Literatur im Schloss: Die Kunst des Übersetzens

Hinrich Schmidt-Henkel und Frank Heibert (Foto: Gerald van Foris)
Hinrich Schmidt-Henkel und Frank Heibert (Foto: Gerald van Foris)

Die Kunst des Übersetzens
Hinrich Schmidt-Henkel und Frank Heibert
inszenieren Raymond Queneaus „Stilübungen“

Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel gehören zu den bedeutendsten Übersetzern des Landes. Frank Heibert hat etwa Don DeLillo, Richard Ford, Amos Oz, William Faulkner und Boris Vian ins Deutsche gebracht; Hinrich Schmidt-Henkel so namhafte Autoren wie Michel Houellebecq, Jean Echenoz, Yasmina Reza, Jon Fosse und Henrik Ibsen. Die beiden bewegen sich leichtfüßig in verschiedenen Sprachen, und vor kurzem haben sie sich zusammengetan, um Raymond Queneaus legendäre „Stilübungen“ neu zu übersetzen. Der französische Schriftsteller Queneau (1903- 1976), der mit „Zazie in der Metro“ berühmt wurde, hat mit den „Stilübungen“ ein faszinierendes Sprachexperiment geschaffen: In einem Pariser Bus der Linie S beschimpft ein junger Mann mit Hut einen älteren Herrn, setzt sich dann auf einen freien Platz und taucht zwei Stunden später an der Gare Saint-Lazare wieder auf, wo einer ihm sagt, sein Überzieher habe einen Knopf zu wenig. Die Stilübungen bilden das Kunststück, diese Alltagsepisode in über hundert Varianten zu präsentieren – ob als Komödie, Sonett, Haiku, Traum, Amtsschreiben oder Verhör, in Alexandrinern oder Jugendstil, ob kulinarisch, mengenmathematisch, lautmalerisch, weiblich oder reaktionär. Raymond Queneaus populärer Klassiker ist ein fintenreiches Sprachspiel und ein überbordendes Lesevergnügen. Ein geradezu diabolisch hintersinniges Buch. Und genauso hintersinnig, lustig, unterhaltsam und klug ist die Performance der beiden Übersetzer und Vorleser Hinrich Schmidt-Henkel und Frank Heibert. Das Besondere an diesem Abend: Man hat nicht nur das Vergnügen, die Inszenierung eines höchst vergnüglichen Stücks Literatur zu erleben. Man erfährt auch einiges über die Kunst des Übersetzens, denn Schmidt-Henkel und Heibert werden ganz en passant ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern. Für die Übertragung der „Stilübungen“ wurden die beiden übrigens kürzlich mit dem Straelener Übersetzerpreis ausgezeichnet, einem der bedeutendsten Preise für literarische Übersetzer.

Info:
Karten sind an der Museumskasse und bei der Buchhandlung Moritz und Lux erhältlich.