Artenvielfalt für zu Hause

Hummel bei der Nahrungssuche
Hummel bei der Nahrungssuche

In den letzten Jahrzehnten sind über die Hälfte aller Fluginsekten ausgestorben. Das hat verheerende Folgen für Mensch und Umwelt. Bienen und andere Insekten besitzen eine Schlüsselrolle in unserem Ökosystem. Nicht zuletzt für den Menschen spielen sie eine lebenswichtige Rolle. Denn ohne Insekten wären Obst- und Gemüseernten nicht mehr möglich. Doch ob Hausgarten oder Balkon. Jeder kann einen kleinen Beitrag dazu leisten unseren Insekten sowohl Nahrungsangebote als auch Nist und Überwinterungsplätze anzubieten. Wir geben Ihnen hierfür ein paar Tipps:

Blühangebote schaffen

Wichtig ist es, nicht nur eine Blütenpracht zu schaffen, sondern auch darauf zu achten, dass die Blüten als Nahrungsquelle für Insekten dienen. Sogenannte "Schmuckblüten" wie z.B. Stiefmütterchen, Geranien, Dahlien oder auch Garten-Chrysanthemen produzieren aufgrund der Züchtungen keine Pollen und somit keinen Nektar.

Ziel sollte es sein unseren heimischen Insekten über die gesamte Vegetationsperiode - also von Februar bis Oktober einen gedeckten Tisch zu bereiten. Für Ihren Hausgarten können Ihnen folgende Wildblumen mit einem besonders hohen Nektargehalt behilflich sein (Liste nicht abschließend)

Storchschnabel          Wegwarte    Fetthenne

(Wegwarte, Fetthenne, Storchschnabel)

  • Februar: Gew. Hirtentäschel, Schwarze und Stinkende Nieswurz, Winterling, Huflattich, Krokus
  • März: Pestwurz, Zweiblättriger Blaustern, Küchenschelle
  • April: Zaun-Wicke, Löwenzahn, Taubnessel, Kriechender Günsel
  • Mai: Wilde Möhre, Wiesen-Rot-Klee, Inkarnat-Klee, Echter Steinklee, Weiß-Klee, Himbeere, Esparsette, Ringelblume
  • Juni: Wiesen-Margerite, Schafgarbe, Acker-Kratzdistel, Weißer Senf, Blaue Himmelsleiter, Weißer Steinklee, Katzenminze
  • Juli: Glockenblume, Malve, Wilde Karde, Vogelwicke, Wegwarte, Ysop-Bienenkraut
  • August: Sonnenblume, Besenheide, Bartblume, Prachtkerze
  • September: Sonnenhut, Aster, Fetthenne, Kapuzinerkresse, Bergminze
  • Oktober: Aster, Efeu, Fetthenne

Aber auch auf kleinem Raum wie z.B. Terasse oder Balkon lassen sich Insektenbuffets errichten

 Kapuzinerkresse                  Löwenmäulchen

(Kapuzinerkresse und Löwenmäulchen)

  • März: Heidekraut (bis April)
  • April: Mageriten (April bis z.T. Okt), Vanilleblume (April-Okt.)
  • Mai: Bienenschleierkraut (Mai-Nov.), Duftsteinrich (Mai-Okt.), Fächerblume (Mai-Okt.), Kapuzinerkresse (Mai-Okt.), Lavendel (Mai-Aug.), Löwenmäulchen (Mai-Sep.), Männertreu (Mai-Sep.), Verbene (Mai-Okt.), Sonnenhut (Mai-Okt.), Schmuckkörbchen/Cosmea (Mai-Sep.)
  • Juni: Fingerhut (Juni-Aug. Achtung! Sehr giftig), Glockenblume (Juni-Sept.), Storchschnabel (Juni-Aug.), Tagetes (Juni-Sep.)
  • Juli: Buschmalve (Juli -Okt.), Kugeldistel (Juli-Sept.)
  • August: Kissenaster (Aug. - Okt.)

Insektenfreundliche Garten- und Balkonpflanzen können nicht nur schön aussehen, sondern auch gut schmecken:

Oregano      Borretsch        

(Borretsch und Oregano)

  • Bohnenkraut (Juni-Sep.)
  • Borretsch (Mai-Sep.)
  • Küche-Salbei (Juni/Juli)
  • Oregano (Juli-Sep.)
  • Pfefferminze (Juni-Sep.)
  • Thymian (Juni bis z.T. Sep.)
  • Ysop (Juli-Sep.)
  • Zitronenmelisse (Juni-Aug.)

