"Angst ist ein Fremdwort für uns"

Sie bilden das Highlight im 2. Main-Tauber Weihnachtscircus in Bad Mergentheim: die Romero Riders im „Splitting Globe of Speed“. Die fünf Brasilianer werden Ende Dezember die Nerven der Zuschauer kitzeln. In einer Stahlgitterkugel mit einem Durchmesser von nur 4,50 Meter rasen die südamerikanischen Teufelsfahrer in wilden Formationen und wahnsinnigen Überholmanövern auf Motorrädern umher. Wir sprachen vorab mit Truppen-Chef Romero Gomes.

Die Romero Riders treten beim Main-Tauber-Weihnachtscircus auf. (Bild: MT Weihnachtscircus)
Die Romero Riders treten beim Main-Tauber-Weihnachtscircus auf. (Bild: MT Weihnachtscircus)

Romero, Eure Darbietung sieht schon auf Fotos unglaublich spektakulär und gefährlich aus. Wie viel Risiko birgt diese Darbietung und wie geht ihr mit der Angst um?

Romero Gomes: Angst ist für uns ein Fremdwort. Wenn du Angst vor dem Fahren in der Kugel hast, hast du den falschen Job gewählt. Vielmehr steht der Respekt an oberster Stelle. Wir wissen, dass unsere Darbietung gefährlich ist und versuchen mit regelmäßigem Training, gewartetem Material und Kollegen, auf die wir uns zu 100 Prozent verlassen können, das Risiko so gering wie möglich zu halten. Wir verlassen uns blind auf unsere Mitfahrer und auf die Technik. Wir wissen aber auch genau, wie wir in einem Ernstfall beispielsweise korrekt fallen müssen, um schlimmere Verletzungen zu vermeiden. Das trainieren wir regelmäßig.

Gab es denn schon einmal einen Unfall oder habt ihr euch verletzt?

Romero Gomes: In meinem Team gab es Gott sei Dank bisher keine schweren Unfälle. Kratzer, Prellungen und kleinere Blessuren bleiben aber leider nicht aus. Das gehört bei dem Sport dazu. Wir sind alle Vollprofis und jeder weiß genau, war er tut.

Die Romero Riders bringen den „Splitting Globe of Speed“ mit nach Bad Mergentheim. Was ist das Besondere an dieser Motorradkugel?

Romero Gomes: Der Splitting Globe unterscheidet sich von einer „normalen“ Motorrad-Kugel im Wesentlichen durch den hydraulischen Unterbau. Diese Kugel ist in der Lage sich mittig zu teilen, während wir darin fahren, so dass sich zwischen den Hälften ein etwa 100 Zentimeter breiter Spalt bildet. Für die Zuschauer bedeutet das einen extra Adrenalin-Kick und für uns höchste Konzentration. Es gibt weltweit nur drei dieser Spezial-Konstruktionen.

Von außen betrachtet wirkt es, als würdet ihr kreuz und quer durch die Kugel brettern. Folgt ihr einem exakten Weg oder fährt jeder da, wo gerade Platz ist?

Romero Gomes: Wir haben eine strikte Choreografie, von der keiner unserer Fahrer abweichen darf. Jedem wird eine exakte Strecke zugeteilt, an die er sich halten muss. Im Ganzen wirkt es dann für die Zuschauer wie ein großes Durcheinander, dabei gibt es ein ganz klares System. Nichtsdestotrotz müssen wir genau auf die Abstände zum Vordermann und auf unsere Geschwindigkeit achten. Wir geben uns über Motorengeräusche vorab Zeichen, wenn wir zum Beispiel zu einem Überholmanöver ansetzen. Eine andere Kommunikation ist während der Fahrt nicht möglich.

Sie fahren zwei Mal pro Tag im „Globe of Speed“. Wird einem da nicht schwindelig?

Romero Gomes: Mittlerweile ist es für uns reine Routine. Wenn man beginnt in der Kugel zu trainieren, macht man das in vielen kleinen Intervallen, bis der Körper sich an die Rotation und die wirkenden Kräfte gewöhnt. Das dauert Monate. Anfangs hatten wir alle natürlich mit Schwindelgefühlen und teilweise Übelkeit zu kämpfen. Wir konzentrieren uns immer auf einen Punkt – in der Regel die Kugelmitte am Boden – das hilft gegen die Orientierungslosigkeit.

Wieso findet man unter den Kugelfahrern fast nur Südamerikaner?

Romero Gomes: In Brasilien und Kolumbien gehören Motorradkugeln seit Jahrzehnten zu üblichen Jahrmarktattraktionen, so wie in Deutschland ein Autoscooter. Über die Jahre wurde diese Darbietung auch für Circusshows unter anderem in Europa entdeckt. Alle Protagonisten kommen fast ausschließlich aus Südamerika. Man nennt uns dort die „Locos“ (span. für „Verrückte“). Für die Europäer ist dieser Act vermutlich zu „loco“ zum Nachmachen.

Waren Sie zuvor schon einmal mit dieser Darbietung in Deutschland?

Romero Gomes: Ja, wir waren 2016 schon einmal in Deutschland. Wir haben weltweit viele Engagements und waren zuvor schon in China, den USA, Australien und in einigen europäischen Ländern gebucht und arbeiteten bereits in den größten Circusunternehmen der Welt.

Freuen Sie sich schon auf Weihnachten im Main-Tauber-Kreis?

Romero Gomes: Ja, sehr. Wir treffen unter dem Cast einige bekannte Gesichter und freuen uns Teil der neuen Show in Bad Mergentheim zu sein. Den Weihnachtscircus gibt es zwar erst seit letztem Jahr, aber er genießt unter Artisten bereits einen hervorragenden Ruf und gehört europaweit zu einer der ersten Adressen.