Botanische Kostbarkeiten im Kur- und Schloßpark

Judasbaum
Judasbaum
Fanatische Pflanzenjäger haben oft ihr Leben riskiert und unendliche Strapazen auf sich genommen um ersehnte Pflanzenexemplare zu finden und mit in die Heimat zu nehmen. Der Würzburger Arzt Philipp Franz von Siebold täuschte ein Blasenleiden vor, um versteckt vor seinen japanischen Bewachern Pflanzensamen sammeln und in seinem hohlen Spazierstock verstecken zu können. Seine Freunde mussten unter Ziegenfutter versteckte pflanzliche Exemplare zu ihm schmuggeln. Im Kurpark und Schlosspark sind Blauglockenbäume zu bewundern, die ihren botanischen Namen und ihr Erscheinen in Europa durch Siebold erhielten. Vor mehr als 100 Jahren machte sich der englische Pflanzenjäger Ernest Wilson auf die lange Reise um Saatgut des Taschentuchbaumes, Davidia involucrata, nach Europa zu holen. Sein erster Versuch bot reichlich Enttäuschung, denn nach langer Suche fand er endlich die Stelle, welche ihm auf einer ungenauen Landkarte mit einem x gekennzeichnet wurde. Zu seinem großen Entsetzen entdeckte er dort nur ein neues Holzhaus, welches neben dem Stumpf einer abgehackten Davidia involucrata stand. Total frustriert schrieb er, ich bin 21000 km umsonst gereist und konnte in der Nacht zum 25. April 1900 kein Auge zu tun. Später führte er über eine Handelsgärtnerei diesen aus China stammende Baum nach Europa ein. Nur wenige Tage erfreuen den Kenner die kugelförmigen Blütenstände, welche von weißlichen Hochblättern umgeben sind. Die anfangs blendend weißen Hochblätter sehen aus wie am Baum hängende Vögel oder Taschentücher. Daher rührt der deutsche Artname. Die späteren Früchte sind längliche, etwas bereifte Steinfrüchte. Weil der frostempfindliche Baum nur in wärmeren Gebieten gepflanzt wird ist er eins der zahlreichen botanischen Juwelen in den beiden Mergentheimer Parks. An verschiedenen Stellen im Kur- und Schlosspark sind Judasbäume (Cercis siliquastrum) zu entdecken. Der Judasbaum ist einer der wenigen europäischen Laubgehölze mit Stammblütrigkeit (Kauliflorie). Nicht nur aus dünnen Ästen, sondern seltsamerweise auch aus dicken Zweigen und sogar aus dem Stamm heraus wachsen die rosa Blüten. Diese botanische Besonderheit ist sonst nur bei tropischen Pflanzen wie etwa dem Kakaobaum zu beobachten. Der Name Judasbaum rührt von Judas Iskariot her, welcher Christus für 30 Silberlinge an seine Häscher verraten hat. Die runden Blätter sehen wie Silbermünzen aus. Angeblich soll Judas an so einem Baum seinem Leben ein Ende gesetzt haben. Weil der Baum mit Hilfe der Knöllchenbakterien an den Wurzeln Luftstickstoff gewinnt ist er ein Pioniergehölz auf mageren und steinigen Böden. Vor mehr als 200 Jahren waren im Mergentheimer Hofgarten mehr als 200 verschiedene Baumarten zu finden. Heutzutage sind es im Kurpark weit über 100 Arten und im Schlosspark 70 Arten. Für beide Parks gibt es einen gemeinsamen Baumführer. Tillmann Zeller wird zahlreiche Pflanzen und Bäume für Gärten und Parks in seiner Präsentation vorstellen.
Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei. Spenden sind willkommen.