Weisheiten auf dem Philosophenweg

Gehen und nachdenken - das kann man besonders gut auf dem Philosophenweg in Bad Mergentheim.  20 Tafeln mit Weisheiten geben unterwegs Denkanstöße. Dazu darf sich der Wanderer über den schönen Blick auf die Stadt freuen.

Wegweiser des Philosophenweges in Bad Mergentheim © Arno Boas
Bewegung setzt nicht nur die morschen Gelenke, sondern auch müde Gehirnzellen in Gang. Für einen „Runners high“ – das Glücksgefühl beim Joggen – muss man allerdings nicht im Laufschritt durch die Gegend düsen. Schon gemächliches Tempo reicht, um Gefühle, Gedanken und Glückshormone in Gang zu setzen. Ist der (geistige und weltliche) Horizont erst einmal geweitet, lassen sich innere Hürden viel leichter überwinden . . . und wenn sich einem dann auch noch auf 20 Tafeln tiefschürfende Weisheiten eröffnen, ist man nicht etwa im geistigen Nirwana gelandet, sondern auf dem Philosophenweg in Bad Mergentheim. Eine geniale Verknüpfung ergibt sich da – zwischen dem Schwung per pedes und der Bewegung im Geiste.

Erfinder dieses knapp drei Kilometer langen Rundweges war der Diplom-Verwaltungswirt und Lyriker Eduard Kary, der 2013 im Alter von 78 Jahren gestorben ist. Er hatte, zusammen mit einigen Weggefährten, den Philosophenweg 2006 ins Leben gerufen. Inzwischen erinnert eine Tafel an Station elf an den Initiator des außergewöhnlichen Rundwegs, der zwar nur knapp drei Kilometer lang ist, dafür aber steil hinauf Richtung Ketterwald führt und der einen durchaus ins Schwitzen bringen kann – und zu der philosophischen Erkenntnis, dass der Herr vor den Erfolg den Schweiß gesetzt hat – und dass manchmal auch der Weg das Ziel ist. Sie sehen: Alleine die Beschäftigung mit dem Philosophenweg setzt kreative Kräfte in den Nervenbahnen frei.

Was sollte man mitbringen? Zeit, Gelassenheit und die Bereitschaft, sich auf teils provokante, teils mystische, teils aber auch verzwickte Zitate von hoch gescheiten Menschen einzulassen. Natürlich ist Konfuzius (Station 13) dabei, und auch Platon (Station 9) darf auf keinen Fall fehlen.

Bisher nicht unbedingt als Philosoph ins Gedächtnis eingebrannt hat sich indessen Jimi Hendrix. Der Gitarren-Guru ist auf Tafel 8 verewigt mit dem Spruch „Wissen spricht. Aber Weisheit hört zu“. Vielleicht war das ja nur als Verneigung vor seinen Fans gemeint, die ihm ergeben zuhörten. Vielleicht war es eine Abwandlung der Redensart „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Oder aber es war ein tiefer Blick in die menschliche Seele, die eigentlich nach Erkenntnis lauschen sollte und sich doch nur wichtig macht mit unwichtigem Geplauder.

Rasten und auf die Seele warten

Und schon sind wir mittendrin: die Lebensweisheiten der Philosophen setzen die Hirnaktivität in Gang, und genau das ist es, was Eduard Kary bezweckte: Die Zitate sollen keine Patentrezepte liefern, sondern Denkprozesse in Gang setzen – im günstigsten Fall den Betrachter dazu bewegen, inne zu halten und Wege zu suchen zu einem „ethisch guten Leben“. Die 20 Tafeln mit Texten vom 6. Jahrhundert vor Christus bis zur Gegenwart hat Eduard Kary zusammen mit einigen Freunden ausgesucht. Sie sind weder zeitlich noch thematisch sortiert. Der Rundweg wolle nicht das Erreichen des „philosophischen Olymps“ versprechen, hat Eduard Kary einmal gesagt. Aber er verglich die philosophischen Weisheiten mit Sternen „die den Alltag erhellen und nach denen wir uns ausrichten können“. Ein hehrer Vorsatz, an dem viele wohl spätestens im Alltagstrott scheitern. Und deshalb hat Eduard Kary auch gleich zu Beginn des Philosophenweges eine indianische Weisheit parat, die ziemlich sicher den Zeitnerv treffen dürfte: „Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis unsere Seelen uns wieder eingeholt haben“.

