Zukunftsstadt - ein Überblick

Beim Klimawandel geht es auch um unser Stadtklima. (Foto: Jens Hackmann)
Beim Klimawandel geht es auch um unser Stadtklima. (Foto: Jens Hackmann)

 

 

Der Klimawandel in Bad Mergentheim

Biodiversitätsverlust, extreme Wetterereignisse oder das Abschmelzen von Gletschern, die Auswirkungen durch den Klimawandel sind vielfältig. Die Temperaturen erhöhen sich kontinuierlich und Hitzerekorde werden fast jährlich gebrochen. Auch in Bad Mergentheim werden regelmäßig neue Höchstwerte erzielt. Das Stadtklima unterscheidet sich im Wesentlichen vom Freilandklima dadurch, dass das Klima durch eine starke Bebauung beeinflusst wird. Auch die Stadtgröße, die Einwohnerzahl und die Höhe des Versiegelungsgrades sind wichtige Komponenten des Stadtklimas. Die folgende Abbildung zeigt die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes für die Bad Mergentheimer Innenstadt, Bereich Deutschordenschloss: In einem für den Zeitraum 2031 bis 2060 ermittelten Durchschnittsjahr liegen die Prognosetemperaturen (rote Kurve) in weiten Teilen über den Temperaturen des ermittelten Durchschnittsjahres des Zeitraums 1995 bis 2012. Bereits „kleine“ Temperaturunterschiede von nur wenigen Graden können den natürlichen Kreislauf langfristig durcheinander bringen.

 

 

Abbildung: Temperaturkurven gemäß Testreferenzjahren des Deutschen Wetterdienstes im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, 2017 (Quelle: Planstatt Senner).


"Globale" und "Nationale" Ziele  

Im Rahmen der Weltklimakonferenz in Paris wurde ein seit 2016 geltendes Abkommen getroffen, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu beschränken. Auf nationaler Ebene strebt die Bundesrepublik Deutschland eine Reduktion der Treibhausgase um 55 bis 60 % bis 2030 und 80 bis 95 % bis zum Jahr 2050 an. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion soll auf 40 – 45 % im Jahr 2025 und in den Jahren 2035 und 2050 auf 55 – 60 % bzw. 80 % erhöht werden. Den Kommunen kommt bei der Umsetzung der Klimaschutzziele eine wichtige Rolle zu, denn diese setzen die beschlossenen europäischen und nationalen Emissionsreduktionsziele um. Die Kommunen können zu der Minderung des CO2-Ausstoßes beitragen, indem sie beispielsweise Straßenbeleuchtungen, Schulen, Hallenbäder und Verwaltungsgebäude effizienter und sparsamer verwalten und betreiben. Aber auch auf Planungsebene können bereits frühzeitig präventive Klimaschutzmaßnahmen berücksichtigt werden. So führen beispielsweise kurze Wege im Stadtgebiet, zu einer Verringerung des Verkehrsaufkommens, was wiederum zu einer Minderung an Emissionen führt.

Doch allein den Fokus auf den Klimaschutz zu richten, würde nicht ausreichen und würde der Thematik nicht gerecht werden. Da wie Alexander von Humboldt es vor schon über 200 Jahren ausdrückte, "alles mit allem zusammenhängt", müssen beispielsweise auch Anstrengungen zum Arten-, Gewässer- & Biodiversitätsschutz unternommen werden. Neben der Klimawandelproblematik müssen gleichzeitig auch Themen wie Ressourcen- und Flächenverbrauch, Bodenerosion, Lärm, Vermüllung unserer Landschaft, etc. betrachtet werden. Um das Thema holistisch und interdisziplinär anzugehen, hat sich die Weltgemeinschaft unter dem Dach der Vereinten Nationen 2015 zu 17 globalen Zielen für eine bessere Zukunft verpflichtet. Leitbild der Agenda 2030 ist es, weltweit ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen und gleichzeitig die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft zu bewahren. Dies umfasst ökonomische, ökologische und soziale Aspekte gleichzeitig.


