Psychotherapeutisches Zentrum Kitzberg-Kliniken

Erlenbachweg 22/24
97980 Bad Mergentheim
Tel: +49 (0) 7931 53160
Fax: +49 (0) 7931 53161300
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Beschreibung


Kostenträger: 
- Rentenversicherung
- Gesetzliche Krankenkassen
- Private Krankenkassen
- Berufsgenossenschaft
- Jugendämter

Indikationen: 
- Psychosomatische Erkrankungen

Besonderheiten:
- Spezialabteilung: Kinder- und Jugenttherapie












Anwendungen


Welche Erkrankungen werden in unserer Klinik behandelt"

1.    Essstörungen: Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Adipositas permagna,
       Binge-Eating, alle anderen Essstörungen
2.    Posttraumatische Belastungsstörungen als Reaktion auf widerfahrende
       Makro- und Mikrotraumata
3.    Persönlichkeitsstörungen, insbesondere Borderline-Störungen
4.    Angststörungen, Phobien, Zwangserkrankungen
5.    Psychosomatische Erkrankungen, also körperliche Reaktionen, die auf
       emotionaler Belastung beruhen
6.    Depressive Störungen
7.    Psychosen ausserhalb der  akuten Krankheitsphase

Unsere
Klinik hat sich spezialisiert auf die Behandlung der Essstörungen, am
häufigsten sind Magersucht, Bulimie, Binge-Eating und Esssucht.
 
Die
stationäre Psychotherapie bei Essstörungen hat enorme Fortschritte
gemacht. Letztlich hat sich gezeigt, dass im Grunde jede Patientin ihre
Essstörung überwinden kann, wenn sie klare Entscheidungen trifft, ihr
eigenes seelisches Selbstheilungssystem zu nutzen lernt und ihren
eigenen Heilungsprozess mit einer gewissen Systematik betreibt, d. h.
Schritt für Schritt aufbaut. Sache der Klinik ist es, einen
therapeutischen Rahmen zu schaffen, der diese Entwicklung fördert und
unterstützt. Mit dieser Arbeitsweise sind Behandlungsabbrüche oder
Behandlungsmisserfolge erfreulicherweise die Ausnahme geworden, fast
alle Patientinnen mit Magersucht, Bulimie und Binge-Eating schließen
ihre stationäre Psychotherapie symptomfrei ab.
 
Magersucht und
Bulimie sind zwar beides Essstörungen, von ihrer Entstehung und ihrer
Behandlung her aber sehr unterschiedliche Erkrankungen. Grundsätzlich
beginnt die Behandlung mit einer Stabilisierungsphase, sie dient dem
Ziel, zunächst Kontrolle über die Symptomatik zu bekommen und zwar in
angemessenen kleinen Schritten. Wichtig ist nur, dass sich die Patientin
eindeutig für diese schrittweise Stabilisierung entscheidet,
Zwangsmaßnahmen würden diese Stabilisierung nur stören und finden bei
uns nicht statt. Im Verlauf der anfänglichen Stabilisierungsphase
verliert die Essstörung ständig an Einfluss, normales Lebensgefühl,
Selbstsicherheit und Selbstvertrauen nehmen kontinuierlich zu. Dies kann
unterstützt werden durch die modernen Formen der sogenannten
Ressourcenorganisation, die bei uns einen ungewöhnlich großen
Stellenwert haben. Die Therapie besteht nämlich nicht, was meist
angenommen wird, nur aus der Beschäftigung mit Problemen, sondern
genauso intensiv aus der Beschäftigung mit all dem, was die Patientin
stärker macht. Dies ist der ganze Bereich der sogenannten inneren
Helfer, also der hilfreichen Emotionen, das Kennenlernen von
Situationen, die zum Stärker-Werden geeignet sind und die
Fähigkeit, emotionale Belastungen zu regulieren. Dadurch werden auch die
Voraussetzungen geschaffen, sich mit solchen emotionalen Belastungen,
von denen die Essstörung ausgelöst und unterhalten wurde, zu
beschäftigen. Dies findet in der sogenannten Expositionsphase statt. Wir
haben das sogenannte EMDR, ein traumatherapeutisches hochwirksames
Verfahren hierfür weiterentwickelt. 
 