Wie lange die Wanderung dauert, hängt vor allem davon ab, wie oft man sich auf einer der zahlreichen Ruhebänke Zeit nimmt, die Weisheiten auf sich wirken zu lassen. Wer’s eilig hat, ist auf diesem Weg ohnehin fehl am Platz. Planen Sie mindestens eine Stunde ein, besser aber zwei.

Start und Ziel ist die Tauberbrücke im Kurpark. Hat man die Steigung am Ketterberg bewältigt, schweift der Blick  über die alte einstige Deutschordens-Residenz mit ihren markanten Türmen – und wer seinen Geist bei dieser traumhaften Aussicht nicht ins Schwingen bringt, dem können auch die besten Weisheiten nicht mehr helfen.

Kurz bevor man den Startpunkt im Kurpark wieder erreicht, kann am "Haus des Kurgastes" noch kurz ins Kneipp-Becken steigen. Apropos Kneipp: Der Philosophenweg verläuft teils parallel zum Kneipp-Weg, und wer den „Wasserdoktor“ kennt, weiß auch um dessen philosophisch angehauchten Erkenntnisse über den menschlichen Leib und dessen Gesundung ...

[Autor: FN-Redakteur Arno Boas]

Anfahrt

Bad Mergentheim liegt im Taubertal, am Kreuzungspunkt der Bundesstraßen 290 und 19. Die empfohlene Parkmöglichkeit (siehe "Parken") erreicht man, indem man in Bad Mergentheim zum Bahnhof in der Innenstadt fährt. Hier am BAGeno Raiffeisenmarkt in die Zaisenmühlstraße einfahren. Sie führt zu einem Parkhaus mit Parkplatz.

Parkmöglichkeiten

Direkt am Startpunkt gibt es keine Parkmöglichkeiten. Am besten ist es eventuell, im Parkhaus hinter dem BAGeno Raiffeisenmarkt in der Zaisenmühlstraße (Nähe Bahnhof) zu parken (kostenpflichtig). Von dort erreicht man den Ausgangspunkt der Wanderung wie unter "Öffentliche Verkehrsmittel" beschrieben.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Bad Mergentheim ist mit der Bahn erreichbar. Vom Bahnhof aus läuft man die Poststraße in östlicher Richtung entlang. Den bald erreichten Bahnübergang lässt man links liegen und läuft weiter geradeaus in den Badweg. Er führt am Gleis entlang zu einem weiteren kleinen Bahnübergang. Diesen überqueren und rechts weiterlaufen. Nach wenigen Metern steht man auf der Fußgängerbrücke über die Tauber, die der Ausgangspunkt dieser Wanderung ist.

Wegbeschreibung

Start und Ziel ist die Tauberbrücke im Kurpark, nicht weit vom "Haus des Kurgastes" entfernt. Von dort geht es über den Sebastian-Kneipp-Weg tauberabwärts zu einer anderen Brücke über den Fluss, die Wolfgangsbrücke. Man überqert die Wolfgangsbrücke, biegt rechts und kurz darauf links ab in den Ketterburgweg. Er führt  hinauf bis zum Schorrenweg. Diesem folgt man immer am Hang entlang.

Unterhalb des einstigen Cafés Waldeck führt ein Zick-Zack-Weg zurück hinunter in Richtung Kurpark. Vorbei am Kursaal erreicht man den Ausgangspunkt der Wanderung.