Deutschhauskirche Würzburg

Ein genaues Datum der Ansiedelung des Deutschen Ordens in Würzburg ist nicht überliefert. 1219 schenkte der Würzburger Bischof Otto von Lobdeburg dem Orden den ehemaligen Königshof, der an der Straße von der Mainbrücke zur bischöflichen Burg lag, der heutigen Zeller Straße. In dem Gebäude, nun Ordenshaus, hatte 1156 der berühmte Stauferkönig Friedrich I. Barbarossa seine Hochzeit mit Prinzessin Beatrix von Burgund gefeiert. Spätestens 1231 erfolgte die Erhebung zur Kommende, deren Bedeutung im Verlauf des 13. Jahrhunderts mit Unterstützung der Würzburger Bischöfe stark zunahm. Die ordenseigenen Besitzungen konnten dabei vor allem durch zahlreiche Schenkungen vergrößert werden.

Die Deutschhauskirche im 20. Jahrhundert. Stadtarchiv Würzburg, Bildersammlung
Die Deutschhauskirche im 20. Jahrhundert. Stadtarchiv Würzburg, Bildersammlung

Bereits in den 20er Jahren des 13. Jahrhunderts ließ der Deutsche Orden einen Turm in spätromanischen Stil an das Ordenshaus bauen und richtete darin im Erdgeschoss eine Kapelle ein, die der Jungfrau Maria, der Schutzpatronin des Ordens, geweiht war. Um 1270 wurde mit einem frühgotischen Kirchenbau begonnen, der überwiegend durch Ablassbriefe finanziert wurde, die für freiwillige Geld-, Sach- und Arbeitsleistungen ausgestellt wurden. Endgültig konnte die Deutschhauskirche jedoch vermutlich erst Anfang des 14. Jahrhunderts fertig gestellt werden, da die Bürgerschaft den Bau durch Proteste hinauszögerte. Gewidmet wurde sie der Jungfrau Maria und der Heiligen Elisabeth von Thüringen.

Die Deutschordenskommende erlebte ihren Höhepunkt in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Danach verlor der Orden trotz andauernden Wohlstands immer mehr an Bedeutung, bis er schließlich, wie auch andernorts, überwiegend der Versorgung seiner adeligen Ordensherren diente. Ihren Reichtum verlor die Würzburger Kommende im Bauernkrieg 1525, in dessen Verlauf das Ordenshaus von den aufständischen Bauern als Lager erobert wurde und in der Folge großen Zerstörungen ausgesetzt war. Auch der Dreißigjährige Krieg hinterließ seine Spuren.

1694 wurde das alte Komtureigebäude durch Antonio Petrini im Barockstil umgebaut. Im Jahr 1789 wurde die Würzburger Kommende ebenso wie die ganze Ballei Franken dem Meistertum Mergentheim einverleibt. Nach der Auflösung des Ordens durch Napoleon 1809 ging der Ordensbesitz zunächst an das neugeschaffene Großherzogtum Würzburg, dann an Bayern über. Das Komtureianwesen wurde zu militärischen Zwecken genutzt, so diente die Kirche als Militärmagazin. 1922 wurde sie der lutherischen Pfarrei als Gotteshaus überlassen. Der Kircheninnenraum wurde saniert, wobei teilweise alte Kirchenausmalungen wiederhergestellt werden konnten. Den Luftangriff am 16. März 1945 überstand die Deutschhauskirche ohne größere Schäden. Bis in die jüngste Vergangenheit erfolgten mehrfach Renovierungsarbeiten an der Fassade, den Innenräumen und umliegenden Gebäuden. 1981 wurde ein Gemeindesaal angebaut. Im ehemaligen Kommendegebäude befindet sich seit 1945 das Flurbereinigungsamt bzw. nach heutiger Bezeichnung das Amt für Ländliche Entwicklung.

Kirche und romanische Kapelle können täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr außerhalb der Gottesdienste besichtigt werden.