Dieses schrittweise
Vorgehen hat den Vorteil, dass zu keinem Zeitpunkt eine Überforderung
stattfindet. Weit über 80 % unserer Patientinnen mit Magersucht oder
Bulimie schließen deshalb ihre Behandlung stabil und symptomfrei ab.
 
Einzelheiten
dieser neu konzipierten Essstörungsbehandlung können Sie bei Interesse
in dem Text Psychotherapie der Essstörungen nachlesen.
 
Bei
Esssucht ist das vorrangige Behandlungsziel nicht etwa das Abnehmen,
also das Weniger-Werden, sondern das Mehr-Werden und zwar das Wachstum
der Persönlichkeit. Esssüchtige sind in der Gegenwart erfahrungsgemäß
ständig Entwertungen bis hin zu Demütigungen ausgesetzt, mindestens aber
Belehrungen. Sie gehen auch selbst in diesem Stil mit sich um, nehmen
Einmischungen, Belehrungen und Entwertungen hin. Die emotionale Folge
ist eine Selbstentwertung, die eigene Person, das eigene Selbst wird als
gering und schwach wahrgenommen. Esssüchtige wissen in Folge dessen
sehr viel darüber zu sagen, was an ihnen nicht in Ordnung ist, was sie
ändern müssten, wie sie eigentlich sein müssten, was sie alles falsch
machen und so fort. Sie wissen aber sehr wenig darüber, wo ihre
tatsächlichen Fähigkeiten, ihre Persönlichkeit und ihre Wachstums- und
Entwicklungslinien liegen. An diesen beiden Mustern setzt in Folge
dessen auch die Behandlung an. Zum Einen müssen die Negativmuster der
Selbstentwertung gebremst und zum Anderen die Wahrnehmung für das eigene
gesunde Selbst gefördert werden. Wenn dies Fortschritte macht, fällt es
sehr viel leichter, das entgleiste Essverhalten unter Kontrolle zu
bringen, weil das Essverhalten nicht mehr dem folgt, was Andere für
richtig halten, sondern dem gewachsenen Gefühl für die eigene
Gesundheit. Der Erfolg einer solchen Therapie zeigt sich dem zufolge in
einer stark gewachsenen Selbstsicherheit, auch im Umgang mit den 
Mitmenschen, die hierüber regelmäßig ziemlich irritiert sind. Im Zuge
dieser Entwicklung und im Zuge der Normalisierung des Essverhaltens
reduziert sich das Körpergewicht meist maßvoll und langsam. Was sich vor
allem ändert, ist das Gefühl für die eigene Person und der Lebensstil.
 
Bei
akut gesundheitsgefährdenden Formen von Esssucht hat die
Gewichtsreduktion naturgemäß höhere Priorität. Wenn Zuckerkrankheit,
Gelenkschäden, Störungen der Atmung oder des Herzkreislaufsystems
aufgetreten sind, sollte die stationäre Behandlung so lange dauern, bis
das Gewicht sich in den nicht akut gesundheitsgefährdenden Bereich
normalisiert hat.
 
Auch die Behandlung von Esssucht hat sehr von
der modernen Traumatherapie profitiert. Man weiß heute, dass in der
Lebensgeschichte von Esssüchtigen außerordentlich häufig starke
emotionale Negativerfahrungen vorgekommen sind, es kann sich dabei um
seelische Verletzungen, häufig auch um körperliche Übergriffe gehandelt
haben. Im Verlauf einer erfolgreichen Psychotherapie kann die
Patientin entscheiden, ob sie die Strategien der modernen Traumatherapie
nutzt, um solche emotionalen Altlasten durchzuarbeiten und aufzulösen.

Kinder- und Jugendlichentherapie
Wir
nehmen Jugendliche ab 11 Jahren ohne Begleitung ihrer Eltern auf,
jüngere Kinder mit einem Elternteil (siehe auch Mutter & Kind).
 
