Der Deutsche Orden in Bad Mergentheim

Anlässlich der Heimattage zeigt das Deutschordensmuseum in Kooperation mit
der Schatzkammer des Deutschen Ordens Wien und der Stadt Bad Mergentheim
vom 24. April bis 10. Juli 2016 in der Neuen Fürstenwohnung
die Sonderausstellung „Schätze des Deutschen Ordens“.

Luftbild des Schlosses: Bytomski, Würzburg
Luftbild des Schlosses: Bytomski, Würzburg

Deutschordensmuseum Bad Mergentheim
Das Schloss von Mergentheim war seit 1219 eine Niederlassung des Deutschen Ordens und von 1525 bis 1809 Residenz der Hoch- und Deutschmeister des Deutschen Ordens. Das Deutschordensmuseum im Schloss präsentiert die 825jährige Geschichte des Deutschen Ordens, die Stadtgeschichte Mergentheims, die Jungsteinzeit im Taubertal, das Mörike-Kabinett, eine Puppenstubensammlung und die Adelsheim´sche Altertumssammlung.
Von der bewegten Baugeschichte des Schlosses zeugen Bauteile aus Romanik (Palasarkaden), Renaissance (Berwarttreppe), Rokoko (Götterzimmer) und Klassizismus (Kapitelsaal). Juwel der Residenz ist die Schloßkirche, zu deren Bau bedeutende Künstler wie Balthasar Neumann und François de Cuvilliès beigezogen wurden.

Ein erster, steinerner Bau existierte wohl bereits im 11. Jahrhundert. Durch die Stiftung dreier Brüder Hohenlohe kam diese Burg 1219 an den Deutschen Orden. Sie wird Amtssitz der Kommende und in Folge durch Umbaumaßnahmen und Neubauten aufgewertet. Eine Burgkapelle an Stelle der heutigen Schlosskirche, ein repräsentativer romanischer Palas, ein erstes, gotisches Kapitelhaus entstehen. Die Einzelbauten werden ab etwa 1330 umwehrt.

Staufische Palasarkaden, um 1250

Als ab 1525 Mergentheim zum Sitz des Hoch- und Deutschmeisters und damit zur Residenz und zum Sitz der Verwaltung wird, wird die mittelalterliche Burg in einer zweiten großen Umbauphase den Erfordernissen angepasst und unter Hochmeister Georg Hund von Wenkheim (1566-1572) zu einem Renaissanceschloss umgebaut. Kanzlei und Archivgebäude werden errichtet, der Stuttgarter Baumeister Blasius Berwart verbindet die nördlichen und westlichen Gebäudeteile durch eine kunstvolle Renaissancewendeltreppe („Berwarttreppe“), die zu den architektonischen Höhepunkten des Schlosses zählt. Hochmeister Heinrich von Bobenhausen (1572-1585) sorgt für die neue Gestalt des Kapitelsaals im Stil der Renaissance mit Wappenreihen der Deutschmeister und der Hochmeister über den Fenstern, lässt Marstallgebäude, Trapponei, Getreidescheuer und Ochsenstall im äußeren Schlosshof anlegen und unter dem Südflügel einen Gewölbekeller einbauen. 1586 wird der zweite, der südwestliche Treppenturm in gotisierender Formensprache fertiggestellt und verbindet West- und Südflügel endgültig miteinander. Ein Gebäudekranz ist entstanden.

