Biodiversität

Biodiversität (Bild: pixabay.com)
Biodiversität (Bild: pixabay.com)

Unser Main-Tauber-Kreis ist der ländlich geprägteste Landkreis in ganz Baden-Württemberg. Gewässer sowie artenreiche Wälder und Wiesen prägen unseren Lebensraum. Luft, Wasser, Boden und Co. stellen dabei ein hochkomplexes Ökosystem dar, welches unsere verbrauchte Luft filtert, Schadstoffe aufnimmt oder Nahrungsmittel und Medikamente bereitstellt. Die natürlichen Ressourcen sind jedoch endlich und wenn ein Element aus dieser Kette wegbricht, führt dies nicht selten zu einer Kettenreaktion. Verschwindet beispielsweise ein Insekt, das die Hauptnahrung eines Vogels ist, der wiederum auch Fressfeinde hat, gerät das Gleichgewicht des gesamten Systems durcheinander. Deshalb wurden Projekte wie der „Runde Tisch Biodiversität“ sowie die „Projektgruppe Waldumbau“ mit dem Ziel, der Biodiversität in Bad Mergentheim dauerhaft einen hohen Stellenwert zu geben, ins Leben gerufen.


Waldumbau

Dem heimischen Wald geht es nicht gut. Die Trockenheit, mitunter regelrechte Dürre, und der Borkenkäfer haben den Beständen schwer zugesetzt. Vor allem die Fichtenwälder sind davon betroffen. Der Gemeinderat hatte aus diesem Grund 2020 eine „Projektgruppe Waldumbau“ gebildet - mit Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinderatsfraktionen, der Stadtverwaltung und des Forstamtes.

„Waldumbau“ bedeutet, dass die Wälder an die für sie schwierigen Bedingungen des Klimawandels ein Stück weit angepasst werden (soweit dies möglich ist). Gleichzeitig soll die Baumartenvielfalt erhöht werden, was sich auch positiv auf den „Lebensraum Wald“ insgesamt auswirkt. Der Forst-Ertrag wird dabei nachrangiger gewichtet als früher. Beim so genannten „Waldumbau“ im Bad Mergentheimer Stadtwald ist in den vergangenen Monaten einiges passiert: 20.000 neue Bäume vieler besonders zukunftsfähiger Sorten sind gepflanzt worden. Die große Baumartenvielfalt umfasst Tulpenbaum, Baumhasel, Roteiche, Stieleiche, Traubeneiche, Bergahorn, Zeder, Douglasie, Hybridlärche, Spitzahorn, Fichte (in Mischung zu Douglasie), Walnuss, Hybridnuss, Schwarzkiefer, Elsbeere und Speierling. Viele dieser Baumarten kommen mit den steigenden Temperaturen besser klar und haben deshalb gute Chancen, sich stabil zu entwickeln.

Im Bereich „Geißberg“ stecken beispielsweise auf einem größeren Feld junge Tulpenbäume in ihren schützenden Wuchshöhlen. Im „Wachbacher Buchholz“ wachsen Douglasien und ein großes Feld Bergahorn. Hier können die Fachleute auch sehr gut beobachten, wie sich bereits 2016 gepflanzte Bäume bisher entwickeln: Die Hybrid-Lärche und die Weißtanne gedeihen sehr gut, was Hoffnung macht.

 

                      

1: Bergahorn 2: Douglasie 3: Tulpenbaum


Runder Tisch Biodiversität

Seit der ersten Zusammenkunft im Mai 2019 ist viel passiert! Neben Stadt- und Kurverwaltung, Gemeinderat und Jugendgemeinderat, wichtige Fachabteilungen des Landkreises (Umweltschutzamt, Landwirtschaftsamt, Landschaftspflegeverband) sowie weitere Interessensgruppen und Institutionen wie die Naturschutzgruppe, Kirchen, Fridays for future, Imker, Jäger, Bauernverband, Weinbauverein und Forst haben einige Projekte diskutiert und initiiert. 

So gilt im neuen großen Baugebiet Auenland III ein Verbot von so genannten „Steingärten“. Außerdem sind dort Dächer bis zu einer gewissen Neigung zu begrünen, bei Garagendächern ist dies grundsätzlich für die halbe Fläche vorgeschrieben. Weitere Punkte wurden in die Bauleitplanung aufgenommen, darunter fallen etwa die Verdichtung von Wohnbebauung oder der Erhalt und die Ergänzung vorhandener Obstbaumreihen.

 

(Bild: Hannes Hofmann)

Täglich engagiert im Einsatz für mehr Biodiversität ist auch der städtische Bauhof: Freiflächen, Straßenränder und Kreisverkehre werden mit artenreichen Staudenmischpflanzungen versehen. Dabei wird auf gebietsheimisches Saatgut zurückgegriffen. Das Zusammenspiel von frühblühenden Blumenzwiebeln und winterblühenden Gehölzen ergibt eine fast ganzjährige Blüte. Bäume und Sträucher erfüllen das Kriterium „stadtklimaverträglich“. Gedüngt wird nur mit organischem Dünger. Auf Rasenflächen und Spielplätzen wird inzwischen nicht mehr nur auf Pestizide, sondern komplett auf Dünger verzichtet. Für Rasenflächen, die nicht unmittelbar an Wege oder Straßen grenzen, gelten längere Mäh-Intervalle. Mit dem Mulchen wartet das Bauhof-Team bis nach der Blüte und der Aussaat. Die Berghornallee an der Bismarckstraße soll mit ihren zahlreichen Stammhöhlungen und Totholzanteilen – einem wichtigen Lebensraum – unter Berücksichtigung der Verkehrssicherungspflicht möglichst lange erhalten bleiben.

In Kernstadt und Teilorten gilt zudem das Motto „naturnahe Pflege“. Das bedeutet nicht nur, dass umstrittene Chemikalien wie Glyphosat tabu sind, sondern heißt auch: mehr Pflege von Hand und mit mechanischen Verfahren. Wobei bei den letzteren sogar zunehmend eine Umstellung auf emissionsfreie Elektro-Geräte erfolgt. In Bad Mergentheim wird darauf geachtet, das besondere Ambiente der Stadt in Einklang mit der Natur zu gestalten. Bei der Pflege des weitläufigen Kurparks kommen Elektro-Fahrzeuge zum Einsatz, Brunnen werden mit energiesparenden Pumpen betrieben und die Beleuchtung nutzt effiziente Technologien.


Fließgewässer

Zwei Fließgewässer prägen Bad Mergentheim entscheidend mit: die Tauber und der Wachbach. Insbesondere der Wachbach ist tief eingeschnitten und teilweise überdeckelt, die Ufer sind fast vollständig verbaut. Da der Bach mitten durch die Stadt fließt, fehlen Retentionsräume und es besteht erhöhte Hochwassergefahr, weshalb der Wachbach renaturiert werden soll. An der Tauber werden unkontrollierte Zugänge ans Wasser geschaffen, was ein Eingriff in Lebensräume geschützter Arten bedeutet, da Angebote für Freizeit und Erholung fehlen. Mit der Schaffung neuer Aufenthaltsplätze wie dem Stadtstrand, möchte die Stadt Besucherströme zukünftig besser lenken und somit Rückzugsflächen für Flora und Fauna ermöglichen. Auch das Thema Hochwasserschutz wird rund um die Fließgewässer weiterhin präsent bleiben.

 

 

(Bild: Holger Schmitt)