Nachhaltig denken · Nachhaltig handeln · Nachhaltig wirtschaften

Als strategisch-planerische Maßnahmen können beispielsweise die Erstellung eines Stadtentwicklungskonzeptes oder die Erstellung eines städtebaulichen Klimaanpassungskonzeptes betrachtet werden. Bei dem Klimaanpassungskonzept - wie wir es mit der Landesgartenschau-Konzeption für 2034 vorgelegt haben - werden Aspekte des Klimaschutzes auf städtebaulicher Ebene, welche das gesamte Stadtgebiet betreffen, berücksichtigt. Zu den Maßnahmen zählen etwa Themen wie der Hochwasserschutz, der Lärmschutz, die Versorgung über das Fernwärmenetz sowie die Begrünung und Entsiegelung von Flächen.

Die Stadtverwaltung möchte selbst auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Deshalb wurde in der Zeit zwischen Winter 2020 und Frühjahr 2021 eine CO2-Bilanz für die drei großen städtischen Liegenschaften Neues Rathaus, Altes Rathaus und Bauhof erstellt. Die ermittelten Kennzahlen ermöglichen eine Identifizierung von Verbesserungspotenzialen und schließlich das Ableiten von effektiven Handlungsmaßnahmen. Im Rahmen dessen möchte die Stadtverwaltung kurzfristig sowie langfristig ihre eigenen Emissionen reduzieren.

 

 

(Bilder: pixabay.com)

Um auch in Sachen Biodiversität voran zu kommen, wurden die Projektgruppen „Waldumbau“ und „Runder Tisch Biodiversität“ ins Leben gerufen. In den beiden Projektgruppen werden jeweils Projekte auf den Weg gebracht, welche hochwertige Ökosysteme schützen und erhalten sollen.

Die kommunale Wirtschaftsförderung hat sich zum Ziel genommen, die wirtschaftlichen Standortfaktoren weiter zu entwickeln. Das Thema nachhaltiges Wirtschaften nimmt hierbei eine immer wichtigere Rolle ein, denn wer nachhaltig und effizient wirtschaftet, der spart Ressorucen und gleichzeitig auch Geld ein. Besonders Förderprogramme und Netzwerkveranstaltungen sollen einen Anreiz für Unternehmen darstellen.

Bad Mergentheim, das sowohl für Moderne als auch für Tradition gleichzeitig steht, charakterisiert sich durch eine hohe regionale Wertschöpfung. Die Kurstadt steht an der Spitze, was die Verarbeitung von Produkten aus der Region angeht. Dies bietet viel Potenial: nicht umsonst wurde Bad Mergentheim bereits 2016 als "Nachhaltiges Reiseziel" zertifiziert.

Wir beteiligen unsere Bürgerschaft in diesen Prozessen. Im Rahmen der Landesgartenschaubewerbung konnten zahlreiche Vorschläge und Ideen mit in das Konzept aufgenommen werden. Mit Veranstaltungen wie dem "Stadtradeln" sollen die Einwohner und Einwohnerinnen die Möglichkeit bekommen, sich aktiv am Klimaschutz zu beteiligen.


CO2-Fußabdruck

Nach dem Motto "global denken - lokal handeln" möchte die Stadt nicht nur Bürger und Bürgerinnen zum Klimaschutz motivieren, sondern auch selbst einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten und hat deshalb im ersten Schritt einen umfangreichen „CO2-Fußabdruck“ erarbeitet. Dafür sind mit dem Neuen Rathaus, dem Alten Rathaus und dem Bauhof drei große Standorte der Verwaltung unter die Lupe genommen worden, an denen allein über 200 Menschen arbeiten. Analysiert wurde das Betriebsjahr 2019, damit es nicht zu Verzerrungen durch die Corona-Pandemie kommt. Ermittelt wurden die Zahlen und Ergebnisse gemeinsam mit der Nachhaltigkeitsberatung Fokus Zukunft, die der Stadt eine spezifische CO2-Berechnungssoftware zur Verfügung gestellt hat.