Häufige
Indikationen in der Psychotherapie der Kinder und Jugendlichen sind
Essstörungen (Anorexia nervosa, Bulimie, Adipositas), depressive
Syndrome, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen (z. B.
als Folgen sexueller und anderer Gewalt), selbstverletzendes Verhalten,
Zwangsstörungen, Integrationsstörungen in Schule und Familie, ADHS
(Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom), reaktive
Bindungsstörungen, Anpassungsstörungen, emotionale Störungen, Enuresis
und Enkopresis, Tic-Störungen, psychogene Anfälle. Kontraindikationen
sind dissoziale Entwicklung, Drogen- und Alkoholmissbrauch, sexuelle
Verwahrlosung.

Klinikeigenes Kinderzentrum
Im hauseigenen
Kinderzentrum verbringen Kinder im Alter von 0 bis 12 Jahren unter der
Leitung der pädagogischen Mitarbeiterinnen den Tag. Hier erhalten sie in
einem strukturierten, haltgebenden Rahmen mit festen, Abläufen und
verlässlichen Bezugspersonen verschiedene kreative, bewegungsbezogene
und gruppenpädagogische Angebote. Auf Grund der breiten Altersspanne
werden die spezifischen Entwicklungsaufgaben der jeweiligen
Altersgruppen besonders berücksichtigt und in einer differenzierten
Angebotsstruktur aufgegriffen.
 
Im Gruppenalltag zeigen sich
häufig die Muster, die im Lebensalltag der Kinder und Jugendlichen zu
Schwierigkeiten führen. In dem geschützten Rahmen der KiJuTa bekommen
sie von den Gruppenmitgliedern eine direkte Rückmeldung zu ihrem
Verhalten und erhalten von den pädagogischen Fachkräften Unterstützung
bei der Entwicklung alternativer Verhaltensweisen.
 
Ein
psychotherapeutischer Prozess ist anstrengend. Die Kinder- und
Jugendlichentagesstätte ist daher nicht nur ein Ort sozialen Lernens,
sondern bietet auch Rückzugsmöglichkeiten und Ruheinseln zum Entspannen
und Kraft schöpfen. Auch gemeinsame Gruppenaktivitäten wie Ausflüge sind
Bestandteil des Angebots.
 
Beobachtungen zu einzelnen Kindern
wie auch zu den gruppendynamischen Geschehnissen werden regelmäßig mit
den Kinder- und JugendtherapeutInnen besprochen und fließen so in den
therapeutischen Prozess ein.
 
Arbeit mit den Familien
Die
Einbeziehung der Familie in den therapeutischen Prozess ist von großer
Wichtigkeit. Wir führen deshalb bereits am Aufnahmetag mit den
erreichbaren Familienmitgliedern ein erstes Gespräch. Hierbei werden mit
den Eltern psychotherapeutischer Auftrag, Dauer der Behandlung,
Behandlungsschwerpunkte und die Einhaltung von Hausordnung und Regeln
abgesprochen. Erst die Unterstützung der Eltern macht einen
therapeutischen Prozess möglich. Das Einhalten der Hausordnung und die
Unterstützung der Eltern hierfür hat nicht nur pädagogischen und
disziplinarischen Wert, sondern ist ein dringendes Erfordernis, da viele
der behandlungsbedürftigen Jugendlichen in diesem Bereich des
Sozialverhaltens ausgeprägte Defizite aufweisen. Zur Hausordnung gehört
das Rauchverbot für Jugendliche unter 18 Jahren, das Einhalten von
Ausgehverbot, absolute Abstinenz in Bezug auf Alkohol, legale und
illegale Drogen, der Verzicht auf altersunangemessene sexuelle
Betätigungen und der Verzicht auf Selbstverletzung. Im Positiven werden
die Jugendlichen von der Hausordnung unterstützt, Kontakt zur
Gleichaltrigengruppe zu finden, sich an der therapeutischen Gemeinschaft
zu beteiligen, sich an einen geregelten Therapiebetrieb, an die
Teilnahme an der Klinikschule und an eine organisierte
Freizeitgestaltung zu gewöhnen.
 
Die Einbeziehung der Eltern in
die Planung des therapeutischen Prozesses und die Unterstützung der
therapeutischen Hausordnung kann die Eltern bereits anregen, ihre eigene
pädagogische Praxis zu reflektieren.
 