 

Treppe von Blasius Berwart, 1574
Foto: Jens Hackmann

In der Regierungszeit des Hochmeisters Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1694-1732) und seines Nachfolgers Clemens August von Bayern (1732-1761) kommt es zu einer dritten Umbau- bzw. zu einer Modernisierungsphase am Mergentheimer Schloss. So erfolgt ab 1730, im beginnenden Rokoko, der Neubau der Schlosskirche an Stelle des gotischen Vorgängerbaus. Baumeister der 1736 vollendeten Kirche ist Franz Joseph Roth, Hochmeister Clemens August zieht zur Beratung berühmte Baumeister bei: François de Cuvilliés d. Ä., Hofbaumeister in München, und Balthasar Neumann, Hofbaumeister in Würzburg. Den Stuck führte Franz Joseph Roth nach Entwürfen von François de Cuvilliés aus. Die Deckenfresken stammen vom Münchner Hofmaler Nikolaus Stuber: „Verherrlichung des Kreuzes im Himmel und auf Erden“ und im Chor „Kreuzvision des Kaisers Konstantin“.

 

Deckenfresko von Nikolaus Stuber in der Schlosskirche, 1736
Foto: Holger Schmitt

Deckenfresko von Nikolaus Stuber in der Schlosskirche, 1736 ©Holger Schmitt

Das „Alte Fürstenquartier“ in der Beletage im zweiten Obergeschoß des Nordflügels wird umgebaut und prächtig stuckiert, das Götterzimmer neu gestaltet. Der Würzburger Hofarchitekt Balthasar Neumann und der Münchner Hofbaumeister François de Cuvilliès werden mit Planungen für einen Umbau des Südflügels beauftragt, die jedoch nicht ausgeführt werden. Clemens August von Bayern lässt von 1735 bis 1739 im zweiten Obergeschoss des Südflügels durch Baumeister Franz Joseph Roth eine repräsentative „Neue Fürstenwohnung“ mit prächtigen Stuckdecken einrichten, deren Raumfolge auf das Hofzeremoniell abgestimmt ist. 1739 bis 1745 wird die Sala terrena, ein Gartenfesthaus, von Franz Joseph Roth nach Plänen von Cuvilliès im Süden an das Schloss angebaut, dort finden Konzerte, Theateraufführungen, Tanzveranstaltungen statt. Schon 1823 wird sie wegen Baufälligkeit bereits wieder abgerissen.

Kapitelsaal von Franz Anton Bagnato, 1780/82
Foto: Foto Besserer, Lauda-Königshofen

Gegen Ende des Jahrhunderts - von 1776 bis 1782 - findet eine letzte große Baumaßnahme durch den Deutschen Orden statt: Franz Anton Bagnato baut einen prächtigen neuen Kapitelsaal, der stilistisch den Übergang von Barock zum Klassizismus markiert, Augustin Bossi übernimmt die Stuckarbeiten. 1797-99 wird durch den Münsteraner Baumeister Wilhelm Ferdinand Lipper und Adam Stahl das klassizistische Hauptstiegenhaus angelegt, das das Schloss Richtung Stadt öffnet, 1809 endet die Ordensherrschaft in Mergentheim.

Ab 1827 wird das Schloss als Wohnsitz für Herzog Paul von Württemberg instand gesetzt. Von 1868 bis 1926 nutzt man es als Kaserne. Ab 1927 sind staatliche und städtische Behörden, Schulen und das Museum im Schloss untergebracht. Das Land Baden-Württemberg lässt es von 1988 bis 1996 umfassend restaurieren, so dass dem Deutschordensmuseum seit 1996 die gesamte Fläche des Hochschlosses zur Verfügung steht.

In guter Tradition bietet das Deutschordensmuseum an jedem Sonn- und Feiertag
um 15 Uhr eine Führung „Der Deutsche Orden von 1190 bis heute“ an.

 

Anschrift

Deutschordensmuseum
Schloss 16
97980 Bad Mergentheim

 

Öffnungszeiten

April – Oktober: Dienstag – Sonntag/Feiertage 10.30 – 17 Uhr

November – März: Dienstag – Samstag 14 – 17 Uhr, Sonntag/Feiertage 10.30 – 17 Uhr

24./25./31.12. geschlossen

Literatur

Trentin-Meyer, Maike (Hrsg.)/Arnold, Udo (Text), Deutscher Orden 1190-2000. Ein Führer durch das Deutschordensmuseum, Baunach 2004