Sie haben keine Lust auf eine klassische Form-/oder Schnitthecke - die oftmals keinen Nahrungs- und Lebensraum für Tiere darstellen (z.B. Thuja) - dann wählen Sie doch Sträucher, die beides können. Schön aussehen und nebenbei zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.

Eine naturnahe Hecke wird, anders als die Schnitthecke, mit einer Vielzahl verschiedenster Gehölze angelegt. Man kann Kombinationen aus blühenden, essbaren Früchte tragendenen sowie mit schöner Herbstfärbung ganzjährig zusammenstellen. An Sichtachsen können immergrüne Sträucher wie z.B. Liguster, Eibe oder der immergrüne Schneeball. Zu beachten ist bei naturnahen Hecken der notwendige Pflanzabstand zur Nachbargrenze. Hierzu sollten Sie mind. 1,5m einplanen.

Achtung! Wer sich für eine naturnahe Hecke entscheidet muss beachten, dass man sie während der Vegetationsperiode - also ca. zwischen 1.März und 15. September nicht radikal zurück schneidet sollte. Denn in diesem Zeitraum ist die Brut- und Aufzuchtzeit der Vögel.

Im Folgenden haben wir Ihnen einige "klassische" Heckensträucher aufgeführt. Diese zählen zu den heimischen Gehölzen und sind somit unseren heimischen Insekten und Vögeln bestens vertraut. Der Gartengestaltung sind jedoch keine Grenzen gesetzt. Lassen Sie sich von einem Gärter bzw. einer Baumschule beraten.

  • Berberitze, Eibe, Feuerdorn, Gemeiner Schneeball, Himbeere, Johannisbeere, Liguster, Hainbuche, Hasel, Hartriegel, Holunder, Kornellkirsche, Kreuzdorn, Pfaffenhütchen, Weißdorn, Wildrosen, Wolliger Schneeball, Vogelbeere

Achten Sie darauf, dass einige unserer heimischen Gehölze giftig sind. Eine entsprechende Beratung ist insbesondere bei Familien mit kleinen Kindern wichtig!

Wildrose   Schneeball

(Wildrose und Gem. Schneebal)

Herbstzeit ist Zwiebelzeit

Mit die ersten Nahrungsquellen für Insekten sind im zeitigen Frühjahr Pflanzen wie Schneeglöcken, Winterlinge oder Krokusse. Um dieses Nahrungsangebot zu schaffen, sollten im Herbst - also von September bis zu den ersten Nachtfrösten (meist Anfang/Mitte November) Blumenziebeln im Garten gesteckt werden.

Wichtig hierbei ist die richtige Pflanztiefe. Sie beträgt etwa das Doppelte der Breite der Zwiebel. Auch sollte der Boden vorher gut gelockert werden. Wichtig ist auch, dass die Zwiebeln richtig herum positioniert. Also mit den Wurzeln nach unten und den Triebspitzen nach oben.

Achtung! Nicht alle Zwiebelblumen dienen als Nahrungsgrundlage für Insekten. Zahlreiche Tulpen sind z.B. so gezüchtet, dass weder Pollen noch Nektar vorhanden sind. Hierbei handelt es sich also um reine Schnittulpen. Achten Sie beim Kauf daher auf den entsprechenden Hinweis "Insektenfreundlich". Insektenfreundliches Pflanzgut ist meist mit einer Biene gekennzeichnet. Sollten Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, lassenSie sich von einer örtlichen Gärtnerei beraten.

Schneeglöckchen, Krokusse oder auch Wildtulpen lassen sich sehr gut verwildern und machen aus lichten Plätzen wie Wiesen, Rasenflächen und Gehölzränder ein natürliches, dauerhaftes Blütenmeer. Dazu die Samenstände nach der Blüte nicht abschneiden und mind. acht Wochen reifen lassen. Bis verwilderte Pflanzen blühen, braucht es ein paar Jahre, doch dann blühen sie immer wieder.

                   

 

(Winterlinge, Schneeglöckchen, Krokusse)

(Bilder:www.pixabay.com)