Besondere
Berücksichtigung in der therapeutischen Arbeit findet die psychosexuelle
Entwicklung der Jugendlichen. An der Schwelle zum Erwachsenwerden ist
die Entwicklung einer eigenen Identität durch viele äußere
Verunsicherungen gestört und gefährdet. Die Welt der Erwachsenen ist oft
noch nicht zu verstehen, das Kindsein möchte noch nicht losgelassen
werden. Die Entwicklung zur Autonomie bedeutet für viele Jugendliche
eine Verantwortungsübernahme von der sie überfordert sind, z. B. durch
ein Zuviel an zu früher Verantwortungsübertragung (Parentifizierung).
Umgekehrt finden sich, und nicht nur bei Essgestörten, ausgeprägte
familiäre Verstrickungen, aus denen heraus die Familie und auch die
Jugendlichen selbst ihre eigene Entwicklung als Bedrohung erleben und
zum Stillstand bringen. Der offene stationäre Rahmen bietet dem
Jugendlichen einen speziellen Entfaltungsspielraum bei gleichzeitiger
angemessener Begrenzung.

Traumatherapie
Viele unserer
jugendlichen Patienten haben in ihrer Biografie bereits mehrfach
Traumatisierungen durch sexuelle und andere Formen der Gewalt erlebt. In
zunehmendem Maße integrieren wir deshalb traumatherapeutische Elemente
in die Psychotherapie der Jugendlichen. Am Beginn sind dies vor allem
Stabilisierungsprozesse, d. h. die Entwicklung einer Traumalandkarte,
eine Bündnisbildung mit dem gesunden nichttraumatisierten
Persönlichkeitsanteil und die psychische Stabilisierung durch Nutzung
des haltgebenden therapeutischen Rahmens. Spezifische Elemente der
Traumatherapie sind im Anschluss an die initiale Therapiephase dann die
Vermittlung spezieller Stabilisierungstechniken,
verhaltensmodifizierende Therapien in Gruppen, tiefenpsychologisch
fundierte Einzeltherapie (narrative Traumatherapie) sowie das
Prozessieren traumatischer Erfahrungen mit EMDR als Einzel- und
Gruppentherapie.
 
Pädagogische Führung
Durch Übernahme klar
definierter und altersentsprechender sozialer Dienste in der
therapeutischen Gemeinschaft und durch Teilnahme an den
sozialpädagogischen Jugendgruppen wird ein strukturierter Rahmen
vorgehalten, der den Jugendlichen Orientierung gibt, der ihnen aber auch
Gelegenheit zur Auseinandersetzung bietet. Dieser Rahmen fördert
zugleich den kreativen Austausch mit der Peergroup unter Anleitung eines
Sozialpädagogen. In diesen sozialpädagogisch geleiteten Jugendgruppen
werden die Integration in die gesamte therapeutische Gemeinschaft, in
die Peergroup, Freundschaften, auch zum anderen Geschlecht, Umgang mit
Sexualität, Freizeitgestaltung, Konfliktklärung, auch aktuelle
politische Ereignisse die in besonderem Maße Irritation und Ängste
auslösen, durchgearbeitet.
 
Klinikschule
Die Klinikschule ist
staatlich anerkannt und bietet Unterricht für alle Schularten an. Der
Konzeption des Psychotherapeutischen Zentrums entsprechend, will die
Klinikschule jeder Schülerin, jedem Schüler dazu verhelfen, die eigenen
Stärken (wieder) zu entdecken und so den Weg zu angemessener Leistung,
persönlicher Stabilität und Gemeinschaftsfähigkeit zu finden.
 
In
engem Kontakt mit der Heimatschule werden die Kern- oder Prüfungsfächer
mit Vorrang behandelt. Auch während der Ferien findet Unterricht statt,
damit möglichst kein Schuljahr verloren geht. Wer Defizite mitbringt,
dem bietet die Klinikschule individuelle Diagnose und Hilfe an. Darüber
hinaus bearbeiten wir gemeinsam vereinbarte Themen und Projekte, zum
Teil auch als Angebote in der Freizeit oder am Wochenende. Gegenseitige
Unterstützung und Gestalten einer Schulgemeinschaft gehören zu den
sozialen Lernzielen der Klinikschule.
 