 

 

Der vorliegende Emissionsbericht wurde entsprechend den Richtlinien des Greenhouse Gas Protocol Corporate Standard
(GHG Protocol) erstellt. Das GHG ist international der am weitesten verbreitete und anerkannte Standard für die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen. Das Greenhouse Gas Protocol definiert Regeln zur organisatorischen Abgrenzung einer Treibhausgasbilanz und zur operativen Abgrenzung. Besonders relevant ist hier die Einteilung der Emissionen in drei sogenannte „Scopes“: Während Scope 1 alle direkt selbst durch Verbrennung in eigenen Anlagen erzeugten Emissionen umfasst, sind Scope 2 Emissionen, die mit eingekaufter Energie (z. B. Elektrizität, Fernwärme) verbunden sind. Scope 3 wiederum umfasst die Emissionen aus durch Dritte erbrachte Dienstleistungen und erworbenen Vorleistungen.

Die Studie zeigt im Detail auf, dass die Verwaltung auf einen Jahreswert von 578,3 Tonnen CO2-Äquivalente (CO2e) kommt. Das sind 2,74 Tonnen pro Mitarbeiter. Direkte Vergleiche mit anderen Behörden oder Betrieben sind noch schwierig, nach Rücksprache mit Fachleuten wird das Bad Mergentheimer Ergebnis aber eher im niedrigeren Bereich eingeordnet. So kommt der Bilanz etwa zugute, dass das große Neue Rathaus an die Naturwärme des Stadtwerks Tauberfranken angeschlossen ist und damit sehr ökologisch geheizt wird.

 


(Bild: pixabay.com)

An allen Standorten hat eine Detail-Betrachtung in zahlreichen Kategorien stattgefunden. Dazu zählen neben dem Wärme-, Strom- und Kraftstoffverbrauch auch vorgelagerte energiebezogene Emissionen (also solche, die in der Vorkette bei der Energiebereitstellung  entstehen). Weiter mit eingeflossen sind nicht nur die Geschäftsreisen, sondern auch die täglichen Arbeitswege der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Wasserverbrauch, Abfallaufkommen, Papierverbrauch sowie Hardware, Service- und Dienstleistungen. So war die Erstellung nicht nur eine akribische Daten-Sammlung und Recherche, sondern als weiterer Baustein wurde auch eine Mitarbeiterumfrage gestartet. So konnte erfasst werden, wer mit welchem Verkehrsmittel wie weit zur Arbeit fährt – und auch viele konkrete Vorschläge zum innerbetrieblichen Klimaschutz sind eingegangen.  Am Ende fußt die Qualität der Daten größtenteils auf Realwerten. Nur vereinzelt mussten Schätzwerte herangezogen werden, weil eine genaue Ermittlung nicht möglich war.

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass vor allem die Emissionskategorie Kraftstoffverbrauch mit 32,2 Prozent einen großen Anteil an der Gesamtbilanz hat. Dies liegt aber vor allem daran, dass für den Bauhof zahlreiche Maschinen mit hohem Spritverbrauch  benötigt werden. Aber auch bei den Emissionskategorien Wärmeverbrauch (14,4 Prozent), Stromverbrauch (13,7 Prozent) und Arbeitswege der Mitarbeitenden (18 Prozent) fallen wesentliche Mengen an Treibhausgasemissionen an. Auf Basis der vorliegenden Treibhausgasbilanz können folgende absolute Reduktionsszenarien für einen Beispiel-Zeitraum von 10 Jahren abgeleitet werden.

 

 

Um im eigenen Bereich eine Reduktion zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels zu erreichen, müsste der CO2-Ausstoß der Verwaltung für Scope 1 und 2 jährlich um 4,2 Prozent sinken. Ein Reduktionsziel für Scope 3 Emissonen bedarf einer individuellen Betrachtung und steht generell nicht im Fokus der Reduktionsziele auf dem Weg zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels. Unter dem 1,5-Grad-Ziel versteht man das Ziel, den menschengemachten globalen Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Diese Einsparziele möchte die Verwaltung in jedem Fall angehen. Einige Optimierungen wurden bereits vorgenommen.