Die Entdeckung der Heilquellen

Ein Schäfer entdeckt die Quelle: Am Morgen des 13. Oktobers 1826 weidete der Schäfer des Johanniterhofes Franz Gehrig seine Herde rechts der Tauber beim heutigen Pavillon der Wilhelmsquelle. Ein heißer Sommer, ein trockener Herbst hatten den Wasserspiegel des Flusses gesenkt. Gehrig bemerkte, dass sich seine Schafe gierig um ein Rinnsal am Hang drängten, das bis dahin unbemerkt in die Tauber gesickert war.

Der Schäfer Gehrig entdeckte 1826 die Heilquellen wieder. (Foto: Holger Schmitt)
Der Schäfer Gehrig entdeckte 1826 die Heilquellen wieder. (Foto: Holger Schmitt)

Als er von dem Wasser kostete, schmeckte er Salz. Der Schäfer ahnte die Bedeutung seines Fundes und meldete ihn auf dem Rathaus. Noch am gleichen Tag wurden Wasserproben entnommen. Die Gutachten stimmten hoffnungsvoll. Wie spätere Grabungen ergaben, waren mindestens zwei der Mergentheimer Solen, die Wilhelmsquelle und Karlsquelle, schon in prähistorischer Zeit zur Salzgewinnung genutzt worden; dabei leitete man die Sole über erhitzte Steine, das Wasser verdampfte, das Salz kristallisierte aus. 

Später wurden die Quellen unter Kies und Geröll begraben. Die mineralhaltigen Wässer konnten nicht mehr aus eigener Kraft ans Tageslicht steigen. Die vermorschten Pfähle der prähistorischen Schachtfassung wirkten aber weiter wie Steigrohre, in denen die Wässer aufdringen konnten. Neben dem extrem niedrigen Wasserstand der Tauber und der Aufmerksamkeit des Schäfers Gehrig fügte im Oktober 1826 dieser dritte Zufall zur glückhaften Konstellation der Wiederentdeckung.