Auch wer nicht mehr
schulpflichtig ist, kann die Angebote der Klinikschule wahrnehmen (z. B.
Lernmaterial aller Art, Bibliothek, Lern- und Schullaufbahnberatung,
Berufs- und Studienorientierung, Test- und Bewerbertraining, ...).
Kreative Therapie und Sport
Bestandteil
des gesamten therapeutischen Prozesses sind auch die sportliche und die
kreative Betätigung. Alle Jugendlichen nehmen mehrfach wöchentlich am
Frühsport teil, sie haben Gelegenheit zum Schwimmen im Bewegungsbad, zum
freien Schwimmen und zur Teilnahme am therapeutischen Reiten. Kreative
Therapie und allgemeine Förderung von Kreativität findet in der
Kunsttherapie und Musiktherapie statt.

Therapieabschluss
Am
Ende der Behandlung steht die Planung und Vorbereitung der Reintegration
in den Lebensalltag. Dies umfasst intensivierte Familiengespräche,
Klärung der Schul- bzw. Ausbildungsziele, bei Bedarf Vermittlung von
Jugendlichen in betreutes Wohnen oder in rehabilitative Einrichtungen.

Traumatherapie
Akuttraumen
Akuttraumen
sind seelische Schocks, die auf einem in der Regel einmaligen Ereignis
beruhen, beispielsweise Verkehrsunfälle. Bei den Opfern, aber auch bei
den Einsatzkräften (Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk oder auch
bei militärischen Einsatzkräften) können Situationen entstehen, die mit
einem solch intensiven Gefährdungs- und Bedrohungsgefühl verbunden sind,
dass die seelische Kapazität nicht ausreicht, sie vollständig zu
verarbeiten. Die Betroffenen entwickeln dann sogenannte posttraumatische
Belastungsstörungen als Folge der unvollständigen Verarbeitung. Sie
können beispielsweise an nichts denken, was an das Traumaereignis
erinnert, ohne schwere Angst zu bekommen, sie gehen deshalb allen auch
nur ähnlichen Situationen aus dem Weg. Die unverarbeitet gebliebenen
negativen Emotionen, die mit dem Traumaereignis verbunden waren, können
unkontrolliert in das Gegenwartserleben eindringen, sei es als
sogenannte Flashbacks (Nachhallerinnerungen), als nächtliche Alpträume
oder als dauernd erhöhte emotionale Erregung (Hyperarousal). Manchmal
versuchen die Betroffenen mit Hilfe von Alkohol, Schlaf-, Beruhigungs-
oder Schmerzmedikamenten die Symptome zu bekämpfen, bis hin zu süchtigen
Entwicklungen. Die Arbeitsfähigkeit ist häufig schwer beeinträchtigt,
die Betroffenen können ihrem Beruf nicht mehr nachgehen, die allgemeine
Leistungsfähigkeit ist durch den ständigen Abwehrkampf gegen die
unverarbeiteten negativen Emotionen schwer herabgesetzt. 
 
In der
Therapie ist einer der wichtigsten ersten Schritte die sachliche
Informationsvermittlung über das Krankheitsbild, damit die Betroffenen
nicht glauben müssen, ihre Symptome seien eine Folge von persönlichem
Versagen oder Schwäche. Dies ist nicht der Fall.  
 
Eine
stationäre Psychotherapie ist dann sinnvoll, wenn die Symptome sehr
ausgeprägt sind und die Fähigkeit zur Alltagsbewältigung schwer
beeinträchtigt ist. An die anfängliche Phase der Informationsvermittlung
schließt sich dann die 4phasige stationäre Traumatherapie an, die
weiter unten ausführlicher geschildert wird.

