Deutschen Orden in Mühlhausen

Der Deutsche Orden war die bestimmende kirchliche Kraft im Mittelalter in Mühlhausen und verfügte nicht nur über bedeutenden Grundbesitz sondern auch über zwei Ordenshäuser in der Alt- und Neustadt. Er besetzte alle Pfarrkirchen der Innenstadt mit seinen Priestern und brachte im 14. Jahrhundert auch die Vorstadtkirchen unter seine Kontrolle. Mit der Schenkung der beiden Hauptkirchen Divi Blasii (1227) und St. Marien (1243), durch die Söhne Kaiser Friedrich II., erlebte der Deutsche Orden seine Blütezeit in Mühlhausen. Kristan von Mühlhausen, der einer reich begüterten Reichsministerialenfamilie entstammte, trat 1271 dem Deutschen Orden bei. Er wurde Pfarrer der Altstadtkirche Divi Blasii und Komtur der Altstadtkommende in Mühlhausen. Mit einem großen Teil seines privaten Vermögens finanzierte er den Neubau der Blasiuskirche und der Annenkapelle. Als Bischof von Samland (Königsberg) und auch als Weihbischof der Mainzer Diözese bleibt Kristan eng mit Thüringen und seiner Vaterstadt Mühlhausen bis zu seinem Tod 1295 verbunden.

St. Marienkirche - Abbildung: Stadt Mühlhausen, Foto Tino Sieland
St. Marienkirche - Abbildung: Stadt Mühlhausen, Foto Tino Sieland

Rundgang durch Mühlhausen

Station 1 – Divi Blasii Kirche

In der Altstadt von Mühlhausen, am „unteren Markt der Stadt“ erhebt sich die dreischiffige Hallenkirche, die dem Heiligen Blasius von Sebaste geweiht ist.

Er gehört zu den 14 Nothelfern und ist unter anderem Patron der Weber, ein Handwerk das Jahrhunderte lang eng mit der Stadt Mühlhausen verbunden war.

Am 22. Sept. 1227 schenkte König Heinrich VII. die Kirche dem Deutschen Orden. Aus dieser Urkunde erfahren wir erstmals überhaupt von der Existenz einer Kirche in Mühlhausen, deren Gründung jedoch bislang im Dunkel der Geschichte bleibt.

Tipp: Die Tourist Information vermittelt für Gruppen Orgelführungen.

Divi Blasii Kirche – Evangelische Pfarrkirche, Am Untermarkt,  99974 Mühlhausen

weitere Informationen:

Um 1240 beginnen durch den Deutschen Orden Umbauarbeiten an der dreischiffigen Basilika, die mit Travertin, einem Kalktuff, das aus kalkhaltigem Quellwasser entsteht, errichtet wurde.

Der Deutschordensritter Kristan, der aus einer Mühlhäuser Reichsministerialen- Familie stammte und 1271 in den Deutschen Orden eintrat, wird als Pfarrer der Altstadt an der Hauptkirche St. Blasien genannt. Auf ihn, den späteren Bischof von Samland, geht wohl der Planwechsel von einer dreischiffigen Basilika zur dreischiffigen Hallenkirche zurück. Seine finanziellen Möglichkeiten und seine Weltkenntnis waren die Voraussetzungen für die Realisierung. Allerdings waren zum damaligen Zeitpunkt beide Türme, der Nordwestturm und der Südturm mit der ältesten Glocke (1281), bereits vollendet.

Deutlich sind auch an den Querhausrosetten, der Bauplastik und den Bündelpfeilern die Einflüsse der nordfranzösischen Kathedralbaukunst und des Rheinlandes zu spüren.

Kristan von Samland  wurde 1295 auf seinen Wunsch hin im Bereich des Hauptchores begraben. Die Grabplatte befindet sich an der Südwand des Hohen Chores.

 

Station 2 – Annenkapelle Komturei St. Blasien

Als königlicher Besitz erlangte der Ort Mühlhausen bereits im 10./11. Jh. besondere Bedeutung. Um 1202 bekamen die Deutschordensbrüder die Erlaubnis, Gottesdienste in den Kirchen von Mühlhausen zu halten. Nach dem Erwerb des Landes zwischen Blasiuspfarrei und Stadtmauer begann 1262 der Bau eines 3-seitigen Deutschordenshauses, einer Kommende. Hier lebten sowohl Ritterbrüder wie auch Priesterbrüder und Laien unter der Leitung eines Oberen, dem Komtur. Er übte alle Verwaltungsbefugnisse aus und beaufsichtigte die seiner Kommende unterstellten Güter.

