäuser gehalten. Der Bundestag hat im November 2019 das Digitalisierungsgesetz für das Gesundheitswesen beschlossen und unterstützt somit die Weiterentwicklung.

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des „Instituts für Bad Mergentheimer Kurmedizin, Gesundheitsbildung und medizinische Wellness“ sollen unter dem Thema „Gesundheit 4.0 – digitaler Fluch oder Segen?“  die Chancen der Digitalisierung und die Risiken im Umgang mit sensiblen Daten und damit verbunden auch die Änderungen in der Gesundheitsbildung thematisiert werden. Die für Samstag, 14. November geplante Veranstaltung findet nun aufgrund der aktuellen Situation nicht statt und wird auf 2021 verschoben. Das neue Veranstaltungsdatum wie auch die genauen Informationen zum Programm und den Referenten kann in Kürze auf der Homepage von Bad Mergentheim eingesehen werden und wird zu gegebener Zeit über Plakate und Pressemitteilungen angekündigt. „Das Institut, wie auch der Verein für Gesundheitsbildung „Bad Mergentheimer Modell“ e. V, der die Veranstaltung unterstützt, freuen sich auf zahlreiche Besucher der Veranstaltung im nächsten Jahr“ ergänzt Heinz-Joachim Kuper, 1. Vorsitzender des Vereins für Gesundheitsbildung.

 

Fotos: Kurverwaltung Bad Mergentheim GmbH