Kindheitstraumen
Kinder
und Jugendliche sind in einer ganz besonderen Weise auf Schutz
angewiesen, um sich normal und gesund entwickeln zu können. Schwere
Verletzungen dieser Schutzbedürfnisse kommen leider sehr häufig vor, sei
es in Gestalt von Vernachlässigung, verbaler Aggressivität, tätlicher
Gewalt oder sexuellem Missbrauch. Auch der Verlust von Eltern, schwere
Erkrankungen der Eltern oder Vertreibungen können den nötigen Schutzraum
so verletzen, dass für die Betroffenen die Situation seelisch
unverarbeitbar wird, d. h. ein Trauma ist entstanden. Es kann sich dabei
um Einzelereignisse oder (beispielsweise bei Gewalt in der Familie), um
eine Vielzahl von Ereignissen, ein sogenanntes Trauma-Netzwerk,
handeln.
 
Im späteren Leben haben die Betroffenen entweder ein
vages Wissen von solchen negativen Ereignissen und versuchen so wenig
wie möglich daran zu denken oder sie wissen vom Verstand her sehr genau,
was geschehen ist, können jedoch keine emotionale Verbindung zu den
Ereignissen herstellen, weil die Emotionen überwältigend stark wären, so
dass die Verarbeitung niemals abgeschlossen werden kann. Auch das
Auslöschen ganzer Lebensabschnitte, die dann wie weiße Flecken in der
eigenen Biografie wirken, kommt sehr häufig vor.
 
Mittlerweile
ist klar geworden, dass solche traumatischen Ereignisse in der
Entstehung zahlreicher Krankheiten eine wesentliche Rolle spielen.
Anders ausgedrückt: die Erkrankungen sind in Wirklichkeit unvollständige
Bewältigungsversuche. Bei allen Krankheiten, die mit zerstörerischem
Verhalten gegen sich selbst oder auch gegen andere verbunden sind, ist
es wahrscheinlich, dass eigene unverarbeitete Gewalterfahrungen
zumindest eine wesentliche Rolle bei der Entstehung spielen. Dies gilt
beispielsweise für die sogenannten Borderlinestörungen, für
selbstverletzendes Verhalten, für Süchte, für schwere Formen der
Magersucht und Bulimie. Andere Betroffene versuchen so gut sie können,
jede emotionale und gedankliche Verbindung mit solchen Kindheitstraumen
zu vermeiden, sie fühlen sich in Folge dessen innerlich leer,
energielos, leiden an Fremdheitsgefühlen sich selbst und ihrem Leben
gegenüber und an chronischen Depressionen. Die Behandlung solcher
Störungen kann deshalb nur als systematische Traumatherapie erfolgreich
sein.
 
Behandlung
Das Krankmachende an Akuttraumen und
Kindheitstraumen ist das darin enthaltende Übermaß an negativer
emotionaler Energie. Für die Heilung ist deshalb ein verstandesgemäßes
Wissen über das, was geschehen ist nützlich und wichtig, noch wichtiger
ist aber, dass die negative emotionale Energie auf systematische Weise
die Chance bekommt, sich abzubauen und auf diese Weise ihre
krankmachende Wirkung verliert. Es ist klar, dass der Umgang mit diesen
starken seelischen Energien besonderer Schutz- und
Sicherungsvorkehrungen bedarf, vielleicht vergleichbar dem Umgang mit
starker elektrischer Energie. Stationäre Traumatherapie ist deshalb
4phasig aufgebaut, jede einzelne dieser Phasen führt zu einem
Heilungsfortschritt.
 