Annenkapelle, Kristanplatz, 99974 Mühlhausen, Tel.: 03601-446516

Öffnungszeiten: Mo:  9.00 -12.00 Uhr; Di: 9.00 -12.00 Uhr und 13.00 – 18.00 Uhr; Mi: geschlossen; Do: 9.00 -12.00 Uhr und 13.00 – 14.30 Uhr; Fr: 9.00 -12.00 Uhr; Samstag und Sonntag bleibt das Haus geschlossen. Im Falle von Urlaub und Krankheit kann es zu Änderungen der Öffnungszeiten kommen.

 

Station 3 – ehemalige Predigerkirche „Peter und Paul“

Kristan, Bischof von Samland, verkauft dem Orden der Dominikaner für 40 Mark Silber einen Hof als Bauplatz für ein Kloster. 1290 begannen die Bautätigkeiten des in Ablassbriefen genannten „Bartholomäusklosters“. Die Klosterkirche, den Aposteln Petrus, Paulus und Bartholomäus geweiht, war eine dreischiffige Hallenkirche mit elf Jochen, eine der größten in Mühlhausen. Auch ein Friedhof ist nachweisbar. Die Weihe der Kirche ist für das Jahr 1348 belegt.

Steinweg (gegenüber der Allerheiligenkirche), 99974 Mühlhausen

 

Station 4 – Marienkirche

Weithin sichtbar mit ihrem 87 Meter hohen neugotischen Turm und dem gewaltigen Kirchenschiff erhebt sich die Marienkirche über das Häusermeer der Stadt. St. Marien ist ein Architekturdenkmal von nationalem Rang, deren Geschichte bis in das 11. Jahrhundert zurück reicht. 1243 schenkte König Konrad IV. die Kirche dem Deutschen Ritterorden. Es ist die zweite Schenkung einer Kirche; 1227 wurde bereits St. Blasien in der Unterstadt dem Deutschen Ritterorden übergeben.

St. Marien, Müntzer - Gedenkstätte, Bei der Marienkirche, 99974 Mühlhausen

 

Station 5 –Marienpfarrei (ehemaliger Deutschordenshof)

Marienpfarrei (ehemaliger Deutschordenshof)

Abbildung: Tourist Information Mühlhausen, Foto Nancy Krug

Mit der Schenkung der Marienkirche an den Deutschen Orden 1243 erfolgte auch die Anlegung einer Kommende, einer dreiseitigen Hofanlage in der Oberstadt. Ihre Geschlossenheit wurde zwar bewahrt, aus der ursprünglichen Zeit ist aber kaum etwas erhalten. Im Stadtbrand 1689 eingeäschert, wurde es 1697 als Pfarrhof in der jetzigen Gestalt mit schlichten Fachwerkgeschossen, Rundbogentoren am Ost- und Südflügel und einem Küchengewölbe samt mächtigem, auf einer Steinsäule ruhendem Rauchfang im Osttrakt nahezu neu errichtet.

Kirchenkreis Mühlhausen, Bei der Marienkirche 9, 99974 Mühlhausen

 

Station 6 – Antoniushospital

1207 wurde das Hospital auf einem, dem Stift Oberdorla gehörenden Gelände im Nordwestwinkel der Oberstadt gegründet. Um 1270 errichtete man die Kapelle. Sie unterstand, wie auch die ehemalige Johanniskirche, dem Patronat des Rates von Mühlhausen. Über alle anderen Kirchen besaß seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert der Deutsche Orden das Patronat.

Als es in den Jahren 1357 – 1362 zwischen Rat und Deutschem Orden zu einer heftigen Auseinandersetzung wegen der Bestattungsordnung während einer Pestepidemie kam, verbot der Orden jegliche kirchliche Handlung (Interdikt).

AntoniQ, Holzstraße 13, 99974 Mühlhausen

Öffentliche Sonderführung am Tag der offenen Tür am 24.04.2016

 

Anmeldung unter:

Tourist Information Mühlhausen
Ratsstrasse 20

99974 Mühlhausen

Tel.: +49 (0)3601 - 404770

Fax +49 (0)3601 – 4047711

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