Die Stabilisierungsphase
In der
Stabilisierungsphase investieren die Patientinnen und Patienten viel
Arbeit, den Einfluss der negativen entwicklungsbehindernden Muster, die
sich in ihrem Leben ausgebreitet haben, zu erkennen und zu begrenzen.
Der erste Schritt ist deshalb die Klärung, welche negativen Muster dies
sind und in welcher Reihenfolge sie angegangen werden. Es kann sich um
selbstverletzendes Verhalten, Formen der Magersucht und Bulimie,
süchtiges Verhalten, aber auch chronisches Dissoziieren
(Selbstentfremdung), Impulsdurchbrüche, Vermeidungsverhalten,
unbehandelte Schlafstörungen aufgrund von Alpträumen handeln. Von
größter Wichtigkeit sind die aktiven eigenen Entscheidungen der
Patientinnen und Patienten, den Einfluss dieser Negativmuster auf das
eigene Leben zu begrenzen und dann zu beenden. Nur aufgrund solcher
eindeutiger und aktiver Entscheidungen, ist eine erfolgreiche Therapie
möglich, ansonsten würde der Patient die Destruktivität, gerade
gleichsam zur Vordertür hinausgeschickt, zur Hintertür wieder
hereinlassen. Wir unterstützen diesen Stabilisierungsprozess mit sehr
spezialisierten sogenannten Stabilisierungsprotokollen, die den
Patientinnen und Patienten helfen, ihre eigene Stabilisierung in kleinen
Schritten, von denen jeder einzelne gut geleistet werden kann, zu
vollziehen. In manchen Fällen sind auch stabilisierende Medikamente
sinnvoll und hilfreich. Grundsätzlich geben wir Medikamente nur in
Absprache und Einvernehmen, da alle Behandlungen bei uns grundsätzlich
auf freiwilliger Basis stattfinden. In der Stabilisierungsphase kann
auch die Beschäftigung mit der sozialen Situation, z. B. der Wohn- und
Berufssituation notwendig sein.
 
Ressourcenorganisation
Die
Ressourcen (Fähigkeiten) sind gleichsam die Inneren Helfer. Allein schon
die Entschlossenheit, den Einfluss der Krankheit zu begrenzen und
gesund zu werden, ist ein sehr mächtiger Innerer Helfer. Nötig ist
systematische Verbesserung des Kontaktes zu den eigenen Fähigkeiten,
also Ressourcenorganisation. Auch hierfür ist wieder eine aktive
Entscheidung erforderlich, mit den eigenen Fähigkeiten Verbindung
aufzunehmen, sie kennenzulernen, zu organisieren und auf das zu lösende
Problem hin zu spezialisieren. Wir unterstützen dies im Rahmen der
allgemeinen Therapiearbeit, ergänzt durch hochspezialisierte
traumatherapeutische Methoden (imaginative Verfahren,
Ressourcenverankerung mit EMDR).
 
Exposition
Nach einer
erfolgreichen Stabilisierungs- und Ressourcenorganisationsphase hat der
Leidensdruck unter den unverarbeiteten traumatischen Ereignissen in
aller Regel erheblich nachgelassen, d. h. die Patientinnen und Patienten
fühlen sich weit weniger belastet, die Symptomatik ist stark
zurückgegangen. An diesem Punkt kann die Therapie dann, wenn die
Patientinnen und Patienten sich alltagsstabil fühlen, stationär beendet
und ambulant weitergeführt werden, sofern entsprechende ambulante
Therapiemöglichkeiten bereitstehen oder sie kann stationär weitergeführt
werden. Auf jeden Fall können die Patientinnen und Patienten
mitentscheiden, ob sie eine direkte Auflösung des unverarbeiteten
Traumas (Exposition) angehen wollen. Wir verwenden hierzu als
traumatherapeutische Methode das EMDR (Eye Movement Desensitization and
Reprocessing) nach Shapiro, das bestuntersuchte, und nach unserer
Einschätzung bestwirksame traumatherapeutische Verfahren. EMDR aktiviert
die natürlichen seelischen Heilungsvorgänge auf eine hochintensive und
gut steuerbare Weise. Wir praktizieren EMDR als Einzel- und auch als
Gruppentherapie.
 
Neurorientierungsphase
Der zurückgedrängte
Einfluss krankhafter Negativmuster und unverarbeiteter Traumata macht
Platz für neue Lebensentwürfe, so dass hier wieder viele sorgfältig zu
überdenkende Entscheidungen über die nächsten richtigen Schritte in der
eigenen Entwicklung anstehen. In dieser, wie in allen anderen Phasen der
Therapie, ist deshalb die Einbeziehung der Familien wichtig, seien es
Eltern und Geschwister oder auch Partner und eigene Kinder.
 
Die
Erfolge dieser 4phasigen stationären Traumatherapie sind sehr gut,
unter anderem deshalb, weil sie sehr systematisch den natürlichen
Heilungsprozess organisiert und den Patientinnen und Patienten dadurch
die Möglichkeit gibt, ihre Heilungsenergien maximal auf den jeweils
nächsten Schritt zu konzentrieren.

Mutter und Kind
Zur Situation der Mütter
Viele
Frauen bewältigen ihr Leben und die Erziehung ihrer Kinder trotz
wachsender Schwierigkeiten in ihrem Lebensumfeld mit Erfolg. Familiäre
Konflikte, unbewältigte Trennungs- bzw. Scheidungserlebnisse,
Mehrfachbelastung durch Erziehung, Haushalt und Berufstätigkeit, soziale
Isolation und wachsender ökonomischer Druck (z. B. durch
Arbeitslosigkeit der Frau oder ihres Partners) führen allerdings auch
bei vielen Müttern, insbesondere alleinerziehenden,  zu emotionalen
Belastungen und psychischen Störungen.
 
Eine notwendige
stationäre Psychotherapie der Mütter kommt oft nicht zustande, weil für
diese Zeit keine Betreuungsmöglichkeit für Kind bzw. Kinder besteht.
Natürlich ist ohnehin bei jüngeren Kindern und bei alleinerziehenden
Müttern eine Trennung von Mutter und Kind über einen längeren Zeitraum
für beide gleichermaßen schwierig.

Therapeutische Zielsetzung
Unser
wichtigstes Anliegen bei der Mitaufnahme von Begleitkindern ist es, die
Mütter durch eine tägliche Kinderbetreuung in der Klinik zu entlasten
und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich für eine stationäre
Psychotherapie zu öffnen. Dazu bieten wir die Möglichkeit einer
intensiven Betreuung der Kinder in kleinen Gruppen durch qualifizierte
Fachkräfte (Erzieher, Kinderpfleger).
 
Da Kinder auch
pädagogische Anleitung benötigen, gibt es im Psychotherapeutischen
Zentrum eine hausinterne Kinder- und Jugendtagesstätte, in der Kinder
zwischen 0 und 12 Jahren aufgenommen werden. Dieses Angebot entlastet
zudem die Mütter tagsüber von der Kinderbetreuung und gibt ihnen die
nötige Zeit und Ruhe, sich für eine stationäre Psychotherapie zu öffnen.

 
Das Zusammenleben der Mütter mit ihrem Kind in der Klinik
stellt ein sehr wichtiges Lernfeld dar. Die eigene Beziehung zum Kind,
auch die Konflikte mit dem Kind können konkret erlebt und erfahren
werden, z. B. Überforderung durch die Kinderversorgung, häufig werden
durch das Muttersein auch eigene Kindheitskonflikte und Traumata wieder
lebendig. In der geschützten Situation der Klinik können solche
Erfahrungen durchgearbeitet werden. Gleichzeitig bietet der Klinikraum
ein Lernfeld, um Kinderversorgung und Lebensorganisation im Muttersein
zu üben. Das Einbeziehen der Kinder in die Psychotherapie der Mutter ist
in Einzelfällen möglich, beispielsweise als Familientherapie.
 
Begleitkinder
können ab dem Säuglingsalter aufgenommen werden, schulpflichtige
Begleitkinder können eine Schule vor Ort vormittags besuchen.
 
Es
hat sich als sehr sinnvoll erwiesen, Kinder als Therapiekinder in die
Psychotherapie einzubeziehen. Meistens sind die Kinder ebenfalls
emotional belastet, sie weisen Verhaltensstörungen oder
Entwicklungsstörungen auf und es wäre eine unnötig verpasste Chance,
würden diese Kinder nicht mitbehandelt. Einzelheiten zur Psychotherapie
der Kinder finden Sie im Abschnitt Kinder- und Jugendlichentherapie.
 
Ein
steigender Anteil unserer Patienten sind Jugendliche und jüngere
Erwachsene, sie werden in der darauf spezialisierten Abteilung
behandelt. Mindestaufnahmealter ist 11 Jahre, Ausnahmen sind im
Einzelfall möglich.

Kapazitäten

  • Anzahl Betten: 74
  • Anzahl Doppelzimmer: 19
  • Anzahl Einzelzimmer: 36